Klinsmann macht Podolski Mut
20. Jun 2006 08:51
 |  Klinsmann glaubt an Podolski. | | Foto: dpa |
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Lukas Podolski, da ist sich Jürgen Klinsmann sicher, wird bald sein erstes WM-Tor erzielen. «Er trifft dann, wenn der Gegner es am wenigsten erwartet», sagt der Bundestrainer.
Ob mit oder ohne Rotation: Beim ersten Auftritt von Gastgeber Deutschland im Berliner Finalstadion will Jürgen Klinsmann gegen die Höhenflieger aus Ecuador gleich ein Endspiel gewinnen und die schwarz-rot-goldene WM-Party mit dem Gruppensieg weiter anheizen.
«Kein Zögern und Zaudern»
Trotz eines großen Pokerspiels um seine Aufstellung stellte er am Montag den dritten Sieg über alle anderen Interessen. «Wir wollen Ecuador schlagen und Gruppensieger werden. Im Achtelfinale wird jedes Spiel ein Krimi, da wollen wir mit breiter Brust reingehen», betonte der Bundestrainer. Unterstützung erhielt er von «Kaiser» Franz Beckenbauer: «Da gibt es kein Zögern und Zaudern. Da wird volle Pulle nach vorne gespielt.» Wie sehr Klinsmann bei seiner WM-Mission auf die Unterstützung der Fans setzt, wurde am Montag mit einer Live-Schaltung zu den deutschen Soldaten in Afghanistan nochmals ganz gezielt demonstriert. Der Titeltraum soll von allen Deutschen gelebt werden - die Fan-Meile soll um die ganze Welt gehen. «Wir wollen Euch noch so viele Spiele wie möglich bieten», rief Klinsmann der Bundeswehr-Abordnung in Kabul zu. Den 72.000 Zuschauern im Olympiastadion versprach er derweil für das letzte Gruppenspiel ein weiteres Fest. «Wir wollen dem Berliner Publikum ein mitreißendes Spiel liefern.» Auch Mittelfeldspieler Torsten Frings, der nach dem gestrigen Abschlusstraining humpelnd zurück ins Quartier kam, soll einsatzfähig sein.
Start mit drei Siegen nur 1970 Ein Start mit drei Siegen, den es in der ruhmreichen deutschen WM-Geschichte bislang nur 1970 in Mexiko unter Helmut Schön gegeben hatte, ist Klinsmann wichtiger als die Spekulationen um die möglichen Achtelfinal-Gegner England, Schweden oder Trinidad und Tobago sowie mögliche Viertelfinal-Knaller gegen Argentinien oder die Niederlande. Es gilt, auf der Euphorie-Welle weiter zu reiten und als Erster der Gruppe A den «Königsweg» durch die drei größten WM-Arenen München (Achtelfinale), Berlin (Viertelfinale) und Dortmund (Halbfinale) weiterzugehen. «Das möchten wir weiterführen. Wir fühlen uns wohl in diesen Stadien», erklärte Klinsmann zu den Planspielen. Um Ecuador im Vorrunden-Finale auf Platz zwei zu verweisen, muss die deutsche Elf gegen die punktgleichen Südamerikaner gewinnen. In Video-Sitzungen mit einzelnen Mannschaftsteilen wurden die deutschen Spieler am Montag auf die Anden-Kicker eingestellt: «Das wird eine harte Partie, da gibt es auf die Socken», meinte der Coach, der bei der Aufstellung pokert. Erstmals stehen ihm nach Ablauf der Rot-Sperre von Stürmer Mike Hanke alle 23 Akteure zur Verfügung, da Klinsmann schon beim Abschlusstraining am Montagabend auch die angeschlagenen Christoph Metzelder (Knie) und Oliver Kahn (Daumen) wieder dabei hatte. Der Bundestrainer sprach in der letzten Trainingseinheit lange mit Ballack, gewährte öffentlich lediglich Einblick in grundsätzliche Gedanken zu personellen Veränderungen. «Wir überlegen zum einen, welche Spieler unbedingt den Rhythmus brauchen, um drin zu bleiben. Welche Rolle spielt die Vorbelastung mit den Gelben Karten? Und die dritte Komponente ist: Kann man eventuell noch einem Spieler, der bislang nicht zum Einsatz gekommen ist, dieses Spiel geben?» WM-Chef Beckenbauer riet, höchstens «angeschlagene Spieler» zu schonen. Angesichts dieses Fragenkatalogs steht Christoph Metzelder im Zentrum der Überlegungen. Der Abwehrchef ist neben seiner leichten Knie-Blessur ebenso wie Kapitän Michael Ballack und sein Dortmunder Teamkollege David Odonkor von einer Gelb-Sperre bedroht. Für Metzelders Einsatz spricht hingegen, dass der 25-Jährige Spielrhythmus braucht und sich die gegen Polen erstmals sattelfeste Abwehr weiter einspielen soll. Andererseits könnte Klinsmann mit Robert Huth für den Ernstfall proben.
Friedrich ist kein Rechtsaußen Aufbauende Worte gab es für die Sorgenkinder Arne Friedrich und Lukas Podolski. «Für uns steht Arne nicht zur Disposition», sagte Klinsmann, der abermals betonte, dass die sportliche Leitung den Berliner an seiner Defensivleistung messe. «Wir setzen auf seine Stärken. Die sind nicht rechtsaußen, sondern als Rechtsverteidiger.» Auch Podolski bekam eine verbale Streicheleinheit, zumal der 21-Jährige offenbar auch im Kollegenkreis wegen seiner taktisch unzureichenden Spielweise in die Kritik geraten ist. «Uns fehlt eigentlich nichts. Lukas macht seine Arbeit für die Mannschaft», entgegnete Klinsmann und prophezeite: «Sein Tor wird früher oder später kommen bei der WM.» (nz)
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