Grauer EM-Alltag folgt auf WM-Party
10. Jul 2006 12:58
 |  Jürgen Klinsmann (l.) und Michael Ballack. | | Foto: dpa |
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Eine Euphoriewelle hat die deutsche Fußball- Nationalmannschaft durch das WM-Turnier begleitet. In der Qualifikation zur EM 2008 muss die DFB-Elf «wieder bei Null anfangen».
Von Klaus Bergmann und Jens Mende
Ob mit Jürgen Klinsmann oder einem neuen Bundestrainer: Nach dem Ende der Fußball-Weltmeisterschaft müssen sich die deutschen Fans nur 38 Tage bis zum nächsten Länderspiel des «Weltmeisters der Herzen» gedulden. Am 16. August trifft die deutsche Nationalmannschaft in Gelsenkirchen in einem Freundschaftsspiel auf den WM-Achtelfinalgegner Schweden. «Das Gute ist, dass wir uns in vier Wochen schon wiedersehen», hatte Philipp Lahm am Sonntag den über 500.000 schwarz-rot-goldenen Anhängern beim großen WM-Abschied der Nationalspieler auf der Berliner Fan-Meile zugerufen.
Qualifikation gegen Fußball-Zwerge
Auf das WM-Nachspiel «auf» Schalke folgt jedoch der graue Alltag mit EM-Qualifikationsspielen gegen Fußball-Zwerge wie Zypern oder San Marino - und im Herbst beginnt sogar ein Länderspiel-Entzug von knapp acht Monaten ohne Heimspiel von «Poldi», «Schweini» & Co.Nach dem Saisonstart gegen Schweden beginnt am 2. September in Stuttgart gegen Irland der Kampf um Punkte für die Teilnahme an der Europameisterschaft vom 7. bis 29. Juni 2008 in Österreich und der Schweiz. Nur vier Tage später folgt in der sieben Teams umfassenden Gruppe D das erste Auswärtsspiel gegen San Marino, das seit Aufnahme in den Fifa-Weltverband 1988 noch kein Pflichtspiel, sondern nur ein Freundschaftsspiel gegen Liechtenstein gewinnen konnte.
«Haben alle Probleme»
«Natürlich ist es schwer, gegen Irland anzutreten und wieder bei Null anzufangen», sagte Michael Ballack. «Aber damit haben doch alle Probleme», bemerkte der Kapitän. Auch der neue Weltmeister Italien oder der unterlegene Finalist Frankreich. Als Motivation dient das nächste große sportliche Ziel, wie Ballack nach dem dritten WM-Platz erklärte: «Bei der Europameisterschaft wollen wir wieder angreifen.» Nach einem Freundschafts-Kick gegen die von Ex-Nationalspieler Klaus Toppmöller betreute Auswahl Georgiens am 7. Oktober in Rostock verschwindet die Nationalmannschaft bis zum Qualifikations-Doppelpack gegen San Marino (2. Juni 2007) und die Slowakei (6. Juni 2007) sogar für mehr als ein halbes Jahr aus den deutschen Stadien.
Kein Selbstläufer
Statt Heimspielen stehen in dieser Zeit drei Auswärtshürden auf dem Weg zur EM auf dem Spielplan: Am 11. Oktober in der Slowakei, am 15. November in Nikosia gegen Zypern sowie beim Start ins kommende Jahr am 24. März 2007 das Spitzenspiel bei WM-Teilnehmer Tschechien mit den ehemaligen Dortmund-Stars Tomas Rosicky und Jan Koller. «Tschechien und wir sind sicherlich in der Favoritenrolle», sagte Klinsmanns Assistent Joachim Löw zur Gruppen-Konstellation. Sechster und letzter deutscher Gegner in der Staffel D ist Wales.Auch der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger weiß, dass die EM-Qualifikation für die deutsche Mannschaft nach dem Höhepunkt einer Heim-WM alles andere als ein Selbstläufer wird. Die Bundesliga und die Interessen der Vereine rücken wieder in den Vordergrund, eine Tatsache, die auch bei Klinsmanns Zukunfts-Entscheidung eine Rolle spielen könnte. «Es ist schon so, dass man die Vorbereitung einer Mannschaft auf die WM im eigenen Land ohne Qualifikationsspiele etwas anders sehen muss als den grauen Alltag, der jetzt mit Qualifikationsspielen für die Europameisterschaft beginnen wird», sagte Zwanziger. An der Zielsetzung, sich als Gruppen-Erster oder - Zweiter für die EM in den beiden Alpenrepubliken zu qualifizieren, ändert das jedoch nichts. (dpa)