Paraguay am Boden zerstört
16. Jun 2006 14:03
 |  Roque Santa Cruz (r.) | | Foto: dpa |
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Die Fußball-WM stand für das Nationalteam aus Paraguay unter keinem guten Stern. Nach dem vorzeitigen Aus ist die Mannschaft frustriert und die Kritik am Trainer wächst.
Null Tore, null Punkte - nach dem frühzeitigen Aus bei der Fußball-WM waren die mit großen Hoffnungen angereisten Paraguayer am Boden zerstört. «Wir sind sehr enttäuscht», sagte Angreifer Roque Santa Cruz nach dem 0:1 gegen Schweden am Donnerstag in Berlin. «Wir sind mit einem großen Traum angereist, und nun fahren wir mit nichts nach Hause.» Vernichtend fiel die Kritik schon vor der letzten Partie gegen Trinidad und Tobago in der Heimat aus: «Was für eine Blamage», schrieb die Tageszeitung «La Nación».
Pech begleitet Paraguay
Der siebte WM-Endrundenauftritt für Paraguay, das nach zuletzt zwei Achtelfinal-Teilnahmen endlich unter die letzten Acht kommen wollte, hatte von Anfang an unter einem schlechten Stern gestanden. Zunächst verletzte sich Hoffnungsträger Santa Cruz vom FC Bayern München in der Vorbereitung und fehlte bei allen vier Testspielen der «Albirroja». Beim Albtraum-Auftakt des 0:1 gegen England mussten die Mannen von Trainer Aníbal Ruíz nicht nur das frühe Eigentor von Kapitän Carlos Gamarra hinnehmen. Nach nur acht Minuten war wegen einer Verletzung die WM für Stammtorhüter Justo Villar beendet.«Wir konnten in beiden Partien nicht zu unserem Spiel finden», räumte der nach seiner Innenbandreizung im Knie auch gegen Schweden schwache Santa Cruz ein. Neben ungewöhnlichen Schwächen in der Defensive mangelte es den Südamerikanern vorne an Durchschlagskraft. Der Neu-Dortmunder Nelson Valdez ackerte zwar viel, rieb sich aber in Zweikämpfen auf und konnte allein auf weiter Flur das Blatt nicht wenden. «Wir sind mit dem Traum hierher gekommen, Geschichte zu schreiben», klagte Valdez nach dem späten K.o. durch Schwedens Fredrik Ljungberg (89.). «Der Traum ist geplatzt und das tut weh.»
Kritik an Trainer Ruíz
«Paraguay hat nur wenig Chancen. Man fährt nicht zu einer WM mit 35-Jährigen», hatte Ex-Torwart José-Luis Chilavert seine «Albirroja» schon vor dem WM-Turnier abgeschrieben. Nach dem Aus war im Uruguayer Ruíz der Schuldige dann auch schnell gefunden: «Trainer Ruíz setzte zu lange auf ein System, das keine Ergebnisse brachte, und änderte es erst, als es zu spät war», befand «Última Hora». Die Tageszeitung «ABC Color» blies ins gleiche Horn: «Seine gravierenden Fehler bei Taktik und Einwechslungen haben unser schmerzhaftes Aus besiegelt.» Chilaverts möglichen Ansprüchen auf das Traineramt erteilte Kapitän Gamarra aber eine Absage: «Ich kann versichern, er wird nicht Trainer der Nationalmannschaft.»Mit Bedauern wurde das frühe Aus der Südamerikaner in deren WM- Quartier in Oberhaching aufgenommen. «Man hegt ja Sympathie für eine Mannschaft, die bei einem wohnt», sagte Bürgermeister Stefan Schelle, der die Pleite gegen Schweden am heimischen TV-Schirm verfolgt hatte. Doch ein Gutes hat das Scheitern für die Oberhachinger: «Unser Ziel war ein Finale Deutschland gegen Paraguay, das Deutschland gewinnt», sagt Schelle. «Jetzt müssen wir keine gespaltene Seele mehr haben.» (nz)
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