Rücktritts-Gerüchte um Scolari
07. Jul 2006 19:44
 |  Luis Felipe Scolari | | Foto: dpa |
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Die portugiesische Elf ist vor dem kleinen Finale gegen Deutschland offenbar nicht sonderlich motiviert. Außerdem beherrscht der Trainer inzwischen die Schlagzeilen.
Von Ulrike JohnPortugals Fußballer wollen das Erbe Eusebios antreten, doch vor dem Kampf um Bronze und dem Abschiedsspiel von Superstar Luis Figo wirkt so mancher Spieler lustlos. Zudem drängt die Trainer-Diskussion um Luiz Felipe Scolari die sportlichen Aspekte in den Hintergrund. «Es ist sehr frustrierend und es wird schwierig, eine Motivation zu finden für das Spiel am Samstag gegen Deutschland», sagte Mittelfeldspieler Deco vor der Begegnung um Platz drei (21.00 Uhr) in Stuttgart und beschrieb damit die Stimmungslage beim gescheiterten Halbfinalisten.
Alles offen
«Scolari geht», titelte derweil das portugiesische Sportblatt «Record» am Freitag. Der Brasilianer wolle sich nach Ablauf seines Vertrages am 31. Juli einige Monate Pause gönnen, obwohl er lukrative Angebote von Vereinen in Spanien und Italien erhalten habe. Nach einem Treffen mit Verbandspräsident Gilberto Madaíl wolle Scolari diese Entscheidung bekannt geben. Scolari selbst sagte am Freitagabend in Stuttgart, es sei noch alles offen: «Ab Mittwoch können wir reden», meinte er. Und: «Ich will mich hier auf das Spiel konzentrieren und nicht über meinen Vertrag reden. Es gibt die Möglichkeit zu bleiben oder zu gehen.»Kapitän Figo will seinen Kollegen vor seinem 127. und letzten Länderspiel nochmal in den Hintern treten: «Die WM ist noch nicht vorbei», betonte der 33-Jährige. 1966 in England hatten die Portugiesen mit ihrem Idol Eusebio mit einem 2:1 über die Sowjetunion Rang drei erobert und für die bisher beste Platzierung gesorgt. Der «Schwarze Panter» wurde damals mit neun Treffern Torschützenkönig. «Traurigerweise sind wir nicht im Finale, aber wir haben noch ein Spiel vor uns, das eine Belohnung verspricht: die Bronzemedaille», sagte Eusebio. Für Figo und die «goldene Generation» ist das nur ein schwacher Trost: Dem Mittelfeldspieler von Inter Mailand bleibt ein Titel mit der «Seleccao» verwehrt. «Das nächste Spiel wird definitiv mein letztes sein», erklärte der Weltfußballer des Jahres 2001.
«Wollen sie schlagen»
«Wir haben uns noch etwas verdient», meinte Torwart Ricardo. «Das wird eine schwierige Partie, aber wir kämpfen darum, noch einen Sieg zu landen. Ich glaube, jemand hat für uns noch etwas reserviert.» Deco räumte hingegen ein, dass er bereits die Regenerationsphase nach der WM im Auge hat. «Ich denke nur daran, mich auszuruhen, um mich beim FC Barcelona gut präsentieren zu können. Wir haben schließlich die spanische Meisterschaft und die Champions League vor uns», sagte er, nahm sich und seine Mitspieler aber dennoch in die Pflicht: «Für alle unsere Fans müssen wir noch einmal unser Bestes geben.»Scolari brauchte nach eigener Angabe nach der 0:1-Niederlage gegen Frankreich «vier oder fünf Stunden, um mit meinen Leuten, meinen Kindern und meiner Frau zu sprechen». Dies tat der Brasilianer dann auch mit seinen Spielern und versuchte mit einem Sonderlob, die Stimmung zu heben. «Ich bin stolz darauf, dieser Truppe anzugehören», sagte Scolari und ballte die Faust: «Wir können den dritten Platz holen. Und das ist etwas sehr Interessantes. Die deutsche Mannschaft hatte einen Tag länger Pause und wir wollen sie schlagen.» Scolari muss seine Abwehr umstellen: Für Innenverteidiger Carvalho vom FC Chelsea ist wegen seiner Gelb-Sperre die WM bereits beendet. Zudem fehlt auf der rechten Seite Miguel (FC Valencia) wegen einer Knieverletzung. «Drei oder vier Änderungen» will Scolari vornehmen.
Auch wenn der Vize-Europameister gegen den Gastgeber spielt - Heimrecht hat eigentlich ein Portugiese: Fernando Meira hatte vor der WM seinen Vertrag beim VfB Stuttgart bis 2010 verlängert. Der Abwehrspieler war bei seinem Wechsel im Dezember 2001 von Benfica Lissabon zum VfB mit 7,5 Millionen Euro der bis heute teuerste Einkauf der Clubgeschichte. «Jetzt wollen wir wenigstens Dritter werden», sagte Meira. (dpa)