Fifa sperrt deutschen Mittelfeldspieler Frings
03.07.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Jetzt bleibe nichts anderes übrig, als die Entscheidung zu akzeptieren und alle Konzentration auf das Spiel gegen Italien zu richten. «Wir sind optimistisch, dass Torsten Frings im Finale wieder dabei ist», so Bierhoff weiter.
Die Fifa-Disziplinarkommission sah es am Montag nach dem Studium neuer TV-Bilder und mehrerer Anhörungen als erwiesen an, dass der deutsche Nationalspieler Frings in einer Massenrangelei den Argentinier Julio Cruz mit der Faust ins Gesicht geschlagen hatte. Der Mittelfeldspieler kann erst in einem Finalspiel wieder eingesetzt werden und steht in dieser Partie unter Bewährung. Bei einer weiteren Verfehlung im nächsten halben Jahr müsste Frings, der auch 5000 Schweizer Franken Strafe zahlen muss, erneut aussetzen.
Frings selbst hatte seine Unschuld beteuert und war auch vom vermeintlichen Opfer entlastet worden. «Ich bin nicht geschlagen worden oder habe es zumindest nicht gemerkt», sagte Cruz der italienischen «La Gazzetta dello Sport». Die Disziplinarkommission unter Vorsitz des Schweizers Marcel Mathier sah Frings dennoch schuldig und sperrte den 29-jährigen Bremer für das Halbfinale am Dienstag in Dortmund gegen Italien.
Die Fifa war bereits durch die verspätete Sichtung von belastenden Fernsehbildern im «Fall» Frings in Bedrängnis und Erklärungsnot geraten. «Das kann passieren. Wichtig ist, dass so etwas nicht durchgeht», entgegnete Fifa-Mediendirektor Markus Siegler und betonte scharf: «Ich lasse es nicht zu, dass man uns vorwirft, dass wir die Arbeit nicht richtig gemacht haben.» Die als neue Beweise deklarierten TV-Bilder, die einen Faustschlag von Frings gegen Cruz belegen sollten, waren schon seit Samstag im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt worden.
Stunden später folgte die unerwartete Wende. «Wenn man einen neuen Sachverhalt hat, kann ein Verfahren jederzeit eröffnet werden», verteidigte Siegler die Vorgehensweise und verwies auf die Fälle bei der EURO 2004, wo die Nationalspieler Alexander Frei (Schweiz) und Francesco Totti (Italien) erst durch TV-Beweise des Anspuckens von Gegenspielern überführt und nachträglich sanktioniert wurden.
Für Klinsmann stellt der Ausfall von Frings im Klassiker der dreimaligen Weltmeister zwar «generell kein Problem» da, «weil wir immer so planen, dass alle Gewehr bei Fuß stehen». Doch das jetzt Justiziare darüber entscheiden würden, «wie man mit so einer Geschichte umgeht», sei sehr schade. Und kämpferisch fügte der Bundestrainer an: «Wir sind voller Elan, diesen Elan lassen wir uns auch am Dienstag nicht stoppen.»
Jetzt stellt sich für den Bundestrainer die Frage, wer für Frings im Mittelfeld spielt. Hierfür kommen nur Sebastian Kehl oder Tim Borowski in Frage. Für Borowski als Frings-Vertreter spricht, dass er im WM-Rhythmus ist. Zudem kann er praktisch jede Position im Mittelfeld besetzen. «Meine Flexibilität ist mein großes Plus», betonte er. Und allen Unkenrufen zum Trotz kann er auch mit Ballack zusammenspielen. Beim 4:2-Sieg im vergangenen September gegen Südafrika lieferte er im klassischen 4-4-2-System an der Seite des Kapitäns eine tadellose Leistung ab, erzielte damals in Bremen sogar sein erstes von bislang zwei Länderspiel-Toren.
(nz)

