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  • Fifa sperrt deutschen Mittelfeldspieler Frings
    03. Jul 2006 17:26, ergänzt 19:39

    Torsten Frings im Getümmel (r.).
    Bild vergrößern
    Foto: Firo
    Torsten Frings wird nicht im WM-Halbfinale gegen Italien auflaufen. Der Fußball-Nationalspieler wurde für eine Tätlichkeit gegen einen Argentinier bestraft.
     
    Der Fußball-Weltverband Fifa hat Torsten Frings für das WM-Halbfinale gesperrt und damit im deutschen Lager neben Entsetzen großes Unverständnis aufgelöst. «Wir finden es natürlich schade, dass etwas aufgerollt wurde, was zum einen abgeschlossen war. Und was zum anderen allein von den Argentiniern ausging. Wir waren nur die Reagierenden», erklärte Bundestrainer Jürgen Klinsmann zu den überraschenden und weit reichenden Nachwirkungen der Tumulte im Anschluss an das Viertelfinale Deutschland gegen Argentinien.

    TV-Bilder bewegen Fifa zur Entscheidung

    Mehr in der Netzeitung:
  • Klinsmann rechnet mit Frings-Einsatz 03. Jul 2006 09:37, ergänzt 16:38
  • Der Artikel 49 des Fifa-Disziplinarreglements 03. Jul 2006 13:57
  • Argentinier Cruz entlastet Frings 03. Jul 2006 11:21
  • Nationalelf muss um Frings bangen 02. Jul 2006 19:59, ergänzt 22:29
  • Frings soll zugeschlagen haben 02. Jul 2006 12:34, ergänzt 19:34
  • Frings: Der Stachel sitzt noch tief 02. Jul 2006 09:40
  • Team-Manager Oliver Bierhoff zeigte sich nach der Fifa-Entscheidung enttäuscht: «Wir waren der Meinung, dass wir einen schlüssigen Beweis für einen Freispruch geliefert hatten. Die Bilder haben bewiesen, dass der Schiedsrichter und die zwei Assistenten in der strittigen Szene direkt neben Torsten Frings gestanden hatten und es sich damit um eine Tatsachenentscheidung handelt.»

    Jetzt bleibe nichts anderes übrig, als die Entscheidung zu akzeptieren und alle Konzentration auf das Spiel gegen Italien zu richten. «Wir sind optimistisch, dass Torsten Frings im Finale wieder dabei ist», so Bierhoff weiter.

    Die Fifa-Disziplinarkommission sah es am Montag nach dem Studium neuer TV-Bilder und mehrerer Anhörungen als erwiesen an, dass der deutsche Nationalspieler Frings in einer Massenrangelei den Argentinier Julio Cruz mit der Faust ins Gesicht geschlagen hatte. Der Mittelfeldspieler kann erst in einem Finalspiel wieder eingesetzt werden und steht in dieser Partie unter Bewährung. Bei einer weiteren Verfehlung im nächsten halben Jahr müsste Frings, der auch 5000 Schweizer Franken Strafe zahlen muss, erneut aussetzen.

    Frings selbst hatte seine Unschuld beteuert und war auch vom vermeintlichen Opfer entlastet worden. «Ich bin nicht geschlagen worden oder habe es zumindest nicht gemerkt», sagte Cruz der italienischen «La Gazzetta dello Sport». Die Disziplinarkommission unter Vorsitz des Schweizers Marcel Mathier sah Frings dennoch schuldig und sperrte den 29-jährigen Bremer für das Halbfinale am Dienstag in Dortmund gegen Italien.

    «Mannschaft wird jetzt Flügel bekommen»

    «Die Mannschaft wird jetzt Flügel bekommen, dass Torsten Frings zu seinem Endspiel kommt. Es wird ein großer Ansporn sein für Trainer und Mannschaft», sagte der Geschäftsführende DFB-Chef Theo Zwanziger.

    Die Fifa war bereits durch die verspätete Sichtung von belastenden Fernsehbildern im «Fall» Frings in Bedrängnis und Erklärungsnot geraten. «Das kann passieren. Wichtig ist, dass so etwas nicht durchgeht», entgegnete Fifa-Mediendirektor Markus Siegler und betonte scharf: «Ich lasse es nicht zu, dass man uns vorwirft, dass wir die Arbeit nicht richtig gemacht haben.» Die als neue Beweise deklarierten TV-Bilder, die einen Faustschlag von Frings gegen Cruz belegen sollten, waren schon seit Samstag im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt worden.

    Sache eigentlich schon erledigt

    Auch für Klinsmann war die Sache eigentlich schon erledigt. «Das sind Emotionen, die da hochkommen. Dafür ist der Schiedsrichter da, und der Schiedsrichter hat reagiert, hat einem Spieler nachträglich die Rote Karte gegeben», sagte der Bundestrainer und erinnerte an den «üblen Tritt an Per Mertesacker». Die Fifa hatte am Sonntagmorgen noch mitgeteilt, dass die Disziplinarkommission zwar gegen den Rot-Sünder Leandro Cufre und Maxi Rodriguez ein Disziplinarverfahren eingeleitet habe, nicht aber gegen deutsche Spieler.

    Stunden später folgte die unerwartete Wende. «Wenn man einen neuen Sachverhalt hat, kann ein Verfahren jederzeit eröffnet werden», verteidigte Siegler die Vorgehensweise und verwies auf die Fälle bei der EURO 2004, wo die Nationalspieler Alexander Frei (Schweiz) und Francesco Totti (Italien) erst durch TV-Beweise des Anspuckens von Gegenspielern überführt und nachträglich sanktioniert wurden.

    Fifa-Verantwortliche geben Hinweise

    Die Hinweise im aktuellen Fall seien keinesfalls vom italienischen Fußball-Verband gekommen, der «keine Anstalten gemacht hat, dass die Fifa etwas anstellen» solle. Das bestätigte auch Italiens Nationaltrainer Marcello Lippi: «Von unserem Verband hat niemand auch nur einen Finger gerührt, damit das klar ist.» Vielmehr hätten laut Siegler mehrere Fifa-Verantwortliche die TV-Bilder zu Frings entdeckt. Bei der Verhandlung am Nachmittag war der DFB durch Team-Manager Oliver Bierhoff und Anwalt Christoph Schickhardt vertreten.

    Für Klinsmann stellt der Ausfall von Frings im Klassiker der dreimaligen Weltmeister zwar «generell kein Problem» da, «weil wir immer so planen, dass alle Gewehr bei Fuß stehen». Doch das jetzt Justiziare darüber entscheiden würden, «wie man mit so einer Geschichte umgeht», sei sehr schade. Und kämpferisch fügte der Bundestrainer an: «Wir sind voller Elan, diesen Elan lassen wir uns auch am Dienstag nicht stoppen.»

    Jetzt stellt sich für den Bundestrainer die Frage, wer für Frings im Mittelfeld spielt. Hierfür kommen nur Sebastian Kehl oder Tim Borowski in Frage. Für Borowski als Frings-Vertreter spricht, dass er im WM-Rhythmus ist. Zudem kann er praktisch jede Position im Mittelfeld besetzen. «Meine Flexibilität ist mein großes Plus», betonte er. Und allen Unkenrufen zum Trotz kann er auch mit Ballack zusammenspielen. Beim 4:2-Sieg im vergangenen September gegen Südafrika lieferte er im klassischen 4-4-2-System an der Seite des Kapitäns eine tadellose Leistung ab, erzielte damals in Bremen sogar sein erstes von bislang zwei Länderspiel-Toren.

    (nz)




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