Puma will mit «Legende» von 1954 aufräumen
23.05.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Sie sind eng mit dem «Wunder von Bern» verbunden: die Schraubstollen. Adi Dassler, Firmengründer von adidas, hatte damit die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ausgerüstet, die am 4. Juli 1954 im WM-Endspiel Ungarn sensationell mit 3:2 schlug. Bis heute gilt Adi Dassler als Erfinder des Schraubstollenschuhs - eine «Fußball-Legende», mit der adidas-Konkurrent Puma jetzt aufräumen will.
Puma-Werbeleiter Helmut Fischer, der in den Firmenarchiven gestöbert hat, ist sich freilich sicher: Die Fußball-Geschichte muss neu geschrieben werden. Schon kurz nach dem Zwist mit seinem Bruder und der Gründung seiner eigenen Firma 1948 habe Rudolf Dassler mit Schraubstollen experimentiert. Zu seinen Beratern zählte damals auch der spätere Vater des «Wunders von Bern»: Sepp Herberger.
Zur Fußballsaison 1952/53 wurden den Archivaufzeichnungen zufolge Schraubstollenschuhe von Puma erstmals auf dem Spielfeld eingesetzt. Am 23. Mai 1954 trugen sie im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft acht Spieler von Hannover 96. Hannover gewann 5:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern. Stolz präsentiert Fischer ein Werbeplakat von damals, auf denen die Spieler mit Schraubstollenschuhen zu sehen sind.
Bei adidas sieht man das naturgemäß anders. Schon 1949 habe Adi Dassler die ersten patentierten Schraubstollen für Fußballschuhe auf den Markt gebracht, sagt Firmensprecher Brüggen. 1952 sei dann ein ganz neu konzipiertes Schraubstollensystem gefolgt. Allerdings werde die Reduzierung des WM-Schuhs auf den Einsatz der Schraubstollen der ganzen Sache nicht gerecht. Denn bis dahin hätten Fußballspieler eher hohe und schwere «Arbeitsstiefel» getragen. Adi Dassler dagegen habe einen leichten Fußballschuh mit einer weichen Vorderkappe und einem niedrigen Schaftschnitt entwickelt. In diesen Schuh wurden Schraubstollen eingesetzt.
«Im Endspiel von Bern waren vor allem zwei Faktoren besonders ausschlaggebend - das Gewicht und die Stollen», erläutert Brüggen. Während die durch den Dauerregen aufgeweichten schweren Schuhe der Ungarn ihr Gewicht auf bis zu 1,5 Kilogramm verdoppelt hätten, brachten es die Adidas-Schuhe auf lediglich 700 Gramm. Und zudem hätten die schlanken, hohen Nylonstollen einen viel besseren Stand geboten und keinen Schmutz gesammelt, im Gegensatz zu den genagelten Lederstollen der Ungarn. (dpa)

