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«Elf Freunde» erlösen Italien

10. Jul 2006 08:32, ergänzt 08:54

Fußball-Weltmeister Italien
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Foto: dpa
Die italienischen Fußball-Stars wurden zu kleinen Kindern, als sie endlich den WM-Pokal in Händen halten durften. Mitten im Korruptionsskandal gibt die Mannschaft den heimischen Fans wieder Vertrauen und Halt.
Von Dorothea Jantschke, Berlin

Gennaro Gattuso hatte seine Shorts in die Fankurve geworfen und lief nur noch in seiner weißen Unterhose und dem azurblauen Trikot bekleidet über den Rasen. Fabio Cannavaro busselte den WM-Pokal als sei er ein süßes Baby, und Torwart Gianluigi Buffon schleppte seinen Kollegen Marco Materazzi wie einen Sack Mehl auf den Schultern durch das Berliner Olympiastadion.

1:1 nach 120 Minuten

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  • Glücklich wie kleine Kinder, angekommen am Ziel ihrer Träume und überwältigt von der eigenen Cleverness feierten die Italiener am Sonntagabend ihren Fußball-Weltmeistertitel. «Es ist einfach wunderschön», sagte Kapitän Cannavaro nach dem 5:3-Sieg über die Franzosen im Elfmeterschießen. Nach 120 Spielminuten hatte es 1:1 gestanden.

    Mitten im wohl größten Korruptionsskandal der italienischen Fußball-Geschichte hat die Squadra Azzurra ihren Fans den Glauben an den heimischen Fußball zurückgegeben. Während die Meisterschaft verschoben worden zu sein scheint oder durch Schiedsrichtermanipulation zumindest stark beeinflusst wurde, ist der Weltmeistertitel echt. Als Fabio Grosso den entscheidenden Elfmeter gegen Frankreichs Keeper Fabien Barthez verwandelte, stießen die Italien-Fans unter den 69.000 Besuchern des Olympiastadions einen kollektiven, erlösenden Schrei aus, der nicht mehr abebben sollte, bis die Mannschaft gegen 23 Uhr den Rasen endgültig verließ.

    Durchgefeierte Nacht

    «Jetzt geht es zurück nach Duisburg, und da wird die ganze Nacht gefeiert», freute sich Gattuso auf sein WM-Quartier mitten im Ruhrgebiet. Der als Raubein bekannte Mittelfeldspieler des AC Mailand zeigte am Abend des Triumphes sogar Kinderstube. «Am Ende dieses Abenteuers möchte ich dem deutschen Volk meine Glückwünsche aussprechen», sagte der Kalabrier. «Alle Leute, denen ich während des letzten Monats begegnet bin, waren ungeheuer freundlich, respektvoll und höflich.»

    Auf dem Transparent einer italienischen Fangruppe gab es ein weiteres Lob. «Ihr seid Gastgeber-Weltmeister» hieß es da versöhnlich. Die Italiener hatten die deutsche Elf im Halbfinale mit 2:0 aus dem Rennen um den Titel befördert. «Nach dem Sieg über Deutschland wussten wir, dass wir es schaffen können», sagte Marcello Lippi. Der italienische Nationaltrainer dürfte mit dem Titelgewinn in die Fußball-Heldengalerie seiner Heimat aufgestiegen sein. «Ich habe zwar schon einmal die Champions League gewonnen», sagte Lippi, «aber ein Weltmeistertitel ist die Krönung der Karriere eines jeden Sportlers.»

    Alle Taktik vergessen

    Dass seine Mannschaft zu den Titelfavoriten zählte, war schon in der Qualifikation zur WM klar geworden. Während des Turniers glänzte die Mannschaft dann in der Gruppenphase nicht gerade mit Offensiv-Fußball. Doch auch die alte italienische Mauertaktik war nicht mehr zu sehen. Übrig geblieben, ist eine Mischung aus einer herausragenden Defensive und der Fähigkeit, die explosiven Stürmer im richtigen Moment in Szene zu setzen.

    Gegen die Franzosen war alle Taktik aber erst einmal vergessen, als Zinedine Zidane in der sechsten Minute einen Foulelfmeter zur 1:0-Führung verwandelte. Doch die Italiener wären nicht Weltmeister, wenn sie lange im Schockzustand verharrt hätten. Bereits 13 Minuten später köpfte Marco Materazzi, der den Strafstoß durch ein Foul an Florent Malouda verursacht hatte, zum Ausgleich ein. Von da an sahen die Zuschauer über weite Strecken den Versuch beider Mannschaften, Tore zu verhindern. Als Zinedine Zidane sich in der 110. Minute zu einem Kopfstoß gegen Materazzi hinreißen ließ und Rot sah, mussten die Italiener ihren Trumpf nur noch ausspielen.

    Gegen «kopflose» Franzosen gelang in der Nachspielzeit zwar kein Tor mehr, doch im Elfmeterschießen blieben die Italiener kühl. Während sie alle fünf Elfer solide verwandelten, strauchelte David Trezeguet - ausgerechnet der Mann, der Frankreich bei der Europameisterschaft 2000 mit einem Golden Goal im Finale gegen Italien zum Titel geschossen hatte. «Wir haben nicht verloren. Wir haben nur die Elfmeter nicht so geschossen, wie wir es besprochen hatten», schimpfte Frankreichs Trainer Raymond Domenech. Italiens Spielführer Cannavaro sah das anders: «Wir haben gezeigt, dass wir elf Freunde auf dem Platz sind. Deshalb waren diesmal eben wir dran.»



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