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Klinsmann ist «wahnsinnig stolz»

09. Jul 2006 12:11, ergänzt 15:00

Jürgen Klinsmann und seine Fans.
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Foto: dpa
Über 500.000 deutsche Fußball-Fans haben der deutschen Nationalelf einen begeisternden Empfang bereitet. Bundestrainer Jürgen Klinsmann zeigte sich gerührt.
Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist am Sonntag vor dem Brandenburger Tor in Berlin von mehr als 500.000 Anhängern begeistert empfangen worden. Einen Tag nach ihrem 3:1-Sieg im Spiel um Platz drei gegen Portugal präsentierten sich Jürgen Klinsmann und Co. auf der größten Fanmeile Deutschlands, um mit den Anhängern zu feiern und sich für die Unterstützung zu bedanken.

Ballack holt Zettel aus Lehmanns Stutzen

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  • Die Torhüter, die Feldspieler, Trainer Jürgen Klinsmann und das übrige Team umjubelt. Kapitän Michael Ballack holte einen Spickzettel aus dem Stutzen von Torwart Lehmann und bedankte sich unter dem tosenden Beifall der Fans, die die Straße des 17. Juni in ein schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer verwandelt hatten. Popstars wie Xavier Naidoo und die Sportfreunde Stiller sorgten für Stimmung.

    Mit Trikots mit der Aufschrift «Danke Deutschland» und «Teamgeist 82 Mio» in Anspielung auf die landesweite Unterstützung dankten alle Mitglieder der deutschen Delegation. «Vielen, vielen Dank, ihr seid die Geilsten», rief Kapitän Michael Ballack der überwiegend in Schwarz-Rot-Gold gekleideten Fanmenge vor dem Brandenburger Tor zu.

    Im besonderen Mittelpunkt der Ovationen standen die Jungstars Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm. Aber auch die anderen Mitglieder der DFB-Delegation wie der 71-jährige Masseur Adolf Katzenmeier, der einst schon die Beine von Fritz Walter geknetet hatte, genossen das Bad in der schwarz-rot-goldenen Menge.

    Asamoah singt mit Podolski

    «Das sind Momente, die man nie vergisst», sagte Abwehrspieler Christoph Metzelder und Ersatztorhüter Timo Hildebrand ergänzte: «Das ist Wahnsinn, was hier abgegangen ist in den letzten Wochen.» Während Popstar Xavier Naidoo mit seinem Songtext «Was wir allein nicht schaffen, schaffen wir gemeinsam» die Bedeutung des Teamgeistes für den Erfolg unterstrich, war Gerald Asamoah, David Odonkor und Podolski nur noch nach Gaudi zumute. Mit einer eigenwilligen Interpretation des Drafi Deutscher-Hits «Marmor, Stein und Eisen bricht» dankten sie den Fans.

    Der Jubel war zum Orkan angeschwollen, als die Torhüter Jens Lehmann, Oliver Kahn und Hildebrand um 12.36 Uhr als erste die Bühne betreten hatten. Doch als eine Viertelstunde später Klinsmann gemeinsam mit Joachim Löw, Oliver Bierhoff, Andreas Köpke das Podium betrat, gerieten die Anhänger förmlich aus dem Häuschen. «Die ganze Nation ist stolz auf die Mannschaft. Die Fans waren die großen Stars dieser Weltmeisterschaft», sagte Sportminister Wolfgang Schäuble.

    «Wahnsinnig stolz» verabschiedete sich Klinsmann am Sonntag nach dem gigantischen Abschlussempfang vor dem Brandenburger Tor in den verdienten Urlaub, aus dem er vielleicht nicht mehr als Bundestrainer zurückkehren wird. «Tausend, tausend, tausend Dank, die Truppe ist einfach geil», rief er den Fans zu - allerdings ohne ein Versprechen der persönlichen Wiederkehr.

    «Ich persönlich brauche ein paar Tage, um das zu verstehen und sacken zu lassen. Es ist viel auf uns alle eingestürzt. Ich kann das Ganze noch nicht ordnen», gestand Klinsmann. Er genoss die Huldigungen von Jung und Alt sowie seiner Mannschaft, aber die Entscheidung will er im Kreise der Familie mit kühlem Kopf und in Abgeschiedenheit treffen.

    «Ich bin überwältigt»

    «Ich bin überwältigt und glücklich, dass solche Wertschätzung und Komplimente aus vielen Bereichen kommen für unsere Arbeit. Aber ich kann auch nur betonen: Wir Trainer können viel auf den Weg mitgeben, aber spielen tun die Jungs.»

    Die Schluss-Fotos und abschließenden WM-Umarmungen mit seinen engsten Mitarbeiten nach dem 3:1-Sieg gegen Portugal, bei der nächtlichen Team-Party und beim schwarz-rot-goldenen Jubel am Tag darauf auf der Berliner Fan-Meile gaben keinen letzten Aufschluss darüber, was kommt. Auch die größten Experten konnten nur rätseln.

    Franz Beckenbauer meinte, nach der Überreichung der Bronze-Medaille eine «gewisse Bejahung» im Gesicht des Bundestrainers abgelesen zu haben nach seiner Aufforderung, Klinsmann müsse jetzt weitermachen. Uwe Seeler, ein anderer deutscher Ehrenspielführer, deutete die Zeichen anders: «Jürgen weiß, dass die WM etwas Besonderes ist und der Alltag folgt. Wer Jürgen kennt, der muss nachdenklich werden.»

    Klinsmann nährte beide Einschätzungen. Er kam seinem großen Ziel ganz nahe, seine Methoden haben gegriffen und die Spieler liegen ihm am Herzen. Er könne jetzt «normalerweise nicht» aufhören, meinte Kapitän Ballack: «Wir machen ja auch weiter.» Aber gerade die Spieler waren es auch, die daran erinnerten, das ihr Trainer viel Kritik wegstecken musste. «Jetzt ist alles Friede, Freude, Eierkuchen, aber er muss die gesamten zwei Jahre sehen», sagte Ballack.

    Dank an Bundeskanzlerin Merkel

    Klinsmanns ausdrücklicher Dank an Angela Merkel sprach in dieser Hinsicht Bände. «Ganz besonders stolz war ich, als ich die Kanzlerin drücken durfte, weil sie auf unserer Seite war, als es noch richtig um die Ohren gab vor ein paar Monaten nach dem Italien-Spiel in Florenz. Da war sie eine der Wenigen, die aufgestanden ist und gesagt hat: Lasst die Kerle jetzt endlich mal in Ruhe arbeiten.»

    Auf die lange Bank schieben wird Klinsmann seine Zukunft nicht. Team-Manager Oliver Bierhoff kündigte ein Treffen schon für die kommende Woche an. Und ganz abtauchen würde Klinsmann auch dann nicht, wenn er dem DFB den Rücken kehren sollte und sich wieder in seine US-Wahlheimat zurückzöge. Für den negativen Fall möchte er wenigstens als «Helfer» und «Dienstleister» für die Nationalspieler zur Verfügung stehen: «Egal, wie jetzt die Entscheidung ausgeht, diese Bereitschaft und Nähe wird von meiner Seite aus immer da sein.» (nz)



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