Löw steht schwerer Start bevor
13. Jul 2006 14:57, ergänzt 18:09
 |  Joachim Löw | | Foto: dpa |
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Joachim Löw bleibt nach der WM nicht viel Zeit, die Nationalelf auf die EM-Qualifikation vorzubereiten. Eine Rückkehr zum «Rumpelfußball» dürfe es dabei nicht geben, fordert DFB-Präsident Theo Zwanziger.
Für Joachim Löw bleibt nach der WM nicht viel Zeit zum Ausspannen. Der neue Bundestrainer der Fußball-Nationalmannschaft muss bereits in seinem Kurzurlaub über den komplizierten Beginn seiner EM-Mission grübeln. Schon in vier Wochen versammelt der 46 Jahre alte Schwarzwälder sein Personal in Berlin, um nach einer Auszeichnungs-Zeremonie bei Bundespräsident Horst Köhler dann am 16. August in Gelsenkirchen gegen Schweden die neue Länderspiel-Saison zu eröffnen.
Unwägbarkeiten warten
Die Aufgabe für Löw wird dabei ganz anders aussehen als die von Klinsmann vor der WM. «Man hat letztes Jahr nach dem Confed-Cup gespürt, dass es nicht immer so leicht ist, nach einem kräfteraubenden Turnier wieder gut in die Saison zu starten», wies der Klinsmann-Nachfolger bereits auf die Unwägbarkeiten hin.Die deutschen WM-Spieler sind noch bis Ende dieses Monats im Urlaub, bis zum Treffpunkt der Nationalmannschaft am 13. oder 14. August haben sie gerade mal 14 Tage Grundlagen-Training und höchstens ein Bundesliga-Spiel in den Beinen. Möglicherweise sitzen einige Akteure wie Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski oder Per Mertesacker, der zunächst nach seiner Fersen-Operation eine Rehabilitation bestreiten muss, zum Liga-Start sogar auf der Bank.
«Es wird unsere Aufgabe sein, die jungen Spieler aufzufangen», hat Löw schon jetzt als erste Maßnahme festgelegt. Nach dem ebenfalls euphorischen Confederations Cup 2005 hatten Ex-Bundestrainer Klinsmann und Löw im darauf folgenden Länderspiel in den Niederlanden (2:2) extra auf Schweinsteiger und Podolski verzichtet.
Grauer Alltag nach WM-Feuerwerk
Auch dieses Mal sind einige «Schutzsperren» für die Partie gegen die Schweden, die nach dem 0:2 im WM-Achtelfinale heiß auf eine Revanche sein dürften, nicht ausgeschlossen. Schließlich steht schon zwei Wochen später der erste Doppel-Spieltag in der EM-Qualifikation in Stuttgart gegen Irland (2. September) und auswärts gegen San Marino (6. September) an. DFB-Präsident Theo Zwanziger, der nach der WM von seinem scheidenden Chef-Kollegen Gerhard Mayer-Vorfelder die Verantwortung für die Nationalelf übernimmt, sprach schon vom «grauen Alltag» nach dem Feuerwerk bei der Heim-WM. Für die Suche nach einem neuen Assistenten will sich Löw noch einige Tage Zeit lassen.Der Chef muss neben den personellen Problemen auch den Spagat meistern, einerseits den attraktiven und offensiven Stil fortzusetzen, anderseits aber die Euphorie etwas einzudämmen. Vor allem die vielen neuen Fans von Michael Ballack & Co. erwarten nach ihren teilweise ersten Erfahrungen mit dem Fußball nun weiter einen schwarz-rot-goldenen Rausch wie bei der WM. Die beiden Heimspiele gegen Schweden und Irland sind so gut wie ausverkauft.
«Die kommenden Spiele werden mit den WM-Spielen verglichen, aber es sind keine WM-Spiele», warnte Uli Hoeneß die Fans. «Es wird nun sehr schwer nach dieser euphorischen Weltmeisterschaft», ergänzte der Manager des FC Bayern, der den Abgang von Klinsmann im «Tagesspiegel» nochmals als «mittlere Katastrophe» bezeichnete. Mit Löw sei aber zumindest die Chance für den weiteren Aufbruch da.
Ballack konzentriert sich auf Chelsea
Für einen ähnlich akribischen Vorlauf wie auf die WM-Spiele wird Löw in Richtung EM-Ausscheidung keine Zeit bleiben. Kapitän Ballack wird seine Aufmerksamkeit zunächst darauf richten müssen, beim Star-Ensemble des FC Chelsea einen guten Start zu erwischen. Die Premier League startet am 19. August, also drei Tage nach Löws Debütspiel als Chefcoach. So müssten Jens Lehmann und wahrscheinlich auch Robert Huth, dessen Wechsel zum FC Middlesbrough wegen einer Knöchelschädigung platzte, ohne Liga-Praxis zur Nationalmannschaft kommen. Bei Huth steht nach dem nicht bestandenen Medizincheck nun sogar seine sportliche Zukunft in den Sternen.Löw muss nach der Amtsübernahme zunächst kräftig improvisieren, er verwies aber schon mal auf das Potenzial in den Nachwuchsteams des DFB: «Wir haben ein Ensemble hoch qualifizierter Spieler.» Es wird alles eine Nummer kleiner ablaufen als unter Klinsmann, der intern sowie öffentlich polarisiert und am Ende begeistert hat wie lange kein Bundestrainer mehr. Löw steht vor allem für Kompetenz, Sachlichkeit, aber auch für Geradlinigkeit. Und er kennt die Erwartungen. Eine Rückkehr zum «Rumpelfußball» der Vergangenheit sei den Fans nicht zuzumuten, hat DFB-Boss Zwanziger schon verkündet. (nz)