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Lupe Materazzi: Zidane fing Streit an

Der italienische Nationalspieler Marco Materazzi sieht sich als Opfer von Zinedine Zidane. Frankreichs Star wurde derweil von seinen Landsleuten aufgefordert, bis zur EM 2008 weiterzuspielen. Ist Zidanes Auszeichnung trotz seiner Entgleisung in Ordnung?

Italiens Fußball-Profi Marco Materazzi behauptet, im WM-Finale von Zinedine Zidane provoziert worden zu sein. «Er war unverschämt, da habe ich ihn beleidigt», sagte der 32 Jahre alte Verteidiger von Inter Mailand der italienischen Sporttageszeitung «La Gazzetta dello Sport». Im Berliner Olympiastadion war Zidane in der Nachspielzeit nach einem Kopfstoß gegen Materazzi mit der Roten Karte bestraft worden. Der Italiener betonte, dass Zidane mit ihm Streit angefangen habe.

Der Weltverband Fifa teilte am Dienstag in Zürich mit, dass ein Disziplinarverfahren gegen Zidane eröffnet werden wird. Die Fifa nannte keinen Zeitrahmen.

«Trikot bekommst Du nachher»
Nachdem er Zidane für wenige Sekunden am Trikot gehalten habe, habe der ihm von oben herab in unverschämter Art und Weise gesagt, «wenn du mein Trikot wirklich willst, bekommst du es nachher», berichtete Materazzi. Daraufhin habe er ihn beleidigt. «Ich habe Worte benutzt, die auf einem Fußballplatz ständig zu hören sind», sagte der Italiener nach dem 5:3-Finalsieg im Elfmeterschießen.

Materazzi bestritt vehement Zidane «Terrorist» genannt zu haben. «Ich bin ein Ignorant, ich weiß nicht Mal, was ein islamischer Terrorist ist», sagte Materazzi. Auch habe er nicht Zidanes Mutter beleidigt, wie es die französische Zeitung «Le Equipe» berichtete hatte. «Für mich ist die Mutter heilig», sagte Materazzi nach dem vierten Titel-Gewinn der «Azzurri» bei einer WM.

Lippenleser will Worte erkannt haben
Durch Materrazzis nebulöse Aussagen bleiben die Hintergründe für Zidanes Wutausbruch in seinem letzten Profi-Spiel weiter ungeklärt. Die britische Zeitung «The Guardian» beteiligte sich ebenfalls an den Spekulationen: Sie zitierte Zidanes Agent Alain Migliaccio, der erklärt haben will, der Franzose sei von Materazzi heftig beleidigt worden. «Ich kenne Zizou gut genug, um zu wissen, dass er nie sagen wird, was genau ihm Materazzi zugerufen hat. Aber eines Tages wird er seine Reaktion erklären», sagte der Agent dem Blatt zufolge.

Trotz seines unrühmlichen Abgangs war Zidane der Spieler, dem die Fans beim Empfang am Vortag am stärksten mit Rufen wie «Zizou à l'Euro» («Zizou zur Euro») zujubelte und den Kapitän der «Blauen» somit aufforderte, auch an den Qualifikationsspielen für die Europameisterschaft 2008 teilzunehmen. In der Qualifikation trifft Frankreich unter anderem ausgerechnet auf Italien.

«Großes Herz»
Staatspräsident Jacques Chirac drückte dem Vize-Weltmeister in Paris seine Bewunderung aus. Die ganze Nation zolle der Mannschaft Respekt, sagte das Staatsoberhaupt. Chirac tröstete Zidane mit den Worten, dass er ein «Genie des Weltfußballs», aber zugleich auch ein Mensch mit einem großen Herzen sei. Wegen seines Engagements und seiner Überzeugung bewundere und liebe ihn Frankreich.

Zuvor waren Lippenleser für den brasilianischen TV-Sender Globo bei der Analyse der entscheidenden Szenen anhand von Fernsehbildern zu dem Ergebnis gekommen, dass Materazzi Zidanes Schwester zweimal als Prostituierte bezeichnet haben soll. Die englischen Tageszeitungen The Times, The Sun und Daily Mail berichteten am Dienstag unabhängig voneinander und ebenfalls unter Berufung auf Lippenleser, dass Materazzi entgegen seinen Aussagen in Italien Zidane den «Sohn einer terroristischen Hure» genannt hätte.

Zidane kann trotz des Eklats auf den renommierten Prinz-von-Asturien-Preis in der Sparte Sport hoffen, wie die zuständige Stiftung am Dienstag im nordspanischen Oviedo mitteilte. Die Ehrung ist mit 50.000 Euro dotiert und gilt als «spanischer Nobelpreis». Der Preisträger wird am 6. September bekannt gegeben. Überreicht wird die Auszeichnung im Herbst von Kronprinz Felipe. (nz)