Verband hält noch an Ruiz fest
18. Jun 2006 10:31
 |  Anibal Ruiz | | Foto: dpa |
|
Seit dem frühzeitigen WM-Aus gilt Anibal Ruiz in Paraguay auf Grund seiner Defensivtaktik als Hauptschuldiger vor das Desaster. Zurücktreten will der Trainer aber nicht.
Das späte WM-Debüt sollte für Aníbal Ruíz der Höhepunkt seiner Karriere werden. Doch nach dem vorzeitigen Aus bei der Fußball-Weltmeisterschaft steht Paraguays Nationaltrainer vor der Entlassung. Nach den enttäuschenden Auftritten bei den Niederlagen gegen England und Schweden wächst in der Heimat die Kritik am 63 Jahre alten Uruguayer, auch die Führung des Verbandes APF will keine Treueschwüre mehr leisten. «Die Entwicklung unseres Teams muss weitergehen. Ob mit oder ohne den Trainer, das weiß ich jetzt noch nicht», sagte Präsident Oscar Harrison im WM-Quartier in Oberhaching vor dem letzten Gruppenspiel gegen Trinidad und Tobago.
Heftige Kritik
Die Medien in Paraguay haben Ruíz, dessen Vertrag am Jahresende ausläuft, als Hauptschuldigen für das WM-Debakel des Teams um die Bundesliga-Profis Roque Santa Cruz, Nelson Valdez und Julio dos Santos ausgemacht. «Wir haben Spieler von sehr guter Qualität, aber einen Trainer ohne Ideen und Persönlichkeit», wetterte die Tageszeitung «La Nación». Die Kritik entzündet sich vor allem an der Defensivtaktik des Trainers. «Paraguay pflegt ein unansehnliches Spiel, ohne Fluss und Mut zum Angriff», schrieb «Última Hora». Ohne Punkt, ohne Tor - bei ihrer siebten WM-Teilnahme stehen die mit hohen Erwartungen gestarteten Südamerikaner so schlecht da wie noch nie.Den erfahrenen Ruíz, der nach der WM 2002 als Nachfolger des Italieners Cesare Maldini das Nationalteam übernahm, haben die Vorwürfe sichtlich getroffen. «Wenn jemand die Schuld an diesem Versagen trägt, dann bin ich es. Ich übernehme die Verantwortung», räumte der Coach ein. Einen Rücktritt nach der WM schließt «El Maño» (Bürschchen) bislang aber aus. «Es ist jetzt nicht die Zeit, über die Zukunft zu sprechen. Wir werden dem Verband nach der WM unsere Analyse vorlegen und dann sehen wir weiter.»
Verband hält sich noch zurück Auch die APF-Spitze spielt vor der abschließenden Partie gegen die «Soca Warriors» am Dienstag in Kaiserslautern in der Trainerfrage auf Zeit. «Ich bin kein Freund davon, die Trainerarbeit nur nach Ergebnissen zu bewerten. Aber wir werden auswerten müssen, ob es am Trainer lag oder an den fehlenden Ressourcen», sagte Verbandschef Harrison. Erst nach der Rückkehr in die Heimat will die APF-Führung die Beratungen über einen sportlichen Neuanfang beginnen.In der paraguayanischen Delegation in Oberhaching wird jedoch bereits offen über eine vorzeitige Ablösung von Ruíz gesprochen. Im Zentrum der Spekulationen über einen Nachfolger steht der frühere Nationaltorwart José-Luis Chilavert, einer der schärfsten Ruíz- Kritiker. Noch aber schreckt die APF offenbar vor einer Berufung des Exzentrikers zurück. «Die Zeit ist noch nicht reif», warnte ein hochrangiger Funktionär. (nz)
|