Verstegen «tunt» die Nationalspieler
Mark Verstegen hat zwei Leidenschaften: Autos und Fitness. So zumindest scheint es, als er die Maschinen im Kraftraum der deutschen Nationalmannschaft erläutert. Ein Hochleistungssportler komme zu ihm als Mercedes und wird auf AMG-Qualität getunt, sagt der amerikanische Fitnesstrainer des DFB. Eine ganz einfache Angelegenheit von Veredelung könnte man meinen, doch nur mit einem starken Motor und dicken Schlappen ist es nicht getan. «Ein bestimmtes Auto muss für ein bestimmtes Rennen vorbereitet werden», sagt Verstegen am Dienstag im Servette-Stadion in Genf. Sein Training soll demzufolge keine «großen Körper, sondern große Fußballer» hervorbringen.
Anfangs belächelt, weil Übungen mit Gummibändern hierzulande eher mit rhythmischer Sportgymnastik in Verbindung gebracht wurden, hat Verstegen sich mittlerweile große Akzeptanz erarbeit. «Präzise» ist ein Wort, das er ständig verwendet, um seinen Anspruch zu erläutern. Verstegen weiß, dass Präzision, verpackt in plakative Vergleiche mit bekannten deutschen Autos, den hiesigen Geschmack treffen. Und er meint es ernst. «Fitness gewinnt keine Weltmeisterschaft, aber es ist die Basis dafür», sagt er.
Was er genau meint, erklärt er an extra aus den USA eingeflogenen monströsen Kraftmaschinen, die für die jeweilige Übung umgebaut werden können. In der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft trainieren die Nationalspieler jeweils eine Stunde an den Geräten. Erst einmal liege das Augenmerk darauf, die Muskulatur zu stabilisieren. Weitere Übungen sollen die Beweglichkeit bis hin zur Dehnbarkeit fördern. Ganz individuell wird dabei jeder Spieler im Hinblick auf Stärken und Schwächen betreut. «Bei mir wird wegen meiner Rückenprobleme viel Wert auf Rumpfstabilität gelegt», erzählt Abwehrspieler Christoph Metzelder.
Während des Trainings, auch auf dem Fußballfeld, tragen alle Nationalspieler Messgeräte um den Brustkorb, die die Pulsfrequenz aufzeichnen und drahtlos auf einen Laptop senden. «So kann man im Nachhinein gut vergleichen, wie schnell man regeneriert», erklärt Klose. Verstegens deutscher Kollege Schmidtlein kennt aber noch andere Vorzüge. Die Trainingsdosis könne dadurch besser gesteuert werden. «Es nützt ja nichts, wenn wir drei Tage im Leistungskeller trainieren und dann erst einmal weitere drei Tage aussetzen müssen.» Auf dem Weg zur WM soll aber jeder Tag effizient genutzt werden. «Erst wenn unsere Mittelfeldspieler mehr laufen können als Ronaldinho, sind wir zufrieden», sagt Schmidtlein.
Neben Maschinen und Hightech sind für Verstegen und dessen Team aber auch kleine, feine Utensilien, wie eine Art Socken aus Chemiefasern, wichtige Hilfsmittel. Auf glattem Untergrund können verschiedene Dehnübungen der Beine damit sanfter durchgeführt werden. Große Gummibälle, sonst eher aus Schwangerschafts- und Rückenphysiotherapie bekannt, helfen beim Aufbau der Bauch- und Hüftmuskulatur.
All das wird auf dem Weg durch das WM-Turnier vielleicht von entscheidendem Vorteil sein. Denn Ziel der deutschen Mannschaft ist es, mindestens sieben Spiele zu bestreiten. «Uns gefällt es, Champions aufzubauen», sagt Verstegen und klingt dabei wie in einem Werbespot. Aber auch nach der WM werden dem US-Coach die Slogans nicht ausgehen, denn dann wird «abtrainiert». Runter vom hochfrisierten AMG-Modus auf E-Klasse-Standard.
