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  • Tschechen feiern Rückkehr ins Rampenlicht
    19. Mai 2006 16:28

    Tschechiens Nationalmannschaft.
    Bild vergrößern
    Foto: dpa
    Die WM-Euphorie in Tschechien ist riesengroß – trotz der jüngsten Korruptions-Affäre. An Deutschland hat das Team von Trainer Karel Brückner ohnehin sehr gute Erinnerungen.
     
    Der historische Europameister-Titel für die Tschechoslowakei 1976 überstrahlt auch drei Jahrzehnte später alle sonstigen Erfolge der seit 1993 getrennten Staaten. Zwar wurde die Tschechoslowakei 1934 und 1962 Vize-Weltmeister, und 1996 verlor Tschechien in London knapp 1:2 gegen Deutschland das EM-Endspiel. Dennoch ist der Sieg über den großen Nachbarn aus Deutschland tief im kollektiven Gedächtnis verankert - wohl auch wegen des spektakulären Elfmeter-Fehlschusses von Uli Hoeneß hoch über das Tor von Viktor. «Den Ball», scherzte Franz Beckenbauer vor kurzem in Prag, «den suchen sie in Belgrad immer noch.»

    Großer Auflauf bei Beckenbauer-Besuch

    Mehr in der Netzeitung:
  • Der WM-Kader 19. Mai 2006 16:53, ergänzt 09. Jun 2006 10:05
  • Die Reise des WM-OK-Vorsitzenden an die Moldau verdeutlicht wohl am besten die Vorfreude der Tschechen auf das Turnier in Deutschland. Wie ein Staatsmann wurde Beckenbauer von Präsident Vaclav Klaus und Regierungschef Jiri Paroubek empfangen, und die Prager Zeitungen schmückten am nächsten Tag ihre erste Seite mit Fotos des Besuchs. Der tschechischen Mannschaft prophezeite Beckenbauer eine gute WM: «Wenn alle Spieler gesund sind, hat sie das Potenzial, bis ins Viertel- oder Halbfinale zu kommen. Und vielleicht sogar weiter, wer weiß?»

    Dabei war es ausgerechnet Beckenbauer, der die bisher letzte Teilnahme von tschechischen Fußballern bei einer WM beenden half. Der heute 60-Jährige trainierte 1990 in Italien jene deutsche Mannschaft, welche die Tschechoslowakei im Viertelfinale durch ein Elfmetertor von Lothar Matthäus nach Hause schickte - nach einem Foul am heutigen Bundestrainer Jürgen Klinsmann. Nach 16 Jahren sind die Tschechen wieder bei einem globalen Turnier dabei: auch deswegen ist das Fußballfieber in Böhmen und Mähren so groß.

    Tausende Tschechen erwartet

    Obwohl Eishockey und nicht Fußball in Tschechien Nationalsport Nummer eins ist, wollen aus Prag, Pilsen, Ostrau und anderen Städten Tausende zum Turnier reisen. Wie viele genau, weiß niemand. Bei einem durchschnittlichen Monatslohn von 650 Euro ist Deutschland für Tschechen ein teures Land. Zudem bestreitet die Mannschaft von Nationaltrainer Karel Brückner ihre Erstrundenpartien in den von Tschechien eher entfernten Spielorten Gelsenkirchen, Köln und Hamburg. Nürnberg, Leipzig, ja sogar Berlin liegen viel näher.

    Weit reisen müssen tschechische Fußballfans auch sonst, wenn sie ihre Idole sehen wollen. Während 1976 kein Europameister im Ausland spielte, ist heute kaum ein Nationalspieler zu Hause unter Vertrag: sechs spielen in Deutschland, vier in Frankreich, drei in Italien, der Rest zum Beispiel in England oder den Niederlanden.

    Korruption schadet WM-Fieber nicht

    Das WM-Fieber überstrahlt gar die größte Korruptionsaffäre in der Geschichte des tschechischen Fußballs: 14 Schiedsrichter, fünf Vereine, sechs Funktionäre und zwei Delegierte sind in den Fall verwickelt. Aufgedeckt worden war das weit verzweigte Netz im Mai 2004 auf Grund abgehörter Telefongespräche der Polizei. Auch wegen dieser Affäre besuchen derzeit nur durchschnittlich 5000 Zuschauer ein Spiel der ersten tschechischen Liga. Beckenbauer riet, nach vorne zu sehen: «Solche Affären sind oft das Versagen Einzelner, die auch nur Menschen sind. Wo viel Geld ist, ist die Verlockung groß.»

    Tschechen gelten als eher misstrauische Menschen. So setzen Wenige auf einen vorderen Platz ihrer Mannschaft bei der WM. Bereits im Achtelfinale könnte Tschechien auf Brasilien stoßen, später auf Deutschland. (nz)




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