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Hildebrand hofft auf Klinsmann

11. Jul 2006 09:41, ergänzt 10:01

Timo Hildebrand beim Empfang auf der Fanmeile in Berlin.
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Foto: dpa
Timo Hildebrand sieht den Konkurrenzkampf nach Oliver Kahns Abschied aus der DFB-Elf neu entbrannt. Der Ersatzkeeper möchte zudem den Weg mit Jürgen Klinsmann weitergehen, wie er der Netzeitung sagte.
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  • Timo Hildebrand ist der einzige deutsche Nationalspieler, der bei der WM keine einzige Sekunde gespielt hat. Die bisherige Nummer drei im Tor hat sich aber nicht zurückgesetzt gefühlt und gewusst, «dass ich Teil der Mannschaft und wichtig bin. Jeder hat sich dem gemeinsamen Ziel untergeordnet und gewusst, dass er bei einer riesigen Sache dabei ist, auch wenn er nicht gespielt hat», wie er der Netzeitung sagte.

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  • Zudem schwärmt Hildebrand von der fantastischen Stimmung im WM-Quartier der Nationalelf. «Es war alles einfach total positiv. Es gab nie die Gefahr eines Lagerkollers, oder dass wir das Training und das Drumherum als mühselig empfinden», so der Torsteher. Und weiter: «Ich hatte zum Beispiel nie das Gefühl, das wir ausscheiden könnten, sondern, dass es immer weiter geht bis zum Schluss.»

    Der Keeper des VfB Stuttgart hofft wie alle anderen WM-Fahrer auch, dass Bundestrainer Jürgen Klinsmann weitermacht. «Ich würde mir wünschen, wenn er mit uns den Weg weitergeht», so der 27-Jährige, der betont, dass die Mannschaft voll hinter ihrem Coach steht. «Wir haben ihm gezeigt, dass wir seinen Weg mitgehen, jeder Einzelne bedingungslos.» Sollte der 41-jährige Schwabe sein Amt niederlegen, fürchtet Hildebrand einen «Knick» in der vom Bundestrainer forcierten Entwicklung. Denn Hildebrand lobt Klinsmann überschwänglich: «Er hat Sensationelles bewegt, eine riesige Euphorie im ganzen Land erzeugt.»

    Nach dem Rücktritt von Oliver Kahn aus dem Tor der Nationalmannschaft sieht Hildebrand den Konkurrenzkampf neu entfacht. Ansprüche leitet der Blondschopf daraus freilich nicht ab. «Ich werde mein Bestes geben und mich aufdrängen. Durch Leistung, nicht durch Aussagen», erklärte er.

    «Das war einfach gigantisch»

    Netzeitung: Wie haben Sie den Empfang auf der Berliner Fanmeile erlebt?

    Timo Hildebrand: Realisieren kann man das noch nicht, was alles passiert ist. Das sind Erlebnisse, die man nicht so oft hat, das war einfach gigantisch.

    Netzeitung: Sie sind mit den anderen Torhütern als Erster auf die Bühne geschickt worden.

    Hildebrand: Wir Spieler wussten überhaupt nicht, was geplant war. Das war natürlich super mit den beiden anderen (Jens Lehmann und Oliver Kahn, Anm. d. Red.) als Erste vorzulaufen und die Stimmung einzufangen. Wir hatten zuvor die ganze Nacht gefeiert und wussten überhaupt nicht, was auf uns in Berlin zukommt.

    Durch Leistung aufdrängen

    Netzeitung: Schlägt denn nach dem Rücktritt von Oliver Kahn und dem fortgeschrittenen Alter von Jens Lehmann Ihre Stunde im Tor der Nationalelf?

    Hildebrand: Um ehrlich zu sein, darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich werde jetzt erstmal meinen Urlaub genießen. Außerdem möchte ich in der Öffentlichkeit nicht über dieses Thema reden. Es ist doch ganz klar, dass der Konkurrenzkampf neu entfacht wird, wenn einer von beiden aufhört. Jetzt schauen wir mal, wie es weiter geht. Die neue Bundesligasaison steht bevor, da wird wieder Gas gegeben. Ich werde mein Bestes geben und mich aufdrängen. Durch Leistung, nicht durch Aussagen.

    Netzeitung: Wen sehen Sie denn als Ihren stärksten Konkurrenten um den Platz im Nationaltor?

    Hildebrand: Das sind die altbekannten, die auch immer in der Zeitung stehen. Wir haben genug gute deutsche Torhüter.

    Netzeitung: Also Torhüter wie Robert Enke, Roman Weidenfeller oder Frank Rost.

    Hildebrand: Ja genau.

    WM auf der Bank «ein riesiger Erfahrungswert»

    Netzeitung: Sie sind als einziger WM-Fahrer nicht zum Einsatz gekommen. Wie sind Sie mit dieser Situation zurecht gekommen?

    Hildebrand: Ja klar, die Situation war schon schwer. Ich will natürlich immer spielen. Andererseits habe ich vorher gewusst, was auf mich zukommt, dass ich als Torhüter Nummer drei so gut wie keine Chance auf einen Einsatz haben werde. Es war aber ein riesiger Erfahrungswert für mich, eine WM im eigenen Land mitzumachen, auch wenn ich nur auf der Bank gesessen habe. Das Erlebte war auch wichtig für mich als Mensch.

    Netzeitung: Bundestrainer Jürgen Klinsmann soll den Ersatzspielern das Gefühl gegeben haben, ein wichtiger Teil des Teams zu sein. Hat er denn persönlich mit Ihnen gesprochen?

    Hildebrand: Nein, das braucht er auch nicht. Ich habe gewusst, dass ich Teil der Mannschaft und wichtig bin. Jeder hat sich dem gemeinsamen Ziel untergeordnet und gewusst, dass er bei einer riesigen Sache dabei ist, auch wenn er nicht gespielt hat.

    Netzeitung: Die Reservespieler haben sogar Ansprachen an das Team gerichtet. Haben Sie auch mal das Wort ergriffen?

    Hildebrand: Nein, ich durfte nicht (lacht). Ich wäre dran gewesen, wenn wir das Endspiel erreicht hätten.

    Xavier Naidoo in der Kabine

    Timo Hildebrand
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    Foto: dpa
    Netzeitung: Hatten Sie sich schon überlegt, was Sie gesagt hätten?

    Hildebrand: Nichts Großes. Ich hatte aber schon mal bei Oliver Bierhoff angefragt, ob nicht Xavier Naidoo bei uns vor dem Spiel in der Kabine singen könnte. Das wäre sensationell gewesen. Leider hat das nicht geklappt.

    Netzeitung: Kennen Sie denn Xavier Naidoo persönlich?

    Hildebrand: Ihn persönlich nicht. Ich war auf seinem Abschiedskonzert in Mannheim, da habe ich seine Managerin kennen gelernt. Die ist super nett.

    Netzeitung: Die Diskussion um die Zukunft von Jürgen Klinsmann bestimmt nun die Berichterstattung. Was würde denn Ihrer Meinung nach verloren gehen, wenn er nicht als Bundestrainer weiter macht?

    Hildebrand: Ich befürchte, es könnte einen Knick geben in der Euphorie. Man hat schon letztes Jahr beim Confed-Cup gesehen, was er mit seiner Art auslösen kann. Er hat einen Plan und den zieht er durch.

    «Es war alles total positiv»

    Netzeitung: Was macht denn seine Art und diese spezielle Atmosphäre im Mannschaftsquartier aus?

    Hildebrand: Es war alles einfach total positiv. Es gab nie die Gefahr eines Lagerkollers, oder dass wir das Training und das Drumherum als mühselig empfinden. Jeder hat das Gefühl gehabt, dazu zu gehören: Die Spieler, die Betreuer, die Offiziellen. Alle waren sehr optimistisch gestimmt und haben ein tolles Klima verbreitet. Ich hatte zum Beispiel nie das Gefühl, das wir ausscheiden könnten, sondern, dass es immer weiter geht bis zum Schluss.

    Netzeitung: War denn das gesamte DFB-Team traurig, jetzt auseinander gehen zu müssen, wie nach einem tollen Urlaub?

    Hildebrand: Ja, so in etwa. Es war eine gute Zeit mit den Jungs und dem Stab zusammenzuarbeiten. Das hat riesigen Spaß gemacht, und man lernt die Menschen anders kennen, wenn man so lange Zeit zusammen ist. Das hat super geklappt, wir sind uns nicht auf die Nerven gegangen.

    Netzeitung: Mit wem aus der Mannschaft haben Sie denn besonders viel Zeit verbracht?

    Hildebrand: Mit dem Arne und dem Philipp (Friedrich und Lahm, Anm. d. Red.) hab ich einiges unternommen. Wir haben Spiele angeschaut oder einfach nur zusammen abgehangen.

    Netzeitung: Versuchen Sie jetzt zusammen mit Thomas Hitzlsperger diesen Geist beim VfB einfließen zu lassen?

    Hildebrand: Oh ja, das hoffe ich. Vielleicht spüren das auch die anderen Spieler, dass etwas in uns gewachsen ist. Allerdings ist die Bundesliga eine ganz andere Sache. Das ist ganz schwer über den Verlauf einer ganzen Saison diese Euphorie, die wir im WM-Team hatten, aufrecht zu halten. Das kommt nur ganz selten vor, wie beim VfB damals in der Champions-League-Saison, dass immer eine super Stimmung herrscht.

    Kritik an der Bundesliga

    Netzeitung: Sollten denn die Methoden von Jürgen Klinsmann auch in der Bundesliga Eingang finden?

    Hildebrand: Wieso nicht? Man sollte immer für alles offen sein. Ich habe auch schon vor der WM gesagt, dass in der Bundesliga teilweise noch unprofessionell gearbeitet wird. Bei vielen Trainern herrscht einfach noch das alte Schema vor. Ich fand das sehr gut, was wir gemacht haben. Der Jürgen Klinsmann hatte seinen Plan, den hat er durchgesetzt und war erfolgreich. Jeder Spieler hat voll Gas gegeben, auch wenn wir sehr viel Krafttraining gemacht haben. Es war ein sehr konzentriertes Arbeiten mit einem bestimmten Ziel vor Augen. Das war eine runde Sache.

    Netzeitung: Bleibt Jürgen Klinsmann oder hört er als Bundestrainer auf?

    Hildebrand: Er kann sagen, er hat seine Mission erfüllt, auch wenn wir nicht Weltmeister geworden sind. Er hat Sensationelles bewegt, eine riesige Euphorie im ganzen Land erzeugt. Vielleicht will er jetzt seine Ruhe haben, die Zeit mit seiner Familie verbringen und sich nicht wieder der Kritik der Medien ausliefern. Er kann aber auch sagen, dass hat so viel Spaß gemacht, ich will weitermachen, was ich hoffe.

    Weg bedingungslos mitgehen

    Netzeitung: Und was sagt Ihnen Ihr persönliches Gefühl? Sie haben Ihn jeden Tag erlebt.

    Hildebrand: Schwer zu sagen, da will ich mich nicht festlegen. Ich würde mir wünschen, dass er mit uns den Weg weitergeht.

    Netzeitung: Hat ihm denn das jeder Spieler persönlich gesagt, oder hat das Ansinnen Kapitän Michael Ballack vorgetragen?

    Hildebrand: Das hat er gespürt. Wir haben ihm immer applaudiert, ob es jetzt bei der Medaillenübergabe war oder einfach nur in der Mannschaftsbesprechung. Wir haben ihm gezeigt, dass wir seinen Weg mitgehen, jeder Einzelne bedingungslos.

    Das Interview mit Timo Hildebrand führte Matthias Bossaller.



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