Protokoll der Kopfstoß-Affäre
11. Jul 2006 15:26, ergänzt 15:34
 |  Zinedine Zidane (l.) mit Schiedsrichter Horacio Elizondo | | Foto: dpa |
|
Mit der Roten Karte im WM-Finale gegen Zinedine Zidane ging eine der größten Karrieren des Weltfußballs unrühmlich zu Ende. Die genauen Umstände des Platzverweises sind nach wie vor unklar.
Für Zinedine Zidane hätte das WM-Finale der krönende Abschluss einer einmaligen Fußballer-Karriere werden können. Der Spielmacher der französischen Nationalmannschaft hatte seinen Vertrag bei Real Madrid vorzeitig aufgelöst und wollte nach dem Endspiel in Berlin nie wieder ein Fußball-Trikot überstreifen. Mit seinem Elfmetertor in der ersten Halbzeit bereitete «Zizou» selbst den Weg für einen schönen Abschied – doch es kam anders.
9. Juli 2006, Endspiel, 7. Spielminute
Keine sieben Minuten nach dem Anpfiff bekommt Frankreich gegen Italien einen Elfmeter zugesprochen, nachdem Florent Malouda im Strafraum von Marco Materazzi gefoult worden war. Zidane tritt zum Elfmeter an und schlenzt den Ball an die Unterkante der Latte und dann ins Tor. Mit dem Treffer geht Zidane als vierter Spieler in die Geschichte ein, der in zwei Endspielen ein Tor erzielen konnte.
9. Juli 2006, Endspiel, 109. Spielminute
Nach dem Ausgleich der Italiener geht es beim Stand von 1:1 in die Verlängerung. Die Italiener schlagen den Ball in die französische Hälfte, Zidane liefert sich mit Materazzi abseits des Spielgeschehens ein Wortgefecht. Der Franzose trabt in Richtung Mittellinie, dreht sich um und stößt den Italiener mit einem Kopfstoß auf dessen Brustbein zu Boden.Schiedsrichter Horacio Elizondo wird von seinem Assistenten an die Linie gerufen und erhält Informationen über die Szene, die sich in seinem Rücken abgespielt hatte. Er zeigt Zidane die Rote Karte.
10. Juli 2006
Staatspräsident Jacques Chirac drückte dem Vize-Weltmeister bei einem Empfang in Paris seine Bewunderung aus. Die ganze Nation zolle der Mannschaft Respekt, sagte das Staatsoberhaupt. Chirac tröstete Zidane mit den Worten, dass er ein «Genie des Weltfußballs», aber zugleich auch ein Mensch mit einem großen Herzen sei. Wegen seines Engagements und seiner Überzeugung bewundere und liebe ihn Frankreich.Trotz seines unrühmlichen Abgangs war Zidane der Spieler, dem die Fans beim Empfang am stärksten mit Rufen wie «Zizou à l'Euro» («Zizou zur Euro») zujubelten und den Kapitän der «Blauen» aufforderte, auch an den Qualifikationsspielen für die Europameisterschaft 2008 teilzunehmen. In der Qualifikation trifft Frankreich unter anderem ausgerechnet auf Italien.
Nach einem Bericht der französischen Zeitung «L'Equipe» und des englischen «Guardian» soll Materazzi den Franzosen vor dem Kopfstoß als «Terrorist» bezeichnet haben. Lippenleser des brasilianischen TV-Senders «Globo» wollen herausgefunden haben, dass der Italiener Zidanes Schwester zweimal als Prostituierte bezeichnet hat.
11. Juli 2006
Marco Materazzi äußert sich erstmals über den Wortwechsel vor dem Kopfstoß. Er selbst habe Zidane nur kurz am Trikot festgehalten. Darauf habe ihn der Franzose herablassend gemustert und gesagt, wenn er wolle, könne er das Trikot nach dem Spiel haben. «Ich habe ihm mit einer Beleidigung geantwortet, das stimmt.» Der Wortwechsel habe aus Äußerungen bestanden, die es bei jedem Fußballspiel geben würde.Mit Hilfe einer Gutachterin für Kriminalverfahren findet die britische «Times» heraus, dass der Italiener den französischen Kapitän als «Sohn einer Terroristen-Hure» beleidigt und dann «Verpiss dich doch einfach» gesagt habe. Eine von der englischen «Sun» angeheuerte Lippenleserin will erkannt haben, dass Materazzi sagt: «Ich weiß, wie es Deine Mutter mag».
Der Fußball-Weltverband Fifa kündigt eine Untersuchung im Fall Zinedine Zidane an. «Gegen den Spieler Zidane wird eine Disziplinaruntersuchung eröffnet. Dabei wird die Fifa die Umstände des Vorfalls genauestens klären», heißt es in einer Pressemitteilung.
Der Manager Zidanes, Alain Migliaccio, kündigte eine Stellungnahme seines Mandanten für die nächsten Tage an. «Bis jetzt hat er mir nur gesagt, dass Materazzi etwas sehr Ernstes zu ihm gesagt hat.» Üblicherweise bleibe Zidane gelassen, am Sonntagabend im Berliner Olympiastadion sei aber «etwas in ihm explodiert». (nz)