Beckham findet Rooney faszinierend
16. Jun 2006 08:45, ergänzt 13:53
 |  Wayne Rooney (l.) mit dem Torschützen Peter Crouch | | Foto: dpa |
|
Wayne Rooney hat die Bühne der Fußball-WM betreten und England neue Hoffnung auf den Titel gegeben. Gegen Trinidad und Tobago zog aber ein anderer Superstar die Fäden.
Von Dorothea Jantschke, Nürnberg
David Beckham verließ den Rasen des Nürnberger WM-Stadions als letzter Spieler. Der Kapitän der englischen Fußball-Nationalmannschaft klatschte den Tausenden Zuschauern auf den Rängen zu und bedankte sich für deren unermüdlich Unterstützung. «Ich kann unsere Fans nur immer wieder loben», sagte Beckham später. «Sie glauben an uns, und wir tun das auch.» Lange hatte das Team von Trainer Sven-Göran Eriksson die Menschen am Donnerstag darben lassen. Erst in der 58. Minute keimte Zuversicht auf, als der von einem Fußbruch wiedergenesene Torjäger Wayne Rooney den Platz betrat.
Erlösendes 1:0
Warten mussten sie aber trotzdem noch bis zur 83. Minute, als der Liverpooler Peter Crouch im zweiten Spiel der Gruppe B gegen Trinidad und Tobago das erlösende 1:0 erzielte. Sein Vereinskollege Steven Gerrard legte in der Nachspielzeit zum 2:0 (0:0)-Endstand nach und besiegelte den vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale. «Fakt ist, dass wir beide Spiele gewonnen haben und für die nächste Runde qualifiziert sind», sagte Beckham. Der 31 Jahre alte Star von Real Madrid gestand aber auch ein, «dass wir noch lange nicht alles gegeben haben.»Nach dem mageren 1:0 am vergangenen Samstag gegen Paraguay, dass die Engländer nur dank eines Eigentores von Carlos Gamarro erzielten, gab auch das Spiel gegen Trinidad und Tobago noch keinen Hinweis auf den kommenden Weltmeister. Geradezu ideenlos präsentierte sich das Eriksson-Team über weite Strecken der Partie. Aus dem rechten Halbfeld diagonal nach links außen geschlagene Bälle auf Crouch waren so ziemlich alles, was die Briten zu bieten hatten.
Rooney betritt die Bühne Der fast zwei Meter große Stürmer, von dem die Fans in Liverpool singen: «He is big, he is red, his feet stick out of bed», versuchte zu zaubern. Doch ein Seitfallzieher (43.) sowie der Versuch eines Rückfallziehers (55.) misslangen. Was aussah, wie britisches Understatement, entlarvte Leo Beenhakker, Trainer von Trinidad und Tobago, als Überheblichkeit. Die Engländer hätten anfangs noch mit einem gut funktionierenden Mittelfeld begonnnen, erklärte der Holländer. «Als es mit einem schnellen Tor nicht klappte, haben sie die Geduld verloren.» Die Folge waren hohe, in die Spitze gedroschene Bälle.Eine Verbesserung trat erst ein, als Englands Lieblings-Rowdy die Bühne dieser Weltmeisterschaft betrat. Obwohl der nationale Fußballverband FA eine Klage von Manchester United fürchtete, setzte Eriksson den 20-Jährigen ein. Der Diagnose unabhängiger Ärzte zufolge, war ein Fußbruch, den sich Rooney in einem Ligaspiel vor vier Wochen zugezogen hatte, ausgeheilt. ManU forderte dennoch, den Stürmer nicht vor dem Achtelfinale einzusetzen. «Es war gut, dass Wayne Rooney wieder dabei war», sagte Frank Lampard nach dem Spiel. Beckham fand sogar: «Die Welt verdient es, einem solchen Spieler zuzusehen».
Beckham flankt Bereits vor dem Anpfiff hatte sich die gesamte Aufmerksamkeit auf den 45-Millionen-Euro-Star kapriziert. Ständig fing eine Stadionkamera Rooney ein: beim Warmlaufen, beim Torschusstraining, beim Platznehmen auf der Ersatzbank. «Rooney, Rooney», skandierten die Massen, als es gegen die Mannschaft aus der Karibik einfach nicht laufen wollte. Als Rooney in der 53. Minute endlich an die Außenlinie trat und den ausgewechselten Michael Owen abklatschte, erhob sich das versammelte englische Publikum von den Sitzen und applaudierte.Dass der 20-Jährige sich kaum in einen Zweikampf traute, störte die Zuschauer nicht. Rooney war ein Impuls, den die Mannschaft gegen hervorragend defensiv eingestellte Trinidader benötigte. Entscheidend für den Erfolg war letztlich aber Beckham, der eine Flanke über die gesamte Diagonale der gegnerischen Hälfte genau auf Crouches Stirn platzierte. Der «Lange» musste nur noch einnicken. Und auch Tor Nummer zwei war dem Ausnahmekönner zu verdanken, als er Gerrard mit einem kurzen Pass bediente. «Es ist immer schön, mit jemandem wie David Beckham zu spielen», wusste Crouch, bei wem er sich zu bedanken hatte. Der schwedische Nationaltrainer der Engländer, Sven-Göran Eriksson, fordert von der Mannschaft nun, die Gruppe B zu gewinnen. Schon deshalb, weil ein zweiter Platz, eine Achtelfinal-Begegnung mit Deutschland bedeuten könnte. Auf die Elf des WM-Gastgebers wollen die Engländer aber wenn möglich so spät wie nur irgend möglich treffen. Schweden, das mit einem 0:0 gegen Trinidad und Tobago sowie mit einem 1:0 gegen Paraguay auf Platz zwei der Tabelle liegt, kann die Engländer nur noch mit einem Sieg am Dienstag (21.00 Uhr) in Köln einholen. Doch vor den Schweden ist den Männern von der Insel nicht bange. «Wir können noch viel besser», sagt Gerrard.
|