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  • DFB-Elf im WM-Halbfinale
    30. Jun 2006 17:46, ergänzt 22:52

    Jens Lehmann und Michael Ballack nehmen Glückwünsche entgegen.
    Bild vergrößern
    Foto: dpa
    Deutschland darf weiter vom WM-Finale träumen. Die Fußball- Nationalmannschaft um Trainer Jürgen Klinsmann zog mit einem Sieg über die favorisierten Argentinier ins Halbfinale ein.
     
    Das deutsche Fußball-Märchen bei der Heim-WM geht weiter - mit Freudentänzen auf dem Rasen feierten die Nationalspieler am Freitag in Berlin den insgesamt zehnten Einzug ins Halbfinale einer Weltmeisterschaft. Nach dem 4:2-Sieg im Elfmeterschießen gegen Argentinien umarmte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Tribüne Franz Beckenbauer und klatschte im Takt zur Melodie «Oh, wie es ist das schön». In der Vorschlussrunde trifft der WM-Gastgeber am Dienstag in Dortmund auf die Italiener. Sie besiegten die Ukraine in Hamburg mit 3:0.

    «Das war ein Krimi wie ein Hitchcock-Film. Ich bin wahnsinnig stolz auf die Mannschaft, ich könnte nicht stolzer sein», bilanzierte Bundestrainer Jürgen Klinsmann packende 120 Minuten. Im Elfmeterschießen bewies Jens Lehmann Nerven wie Drahtseile und hielt die Schüsse von Roberto Ayala und Esteban Cambiasso. Für die Gastgeber verwandelten Oliver Neuville, Michael Ballack, Lukas Podolski und Tim Borowski.

    Lehmann flüchtet in die Kabine

    Mehr in der Netzeitung:
  • Asamoah rechnet fest mit Titelgewinn 30. Jun 2006 12:03, ergänzt 13:07
  • Pekerman tritt zurück 30. Jun 2006 20:56, ergänzt 22:19
  • Klinsmann vor dem Meisterstück 30. Jun 2006 07:56, ergänzt 10:43
  • Während die Spieler auf dem Rasen zum Song «Wir werden Weltmeister» tanzten, verschwand der geschaffte Lehmann als Erster in der Kabine. Als schlechte Verlierer erwiesen sich einige Argentinier und zettelten am Spielfeldrand eine Rangelei an. Dafür sah Ersatzspieler Leandro Cufre nachträglich die Rote Karte vom souverän leitenden slowakischen Schiedsrichter Lubos Michel. Argentiniens Coach Jose Pekerman kündigte nach der Partie enttäuscht seinen Rücktritt an

    «Ich denke, das wird von mir erwartet, als deutscher Torwart sollte man ein Elfmeterschießen gewinnen», sagte Matchwinner Lehmann. «Das war sensationell. Es ist ein großer Lauf, den wir im Moment haben. Da sieht man, was in der Mannschaft steckt», erklärte Ballack beinahe überwältigt von seinen Gefühlen. «Wir haben gekämpft bis zur letzten Sekunde», fügte Neuville hinzu. «Es war ein faszinierendes Spiel», sagte Miroslav Klose noch sichtlich außer Puste.

    Zwei Kopfballtreffer

    Nach 120 packenden Minuten hatte es vor 72.000 Zuschauern im Olympiastadion 1:1 (1:1, 0:0) gestanden. Nachdem Ayala (49.) die Südamerikaner als Folge der ersten Unaufmerksamkeit in der Abwehr in Führung gebracht hatte, drohte wie zuletzt 1994 und 1998 das Aus im WM-Viertelfinale. Doch Kloses insgesamt zehntes WM-Tor (80.) riss ein schon verloren geglaubtes Spiel noch aus dem Feuer und bescherte Klinsmanns leidenschaftlich kämpfendem Team noch die Verlängerung.

    «Wir haben immer an uns geglaubt und waren absolut sicher, dass wir zurückkommen, auch nach dem 0:1», lobte Klinsmann die tolle Moral. Mit dem vierten Sieg im vierten WM-Elfmeterschießen gelang es der deutschen Mannschaft, ihre seit fast sechs Jahren und 17 Spielen anhaltende schwarze Serie gegen die Großen des Fußballs zu beenden.

    Argentinier überlegen

    Das erste WM-Duell der Fußball-Großmächte seit dem deutschen Final-Triumph 1990 entwickelte sich zu der erwarteten Nagelprobe, bei der die deutsche Mannschaft erstmals im Turnierverlauf kaum dazu kam, selbst den Rhythmus zu bestimmen. Die spielerischen Vorteile des zweifachen Weltmeisters glichen die Gastgeber allerdings mit Zweikampfstärke und Leidenschaft aus.

    Erst in Rückstand liegend, offenbarte das Team aber jene bedingungslose Entschlossenheit, die es vier Spiele lang ausgezeichnet hatte und wurde schließlich mit dem Ausgleich belohnt. Klose traf nach einer Ballstafette über Ballack und Borowski per Kopf zu seinem insgesamt zehnten WM-Tor und zog damit in der deutschen Rangliste mit Helmut Rahn gleich. Jetzt rangieren nur noch Gerd Müller (14) und Klinsmann (11) vor dem gebürtigen Polen.

    Torsten Frings und Ballack ließen Argentiniens Regisseur Juan Roman Riquelme nur wenig Raum für seine gefürchteten Pässe, dennoch ging das Konzept der geduldig und clever auf einen deutschen Fehler wartenden Südamerikaner vier Minuten nach der Pause mit dem 0:1 auf. Ballack war fast ausschließlich mit Defensiv-Aufgaben beschäftigt und fand erst spät Gelegenheit, auf das Spiel nach vorne einzuwirken. In der zweiten Hälfte der Verlängerung wurde der 29-Jährige von Krämpfen geschüttelt und war kaum mehr als ein Statist. Dennoch übernahm er Verantwortung und trat zur Entscheidung vom Punkt an.

    Die laut einer FIFA-Statistik zweikampfstärkste Mannschaft des Turniers unterstrich auch gegen den argentinischen Angriff, in dem der quirlige Carlos Tevez überraschend den Vorzug vor Javier Saviola erhalten hatte, dass sie von Spiel zu Spiel gewachsen ist. Per Mertesacker und Christoph Metzelder ließen in der Mitte nichts anbrennen. Arne Friedrich verbiss sich förmlich in die Zweikämpfe und half mit, die rechte Seite zuzumachen.

    Wie von Klinsmann gefordert, ging die deutsche Elf von Beginn an aggressiv zu Werke. Allen voran Podolski, der schon nach 20 Sekunden Javier Mascherano von den Beinen holte und in der 3. Minute für sein zweites Foul Gelb sah. Erst allmählich löste sich die schier übergroße Anspannung, wurden auch erste spielerische Akzente gesetzt. In der 16. Minute verpasste Ballack die deutsche Führung, als der Kopfball des Kapitäns nach Flanke von Bernd Schneider knapp am argentinischen Tor vorbeiflog.

    Vier Minuten nach dem Seitenwechsel gelang den Argentiniern praktisch mit der ersten Torchance die Führung. Nach einem Eckball von Riquelme gewann Ayala das Kopfballduell gegen Klose und ließ dem bis dahin kaum beschäftigten Lehmann mit einem platzierten Kopfball keine Chance. Die deutsche Mannschaft zeigte sich jedoch keineswegs geschockt und zeigte endlich die vorher vermisste Wucht und Geradlinigkeit im Spiel nach vorne. Klinsmann setzte wie im Vorrundenspiel gegen Polen alles auf eine Karte und brachte erst mit David Odonkor für Schneider und dann mit Neuville für Klose zwei Joker ins Spiel, die frischen Wind in die Aktionen brachten. (nz)




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