Klinsmann hat mehrere Spielsysteme im Kopf
23.05.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Jürgen Klinsmann hat sich bei Halbzeit der zwei WM-Trainingslager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft geradezu euphorisch über die Arbeitsmoral seiner Spieler geäußert und erste Einblicke in seine Turnier-Strategie gewährt. Der Bundestrainer plant weiterhin mit dem 4-4-2-System als «Variante Nummer 1», aber mit Michael Ballack «als zweitem Sechser» soll die Defensive mehr Kompaktheit gewinnen.
Nicht einmal gesundheitliche Rückschläge bei einigen Akteuren können die Zuversicht des 41-Jährigen am Genfer See beeinträchtigen. Tim Borowski und Mike Hanke konnten nach überstandener Grippe noch nicht wieder ins Mannschaftstraining einsteigen, sondern ebenso wie Philipp Lahm und Christoph Metzelder nur mit Einschränkungen an ihrer WM-Form arbeiten. Beim «Sorgenkind» Metzelder versuchte Klinsmann jedoch vor dem bevorstehenden Tag der Wahrheit jede Zweifel zu zerstreuen.
Der Innenverteidiger soll wie geplant am Mittwoch, zwei Wochen nach seinem Muskelfaserriss in der Wade, wieder voll angreifen. «Metze nimmt morgen die volle Intensität auf», kündigte der Bundestrainer an: «Dann gibt es keine Zurückhaltung mehr.» Der Dortmunder könne es sogar bis zum WM-Eröffnungsspiel am 9. Juni gegen Costa Rica schaffen, versicherte der Bundestrainer und lobte den Vize-Weltmeister von 2002: «Er hat sehr viel gearbeitet.»
Bei der Schulung des Abwehrverhaltens der gesamten Mannschaft durften dabei folgende zehn Feldspieler in der ersten Formation beginnen: Friedrich, Mertesacker, Huth und Jansen in der Abwehrkette; Frings, Schneider, Ballack und Schweinsteiger im Mittelfeld sowie Podolski und Klose vorne. Neu war jedoch die Verschiebung in ein 4-2-3-1 System nach Ballverlust, bei dem sich Podolski hinter Keilstürmer Klose nach hinten fallen ließ und Kapitän Michael Ballack neben Frings vor die Abwehr rückte. «Wir wollen vertiefen, völlig kompakt zu stehen, alle hinter dem Ball und eng beieinander», erläuterte Klinsmann.
Das 0:0 gegen Ex-Weltmeister Frankreich vom vergangenen November wird von Klinsmann zum Vorbild für die gewünschte neue Kompaktheit erkoren. «Da ist das ideal praktiziert worden. Michael Ballack wurde da zum zweiten Sechser. Im Moment des Ballbesitzes öffnet sich das System wieder zur Raute», erläuterte Klinsmann.
Sein Assistent Joachim Löw konkretisierte Ballacks Schlüsselrolle: «Er soll in gewissen Situationen der Auslöser für unser Pressing sein. Im Ballbesitz ist er dann unmittelbar hinter den Spitzen.» Ausgangspunkt soll aber das hauptsächlich praktizierte 4-4-2-System bleiben: «Das ist unsere Spielvariante Nummer eins», sagte Klinsmann. «Es ist wichtig, dass wir schwer ausrechenbar sind und drei, vier Systeme haben, die wir spielen können», kommentierte Torjäger Miroslav Klose.
(dpa)

