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  • England, Paraguay, Schweden, Trinidad/ Tobago

  • Schweden haben keine Angst
    21. Jun 2006 08:47, ergänzt 11:45

    Marcus Allbäck
    Bild vergrößern
    Foto: dpa
    Die Schweden gehen allenfalls mit Respekt in die Achtelfinal-Begegnung gegen Deutschland. Den Auftritt aus der zweiten Halbzeit gegen England wollen die Skandinavier ins K.o.-Spiel mitnehmen.
     
    Von Markus Wanderl, Köln

    Bilderschau:
    Es waren die Schweden, die sich am Dienstagabend in Köln nach dem Abpfiff abklatschten und umarmten. Weniger die Engländer, obwohl Sieger der Gruppe B. In der 90. Minute war Stürmer Henrik Larsson der 2:2 (0:1)-Ausgleich für sein Team gelungen. Schwedens Lieblingsspieler hatte nach einem weiten Einwurf von Erik Edman den Fuß ins Abwehr-Getümmel gehalten und dafür gesorgt, dass England vielleicht noch weitere 38 Jahre warten muss, bis es seinen Angstgegner endlich wieder besiegen kann.

    Brieftaube im Grunewald

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  • Ein symbolträchtiges Tor hatte Larsson da zustande gebracht. In mancherlei Hinsicht. Denn dieser Treffer enthielt auch die Botschaft an die gesamte Fußball-Welt: Wir Schweden geben niemals auf.

    Womöglich hat sich in der Nacht zum Mittwoch noch eine blau-gelb beflaggte Brieftaube in Richtung Berlin aufgemacht, ist durch die Zimmer im Hotel Grunewald geflattert, um diese Kunde im deutschen Team zu verbreiten. Der WM-Gastgeber ist am Samstag (17 Uhr) Achtelfinal-Gegner der Schweden, während Beckham & Co am Sonntag in Stuttgart (17 Uhr) auf Ecuador treffen. Nur mit einem Sieg gegen England hätten die Schweden im abschließenden Vorrunden-Spiel ein frühes Aufeinandertreffen mit Deutschland vermeiden können

    Die Schweden machten im Spiel gegen England zunächst den Eindruck, als sei ihnen völlig wurscht, mit welchem zur Auswahl stehenden Team sie sich in der Runde der letzten 16 Mannschaften auseinandersetzen müssen. Spötter mochten sogar behaupten, dass sich die Nachricht vom Gruppensieg der Klinsmann-Elf bei den Schweden erst in der Halbzeit rumgesprochen habe. Denn in Hälfte eins ließen sich die Schweden von den agilen Engländern nach allen Regeln der Kunst den Schneid abkaufen.

    Sie verloren fast jeden Zweikampf. Man musste das Schlimmste befürchten. Denn bei einem Sieg von Trinidad und Tobago im zeitgleich ausgetragenen Spiel der Gruppe B sowie gleichzeitig einer Niederlage der Schweden gegen England mit zwei Toren Unterschied hätte das Team von Lars Lagerbäck vorzeitig das Turnier-Aus ereilt.

    Engländer zunächst dominant

    Allein der mangelnden Chancenauswertung der Engländer hatten es die Schweden zu verdanken, dass sie nach 45 Minuten nur 0:1 zurücklagen, durch ein herrliches Tor des besten Spielers auf dem Platz, Chelseas Joe Cole (34.). Die Engländer hatten sich selbst vom frühen Ausscheiden ihres Angreifers Michael Owen (4.), über dessen scheinbar schlimmere Verletzung erst am Mittwochvormittag Genaueres bekannt wird, nicht schocken lassen, sondern die passiven, einfallslosen Skandinavier «nach Belieben dominiert», wie Coach Sven Göran Eriksson treffend feststellte.

    Aber es kam wie so oft zur unerhörten Begebenheit. Sechs Minuten nach Wiederanpfiff schlug der Schwede Tobias Linderoth eine Ecke, und der ehemalige Rostocker Marcus Allbäck köpfelte gekonnt ein (51.). Der Spielverlauf war für den Moment auf den Kopf gestellt. Und für die Schweden hatte sich rentiert, zuletzt «Standardsituationen mehr geübt zu haben als früher», wie Schwedens Andreas Isaksson mitteilte. Den Grund dafür lieferte der Torwart von Stade Rennes gleich mit: «Standards sind im modernen Fußball sehr wichtig.»

    Moral bewiesen

    Eine überragende Physis und eine große Moral wies die schwedische Auswahl in Hälfte zwei nach. Das Team gab im Grunde ein Spiegelbild der zuletzt gezeigten Leistungen der deutschen Mannschaft ab. Zumal auch der Mut und der Wille zurückkehrten, nach vorne zu spielen. «Ja», sagte Allbäck, «als wir unsere Taktik änderten, lief es viel besser.» Der neuerliche Führungstreffer der Engländer durch den eingewechselten Steven Gerrard war da nur ein zwischenzeitlicher Rückschlag (84.), den Larsson ja auch recht prompt zu egalisieren vermochte.

    Der schwedische Stürmerstar, der seinen Vertrag beim FC Barcelona trotz guter Leistungen ganz trocken vorzeitig aufgelöst hat, um noch zwei Jahre in der schwedischen Heimat zu kicken, hat sich fürs Spiel gegen Deutschland viel vorgenommen. Es ist sein letztes großes Turnier, und er würde nur allzu gerne dem Gastgeber den Garaus machen. Rein aus sportlichen Gründen, das versteht sich bei Larsson. Er glaubt, dass das Achtelfinale nicht einfach wird, seien die Deutschen doch «sehr solide aufgestellt, ein Team, in dem es keine Schwachpunkte gibt.» Aber Larsson ist auch von der Leistungsstärke des eigenen Teams überzeugt: «Wir haben alle Chancen», lautete deshalb seine Schlussfolgerung.

    Ibrahimovic geht’s besser

    Zumal am Samstag auch Sturmpartner Zlatan Ibrahimovic wohl wieder mit von der Partie sein wird. Gegen England fehlte der «Juve»-Angreifer, der bisher beim Turnier so enttäuscht hat, wegen seiner Leistenprobleme. «Es gibt eine gute Entwicklung bei Ibrahimovic», teilte Schwedens Coach Lagerbäck mit, «aber ich kann noch nicht hundertprozentig sagen, wie es am Samstag aussehen wird.»

    Wie sie gegen die deutsche Mannschaft spielen werden, wollen sie in den verbleibenden Tagen besprechen. «Jetzt darüber zu sprechen, wäre noch ein bisschen früh», beschied der freundliche Herr Lagerbäck den Fragestellern. Konkreter wurde da schon Schwedens Abwehrchef Olof Mellberg: «Wir müssen die Leistung aus der zweiten Halbzeit ins Spiel gegen die Deutschen hinüber retten», sagte er. Also Zweikämpfe annehmen, stabil und geordnet in der Defensive stehen, nach vorn spielen, Druck ausüben. Wie das eben auch die deutsche Mannschaft in den Partien gegen Polen und Ecuador getan hat.

    Eriksson: Wir wollen Weltmeister werden

    Vielleicht auch wegen der mäßigen Leistung seiner Mannschaft in den zweiten 45 Minuten wirkte England-Coach Sven Göran Eriksson einigermaßen erleichtert, um ein Duell mit der deutschen Auswahl erst einmal herumzukommen zu sein. «Auf dem Papier ist Deutschland die stärkere Mannschaft», urteilte er.

    Dankbar war der Schwede in englischen Diensten vor allem dafür, dass «mein Team nun einen Tag mehr Ruhepause hat». Das «erste große Ziel, die Gruppe zu gewinnen», habe man jedenfalls erst einmal erreicht, freute er sich, um gleich das nächste Ziel zu formulieren: «Wir wollen Weltmeister werden.» Und damit sich das nicht ganz so großspurig anhörte, fügte er hinzu: «Aber das wollen die anderen fürs Achtelfinale qualifizierten Mannschaften ja auch.»

    Ach ja, Herr Eriksson, und was haben sie eigentlich mit Landsmann Lagerbäck nach Abpfiff getuschelt? Eriksson grinste: «Ich habe ihm gesagt, schmeißt die Deutschen raus!»




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