DFB-Spieler feiern erstes Etappenziel
21. Jun 2006 08:19, ergänzt 10:59
 |  Michael Ballack, Torsten Frings und Bastian Schweinsteiger bedanken sich bei den Zuschauern. | | Foto: AP |
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Ab jetzt kann sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft keine Fehler mehr erlauben. «Mit der K.o.-Runde beginnt die WM erst», warnt Jürgen Klinsmann vor dem Achtelfinale gegen Schweden.
Von Dorothea Jantschke, Berlin
Kaum hatten die deutschen Fußball-Nationalspieler schwitzend und glücklich die Umkleide erreicht, sorgte Gerald Asamoah für Stimmung. Der Stürmer stöpselte seinen iPod ins Boxensystem der Kabine ein und ließ Xavier Naidoo aus den Lautsprechern krachen. Es gab viel zu feiern nach dem 3:0-Sieg im letzten WM-Gruppenspiel gegen Ecuador. Kurz nach dem Spiel wurden die Katakomben im Berliner Olympiastadion zur Mini-Party-Meile, am Abend grillten die Spieler und ihre Familien gemeinsam im Garten des Schlosshotels Grunewald.
Klose führt Torschützenliste an
«Ich bin stolz, dass ich so eine Mannschaft hinter mir habe», freute sich Torschütze Miroslav Klose nach dem Sieg in der Gruppe A. Der Bremer hatte in der vierten Minute für das erste Tor gesorgt und wenige Sekunden vor der Pause zum 2:0 nachgelegt. Mit nunmehr vier Treffern führt Klose die Torschützenliste der Weltmeisterschaft an. «Für Miroslav ist das jetzt der Moment, seinen Marktwert zu bestimmen», sagte Bundestrainer Jürgen Klinsmann. Ob Klose künftig in einem Atemzug mit Weltmeister-Torjägern wie Helmut Rahn, Gerd Müller oder Klinsmann genannt werden wird, hängt vom weiteren Verlauf des Turniers ab. Nächster Stolperstein sind die Schweden, von denen Manager Oliver Bierhoff sagt, dass sie eine «große Moral haben und stark bei Standardsituationen sind. Damit für die DFB-Elf im Achtelfinale am Samstag in München (17 Uhr/live ZDF und Premiere) nicht schon das Ende der WM erreicht ist, wünscht der Bundestrainer seinem Angreifer «einen Lauf».
«Die beste Medizin»
 |  Podolski schreit sich die Erleichterung von der Seele. | | Foto: dpa |
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Aber auch der zweite Stürmer in der Startelf rückte endlich ins Rampenlicht. Nachdem Lukas Podolski von der «Bild»-Zeitung bereits angezählt wurde, erzielte er gegen Ecuador sein erstes Turniertor. «Für einen Stürmer sind Tore die beste Medizin», sagte Klinsmann nach dem Treffer in der 58. Minute, den Bernd Schneider vorbereitet hatte. «Lukas hat heute weitere wichtige Erfahrungen gesammelt.» Das Berliner Publikum hatte den 21-Jährigen schon vor dem erlösenden Tor mit Sprechchören aufgemuntert.Selbstvertrauen gab es aber auch für alle anderen deutschen Spieler in großen Mengen. Denn jeder erfüllte seine Aufgabe gegen die Ecuadorianer optimal. Die Mannschaft von Luis Suarez war im Vergleich zu den ersten beiden Spielen zwar stark verändert, fünf Reservisten waren im Spiel, doch Klinsmann erinnerte daran, dass ja auch sie in die Mannschaft drängen wollen. Drei Siege, neun Punkte, 8:2 Tore - so liest sich die fast makellose Bilanz der DFB-Elf bis zum Achtelfinale. Doch damit ist nur die erste Etappe des Turniers absolviert. «Die WM geht jetzt erst richtig los», warnt Klinsmann. Im K.o.-System «wird jeder Fehler bestraft und kann das Ausscheiden bedeuten», gibt Ballack zu bedenken.
«Huthuthuth» Aber gerade ihre Fehler hat die deutsche Mannschaft in letzter Zeit stark minimieren können. Die nach dem Auftaktspiel gegen Costa Rica (4:2) noch gescholtene Abwehr, machte einen guten Eindruck. Beruhigend ist zudem, dass Robert Huth sich als Alternative in der Innenverteidigung erwies. Der Neuprofi des Uefa-Pokal-Finalisten FC Middlesbrough ersetzte den gelb-belasteten Christoph Metzelder ohne Fehl und Tadel. «Huthuthuth» raunten die etwa 70.000 deutschen Zuschauer im Olympiastadion bei jeder Ballberührung des gebürtigen Berliners.«Durch eine gute Defensive gewinnt die Mannschaft an Sicherheit», bekräftigte Ballack, der den torreichen «Hurra»-Fußball des Confed-Cups erst vor zwei Wochen kritisiert hatte. «Tore schießen wir ja trotzdem», sagte er. Und auch Torsten Frings fand: «Wir haben heute defensiv noch besser gestanden als gegen Polen». Das alles so gut lief, war aber auch eine Folge des frühen Führungstores, von dem die Ecuadorianer sich nicht erholen konnten. «Die Deutschen haben hervorragend gespielt», lobte Suarez später. «Wir brauchten zu lange, um uns neu zu ordnen».
Respekt erkämpft Dass es gegen die Schweden einen ähnlichen Torsegen gibt, ist fast ausgeschlossen. «Je weiter es im Turnier geht, desto schwieriger wird es, Tore zu schießen», sagte Klinsmann. «Deshalb müssen die Stürmer dann noch stärker sein.» Stärke resultiert aber auch aus der Schwäche der anderen. «Wir haben uns Respekt verschafft», sagt Ballack. Keiner betrachtet die Deutschen nach der Vorrunde nur mehr als Ansammlung von Bundesliga-Spielern ohne internationale Erfahrung. Außerdem hat die Konkurrenz einen Geschmack davon bekommen, wie schwer der Heimvorteil wiegt. «Das Publikum schwebt auf einer Euphorie-Wolke, und wir auch», sagt der Kapitän. Mit Hilfe der Fans soll es auch am Samstag in München gegen Schweden wieder eine Jubelfeier mit Xavier Naidoo und Barbeque geben. Ballack warnt die Skandinavier schon einmal vor: «Wir sind bereit, einen Großen zu schlagen».
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