netzeitung.dePuma will mit «Legende» von 1954 aufräumen

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Der Schraubstollenschuh "Brasil 1954" von Puma (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Der Schraubstollenschuh "Brasil 1954" von Puma
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Die deutsche Nationalmannschaft, die 1954 das «Wunder von Bern» schaffte, verdankt ihren Erfolg der Legende nach auch den Schraubstollen. Nun will adidas-Konkurrent Puma einiges richtig stellen.

Von Stephan Maurer

Sie sind eng mit dem «Wunder von Bern» verbunden: die Schraubstollen. Adi Dassler, Firmengründer von adidas, hatte damit die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ausgerüstet, die am 4. Juli 1954 im WM-Endspiel Ungarn sensationell mit 3:2 schlug. Bis heute gilt Adi Dassler als Erfinder des Schraubstollenschuhs - eine «Fußball-Legende», mit der adidas-Konkurrent Puma jetzt aufräumen will.

52 Jahre für die Wahrheit
Denn schon vor Adi Dassler - so behauptet der Herzogenauracher Rivale - habe dessen Bruder, Puma-Gründer Rudolf Dassler, Schraubstollenschuhe auf den Markt gebracht. Adidas freilich will dies nicht so stehen lassen: «Der WM-Schuh der deutschen Mannschaft war insgesamt revolutionär», kontert Unternehmenssprecher Oliver Brüggen. Dass Puma 52 Jahre gebraucht habe, um die angebliche Wahrheit nun - wenige Tage vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft - ans Licht zu bringen, sei zudem «ein bisschen seltsam».

Puma-Werbeleiter Helmut Fischer, der in den Firmenarchiven gestöbert hat, ist sich freilich sicher: Die Fußball-Geschichte muss neu geschrieben werden. Schon kurz nach dem Zwist mit seinem Bruder und der Gründung seiner eigenen Firma 1948 habe Rudolf Dassler mit Schraubstollen experimentiert. Zu seinen Beratern zählte damals auch der spätere Vater des «Wunders von Bern»: Sepp Herberger.

Herberger-Wechsel brachte die Wende
Doch 1951 kam es zu einer folgenschweren Auseinandersetzung. Über Geldfragen sollen sich Herberger und Rudolf Dassler so zerstritten haben, dass die Zusammenarbeit damit beendet war. Für Puma eine Entscheidung mit Konsequenzen: Herberger sei zur Herzogenauracher Konkurrenz adidas gewechselt. «Das war die entscheidende Weichenstellung, dass Puma später nie mehr aus dem Schatten von adidas treten konnte», sagt Fischer, der seit 30 Jahren bei Puma tätig ist, mit Überzeugung.

Zur Fußballsaison 1952/53 wurden den Archivaufzeichnungen zufolge Schraubstollenschuhe von Puma erstmals auf dem Spielfeld eingesetzt. Am 23. Mai 1954 trugen sie im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft acht Spieler von Hannover 96. Hannover gewann 5:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern. Stolz präsentiert Fischer ein Werbeplakat von damals, auf denen die Spieler mit Schraubstollenschuhen zu sehen sind.

Früher Begonnen
«Unsere Dokumente und die Aussagen von Zeitzeugen belegen eindeutig, dass die Entwicklung der Fußballschuhe mit den auswechselbaren Stollen früher begonnen hat als bisher angenommen», sagt Fischer. Dass Adi Dassler zeitgleich ebenfalls mit den Schraubstollen experimentierte, bestreitet er nicht. «Die räumliche Nähe hat beide Brüder beflügelt. Die historische Wahrheit ist aber, dass die ersten serienreifen Schraubstollenschuhe von Puma stammen.»

Bei adidas sieht man das naturgemäß anders. Schon 1949 habe Adi Dassler die ersten patentierten Schraubstollen für Fußballschuhe auf den Markt gebracht, sagt Firmensprecher Brüggen. 1952 sei dann ein ganz neu konzipiertes Schraubstollensystem gefolgt. Allerdings werde die Reduzierung des WM-Schuhs auf den Einsatz der Schraubstollen der ganzen Sache nicht gerecht. Denn bis dahin hätten Fußballspieler eher hohe und schwere «Arbeitsstiefel» getragen. Adi Dassler dagegen habe einen leichten Fußballschuh mit einer weichen Vorderkappe und einem niedrigen Schaftschnitt entwickelt. In diesen Schuh wurden Schraubstollen eingesetzt.

«Im Endspiel von Bern waren vor allem zwei Faktoren besonders ausschlaggebend - das Gewicht und die Stollen», erläutert Brüggen. Während die durch den Dauerregen aufgeweichten schweren Schuhe der Ungarn ihr Gewicht auf bis zu 1,5 Kilogramm verdoppelt hätten, brachten es die Adidas-Schuhe auf lediglich 700 Gramm. Und zudem hätten die schlanken, hohen Nylonstollen einen viel besseren Stand geboten und keinen Schmutz gesammelt, im Gegensatz zu den genagelten Lederstollen der Ungarn. (dpa)