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  • Klinsmann: «Halbfinale ist das Minimum»
    22. Jun 2006 17:12

    Jürgen Klinsmann
    Bild vergrößern
    Foto: dpa
    Nach überstandener Gruppenphase hat Bundestrainer Jürgen Klinsmann sich und sein Team unter großen Druck gesetzt. Alles andere als eine Platzierung unter den letzten Vier werde im Land nicht akzeptiert.
     
    Jürgen Klinsmann hat erstmals das Halbfinale als Minimum festgelegt, um persönlich von einer erfolgreichen Fußball-Weltmeisterschaft sprechen zu können. «Ich habe sechs Turniere als Spieler mitgemacht und weiß, dass du in einem fußball-verrückten Land wie Deutschland, England oder einer anderen großen Nation nicht im Achtelfinale oder Viertelfinale ausscheiden kannst. So ist das einfach», sagte der Bundestrainer am Donnerstag den Auslandsdiensten der Nachrichtenagentur dpa.

    «Will bis zum Ende gehen»

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  • «Meine Erwartungen sind dieselben. Ich will bis zum Ende gehen. Das ist mein Maßstab und alles andere werde ich nach der WM sehen. Am Ende wird über den Erfolg abgerechnet», erklärte Klinsmann, dessen Vertrag mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) nach dem Turnier ausläuft. Als Legitimation für sein Projekt und seinen Kurs benötige auch er Erfolg. «Alles wird analysiert werden. Aber für eine Nation wie unsere, die im eigenen Land spielt, ist, so schön der Start auch war, das Minimum die letzten Vier», konkretisierte Klinsmann.

    Klinsmann will jetzt eine Bestätigung für seine bisherige Arbeit. «Alles, was wir aufgebaut haben in den vergangenen zwei Jahren, wird nun beurteilt. Für die höchste Glaubwürdigkeit ist es wichtig, bis zum Ende der WM dabei zu sein», erläuterte der 41-Jährige. Ihm reicht allein die erfolgreiche Vorrunde im Gegensatz zum DFB-Präsidenten Theo Zwanziger dafür nicht aus. «Es mag sein, dass einige Leute, auch innerhalb des Verbandes, das anders sehen und für sie bereits nach dem Einzug ins Achtelfinale die Arbeit bestätigt worden ist.»

    Klinsmann erhöht den Druck

    Vor dem Achtelfinale am Samstag gegen Schweden erhöht Klinsmann zudem den Druck auf sein Team. «Wir dürfen nicht ausscheiden, wir sind eine Fußball-Nation. Da ist schon das Ausscheiden im Viertelfinale eine Katastrophe», erklärte Klinsmann zwei Tage vor der Partie in München. Der 41-Jährige weiß, dass bei aller nationalen Hysterie und des Zuspruchs für den neuen Fußball-Stil das erstmalige WM-Ausscheiden einer deutschen Nationalmannschaft schon im Achtelfinale ein persönliches Scheitern seiner mutigen Mission bedeuten würde.

    Doch über ein mögliches böses Erwachen aus dem WM-Rausch wollte Klinsmann am Donnerstag gar nicht reden: «Daran verschwende ich keinen Gedanken, das verdränge ich.» Vielmehr forderte er von seinem Personal, das in der Vorrunde viel Selbstbewusstsein getankt hatte, vollste Konzentration und vor allem eine weitere Steigerung in allen Bereichen. «Wir hatten es bisher noch nicht zu tun mit Kalibern wie Larsson, Ibrahimovic und Ljungberg. Da müssen wir unglaublich auf der Hut sein», warnte der Chef seine Spieler vor den Skandinaviern, die bei ihrem Gruppenfinale gegen England (2:2) mit starken Standards, Robustheit und großer körperlicher Fitness beeindruckt hatten.

    Alles-oder-nichts-Partie

    «Wir müssen alles verfeinern, was wir vorher im Groben gemacht haben», betonte Klinsmann, der nach kurzem Durchschnaufen seiner Stammkräfte jede Vorbereitungsminute vor der Alles-oder-nichts-Partie präzise einteilte. Die Spieler bekamen am Donnerstag einen persönlichen Plan: Wann sind die Trainigseinheiten? Wann die Video-Analysen? Wann die medizinischen Behandlungen? Die Gruppen-Phase ist längst abgehakt, «dafür können wir uns nichts mehr kaufen», erklärte Kapitän Michael Ballack und sensibilisierte seine teilweise international noch wenig erfahrenen Mitspieler: «Es geht jetzt ans Eingemachte, jeder Fehler kann das Aus bedeuten. Das sollte uns aber nicht hemmen, sondern anspornen.»

    Kleinigkeiten, glaubt Klinsmann, werden die K.o.-Spiele entscheiden. Entsprechend werden die Spieler vorbereitet: Am Donnerstag sahen sie eine DVD, die ihnen «das Land Schweden, die Mentalität und den Stellenwert des Fußballs» nahe bringen sollte. Visuelle Einzelprofile der fünf, sechs wichtigsten schwedischen Spieler, die am Tag vor dem Spiel von Chefscout Urs Siegenthaler präsentiert werden, verraten alles über Stärken und Schwächen des Achtelfinal-Kontrahenten. (nz)




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