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  • Frings: Der Stachel sitzt noch tief
    02. Jul 2006 09:40

    Christoph Metzelder (l.) mit Torsten Frings
    Bild vergrößern
    Foto: dpa
    Die bittere Pleite gegen Italien im März 2006 war der Tiefpunkt in Jürgen Klinsmanns WM-Vorbereitung. Vor dem Halbfinale hat sich das Blatt für die vor Selbstbewusstsein strotzenden Deutschen gewendet.
     
    Von Dorothea Jantschke, Berlin
    Bilderschau:
    Fünf Monate ist es her, dass Jürgen Klinsmann und seine Arbeit mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gänzlich in Frage gestellt wurden. Damals, Anfang März in Florenz im ersten Länderspiel des WM-Jahres, hatten die Italiener der DFB-Elf eine bittere 1:4-Länderspielniederlage beigebracht. Von einer «Lektion» sprach der Bundestrainer nach dem Spiel, sagte aber auch: «Besser es passiert jetzt, als während der WM.»

    «Katastrophe wieder gut machen»

    Mehr in der Netzeitung:
  • Kein Fifa-Verfahren gegen deutsche Spieler 02. Jul 2006 12:34, ergänzt 19:34
  • Was stand auf Lehmanns Spickzettel? 01. Jul 2006 12:51, ergänzt 14:59
  • Klinsmann beharrt auf WM-Titel 01. Jul 2006 09:15, ergänzt 13:16
  • Miro Klose wagt kessen Spruch 28. Jun 2006 17:42
  • Frings: «Wir sind einfach mal dran» 28. Jun 2006 08:20, ergänzt 11:44
  • Metzelder ist zurück 27. Jun 2006 08:32, ergänzt 11:19
  • Als hätte Klinsmann es geahnt. Am Dienstag trifft seine Mannschaft im Halbfinale der Weltmeisterschaft in Dortmund (21 Uhr, ZDF) auf Italien und erhält ihre Chance «die Katastrophe wieder gut zu machen», wie Torsten Frings sagt. In gewisser Weise hat der Bundestrainer seine Worte von Florenz bereits bestätigt. Das Italien-Spiel war Tief- und Wendepunkt zugleich. Danach stieg die Formkurve der Deutschen, die kurz darauf die USA mit 4:1 besiegten, stetig an. Bei dieser WM haben sie mit fünf Siegen bisher nicht einfach nur eine weiße Weste behalten, sondern gelten aufgrund eines erfrischend offensiven Fußballs als Anwärter auf den Titel.

    Die Niederlage steckt aber immer noch in den Köpfen fest. «Der Stachel sitzt tief», sagte Torsten Frings am Samstag in Berlin. Der Mittelfeldspieler erklärte drei Tage vor dem Halbfinale, das 1:4 nicht noch einmal zu Studienzwecken auf Video ansehen zu müssen. «Wir sind so gefestigt, körperlich wie mental, das passiert uns nicht noch einmal», sagte Frings. Es stehe jetzt eine ganz andere deutsche Mannschaft auf dem Rasen, betonte er.

    Nur zwei Abweichungen

    Was die personelle Zusammenstellung betrifft, stimmt das nicht. In Florenz stand Robert Huth anstelle von Christoph Metzelder in der Innenverteidigung. Sebastian Deisler gehörte damals der Platz von Sebastian Schweinsteiger – also nur zwei Abweichungen von der aktuellen Startelf des DFB. Und doch hat sich einiges verändert.

    Innerhalb von fünf Monaten hat Klinsmann mit seinen Methoden eine stimmige, selbstbewusste Mannschaft geformt. Er hat mit seinen amerikanischen Fitnesstrainern, einem hochprofessionellen Scoutingsystem und Joachim Löws Taktikschule die Voraussetzungen für den aktuellen Erfolg geschaffen. Und Klinsmann ahnte, was die Begeisterung der deutschen Fans bei einer WM im eigenen Lande auslösen würde. Gebetsmühlenartig wies er darauf hin, dass die Euphorie das ein oder andere Manko wettmachen könne.

    Manko abgeschafft

    Das größte Manko war die Abwehr. In Florenz noch böse gescholten, verrichtet sie nun sicher ihre Arbeit. «Wenn man die Innenverteidigung als unauffällig beschreiben kann, ist das eigentlich das größte Kompliment», sagte Günter Netzer nach dem 1:0-Gruppensieg über Polen. Aber nicht nur die Viererabwehrkette arbeitet souverän, die gesamte Mannschaft schafft es mittlerweile, schnell vom Angriff auf die Defensive umzuschalten.

    Luca Toni, der im März bereits in der siebten Minute den zweiten Treffer erzielt hatte, kennt die Entwicklung der Deutschen und weiß, dass die Verlierer sich in einen Titelfavoriten verwandelt haben. «Wir wissen um die Bedeutung des Spiels», sagte er. «Es ist schwer, gegen den Gastgeber anzutreten. Aber auch wir sind ein harter Gegner.»

    Das wissen auch Klinsmann und Manager Oliver Bierhoff. Beide haben viele Jahre in der Serie A als Stürmer ihr Geld verdient. «Es ist bestimmt ein Vorteil, dass Jürgen und ich die Mannschaft gut kennen», sagte Bierhoff. Das ist auch notwendig, denn noch spricht die Statistik eine klare Sprache. Die Deutschen haben Italien bei einer WM noch nie besiegen können. Schlimmstes Erlebnis war die 1:3-Niederlage im WM-Finale 1982. Es wäre also an der Zeit, ein neues Kapitel zu schreiben.




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