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Zidanes Ausraster macht Totti ratlos

10. Jul 2006 08:53, ergänzt 10:28

Zidanes Foul am Italiener Materazzi
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Foto: dpa
Die Fußball-Fans fragen sich, was Zinedine Zidane im WM-Finale gegen Italien so hat durchdrehen lassen. Der Star sollte seine Karriere so nicht beenden, findet Italiens Trainer Lippi.
Von Dorothea Jantschke, Berlin

Um genau halb acht Uhr am Sonntagabend begann sein Abschied vom Fußball. Zu diesem Zeitpunkt wurde Zinedine Zidanes Name ein letztes Mal aus einer Mannschaftsausstellung verlesen. Es war nicht die Mannschaftsaufstellung irgendeines Spiels: Es handelte sich um das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft in Berlin. Frankreich gegen Italien, und «Zizou» sollte seine «Blauen» nicht nur ein letztes Mal als Kapitän auf den Platz führen, sondern am besten auch den Titel holen.

Zidane trifft

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    Begonnen hatte das Unternehmen «Abschied» mit einem Elfmetertreffer Zidanes. In der vierten Minute verwandelte der 34-Jährige abgezockt per Schlenzer zum 1:0 für Frankreich. Zidane ist der vierte Spieler der WM-Geschichte, der in zwei Endspielen getroffen hatte.

    Im Halbfinale gegen Portugal vor fünf Tagen hatten ein früher Strafstoß ebenfalls durch Zidane und die nachfolgende Defensivtaktik für einen Sieg ausgereicht. Nicht so gegen Italien. Bereits in der 16. Minute glich Marco Materazzi mit dem Kopf aus. Eben dieser Materazzi von Inter Mailand sollte für den Verlauf des Spiels noch von großer Bedeutung werden. Denn plötzlich und scheinbar ohne Vorwarnung brachte Zidane den Italiener in der 110. Minute mit einem heftigen Kopfstoß auf das Brustbein zu Fall.

    «Harmloses Gemüt»

    «Es ist mir völlig unverständlich, wie so ein großer Spieler so etwas Dummes tun kann», sagte Francesco Totti nach dem Spiel. «So was darf in so einem wichtigen Spiel nicht passieren», schimpfte auch WM-Cheforganisator Franz Beckenbauer. Er ergriff aber sogleich Partei für den Franzosen. «Irgendetwas muss der Materazzi zu Zidane gesagt haben», mutmaßte Beckenbauer. Denn jeder wisse, dass der Real-Profi privat ein geradezu «harmloses» Gemüt habe.

    Was auch immer Zidane so ungehalten machte, er hinterließ eine geschockte Mannschaft. «Die Franzosen reagieren immer sehr sensibel, wenn sie ohne Kapitän dastehen», sagte Beckenbauer. Zwar gelang den Italienern bis zum Ende der Nachspielzeit kein Treffer mehr, doch im Elfmeterschießen waren sie die Ruhe selbst. Während die Franzosen schwächelten. David Trezeguet muss sich anlasten lassen, seinen Elfer – einen Schuss an die Latte – vergeben zu haben.

    «Er darf nicht aufhören»

    Zidane sah sich die jubelnden Italiener von der Bank aus an. Am Ende seines letzten Auftritts mit der französischen Nationalmannschaft schlich er geschlagen mit seinen Kollegen aus dem Stadion. Italiens Trainer Marcello Lippi ging die Szene an die Nieren. Er forderte indirekt ein weiteres Abschiedsspiel für den großen Fußballer. «Ein Spieler wie Zidane darf nicht mit einer Roten Karte aufhören. Das wäre eine Schande.»

    Zidane sei «sehr traurig», sagte der französische Nationaltrainer Raymond Domenech. «Sicherlich wollte er seine Karriere nicht so beenden.» Er wolle das, was Zidane getan habe, nicht rechtfertigen, zitiert die italienische Zeitung «La Repubblica» den Trainer. «Es war eine total sinnlose Aktion. Ich weiß nicht, was mit Zidane passiert ist. Aber es muss etwas vorgefallen sein.» Er verstehe seinen Spieler, schließlich wisse man nicht, was Materazzi ihm gesagt habe. Dies alles ändere nichts an der Tatsache, dass die Weltmeisterschaft großartig gewesen sei und Zidane eine große Karriere hinter sich habe.

    Auch Frankreichs Präsident Jaques Chirac gab Zidane warme Worte mit auf seinen Weg in den fußballerischen Ruhestand: «Ich möchte zu Zidane sagen, dass ich große Achtung vor diesem Mann habe. Zidane hat die Werte dieses Sports verkörpert und Frankreich Ehre erwiesen.»



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