Blatter sorgt sich um WM 2010
«Afrika ruft» heißt das Motto der aufwendigen Veranstaltungen, mit denen am Freitag in Berlin auf die WM 2010 in Südafrika eingestimmt werden soll. Staatspräsident Thabo Mbeki und Fifa-Präsident Joseph Blatter werden in Anwesenheit von UN- Generalsekretär Kofi Annan das offizielle Logo des Worldcups vorstellen. Schöne Reden sollen Bedeutung und Chancen dieser ersten Fußball-Weltmeisterschaft in Afrika preisen. Das ist das Geschehen auf der Bühne. In der Kulisse wachsen die Sorgen, dass dieses globale Weltfest des Fußballs das Land überfordern und wohl nur eine große Kraftanstrengung das Ärgste verhindern könnte.
Wenn es nach Blatter gegangen wäre, hätte schon die WM 2006 in Südafrika stattgefunden. Das hat der Neuseeländer Charles Dempsey verhindert, als er sich bei der Wahl des Fifa-Exekutivkomitees der Stimme enthielt und somit ein 12:11 für Deutschland ermöglichte. Bei einem 12:12-Unentschieden hätte der Fifa-Boss die entscheidende Stimme für Südafrika gehabt. Inzwischen feiert Blatter die deutsche WM als «die großartigste und stimmungsvollste bisher» und bezeichnet Dempsey als «Hand Gottes»: «Ich bin ein gläubiger Mensch. Ich habe ihm gesagt, du warst die Hand Gottes, du hast es gefügt, dass die Weltmeisterschaft zuerst nach Deutschland und dann nach Südafrika kam.» Der nach der Wahl von Blatter heftig kritisierte Dempsey ist inzwischen mit der Fifa-Ehrenmitgliedschaft ausgezeichnet worden.
Nicht zuletzt wegen der ungesicherten Finanzierung hatte Kapstadts neue Bürgermeisterin Helen Zille das Projekt in der Nähe der berühmten Waterfront erst einmal gestoppt. Schätzungen sagen Kosten von bis zu 200 Millionen Euro voraus. «Bauen wir ein Stadion, oder versorgen wir die Ärmsten mit sauberem Wasser und Abwasser», sagte die energische Frau im März gleich nach Amtsantritt und verwies zugleich auf das Problem der Nachnutzung. Mittlerweile ist ein finanzieller Kompromiss gefunden worden. Über den Standort soll allerdings erst in zwei Wochen endgültig entschieden werden. Der südafrikanische Fußball, der Nationalsport der schwarzen Mehrheit, ist so strukturschwach, dass eine ausreichende Nachnutzung der Arenen unmöglich erscheint.
Für sie wird die Höhe der Eintrittskarten nur eine geringere Rolle spielen. Nicht aber für den Großteil der Bevölkerung. Bei einer Arbeitslosigkeit zwischen 26 und knapp 40 Prozent und einem monatlichen Durchschnittseinkommen von 500 Euro sind Eintrittspreise zwischen 16 und 170 Euro (Gruppenspiele) sowie 70 und 853 Dollar (Finale) unerschwinglich. Diese Preisstruktur hat jedenfalls das südafrikanische Organisationskomitee (OK) vorgeschlagen. Bei Spielen der höchsten Liga werden Preise zwischen 1,10 und 8 Euro verlangt. Anders als bei der WM 2006 wird die Fifa die Verteilung der knapp drei Millionen Karten über eine Agentur vornehmen.
Blatter weiß, dass diese WM der Fifa noch teuer zu stehen kommen wird. Jene 370 Millionen Euro, die sein Verband dem deutschen OK als Zuschuss gewährte, wird als Unterstützung bestimmt nicht ausreichen: In Südafrikas Medien ist bereits von mehr als einer Milliarde Dollar (783 Millionen Euro) die Rede. Die Geldmaschine Fifa wird mit der Südafrika-WM durch TV-und Sponsorenrechte nahezu drei Milliarden Euro generieren und damit mehr als eine Milliarde als bei der Deutschland- WM. Notfalls werde man «vieles allein machen müssen», sagt Blatter, was ganz auf der Linie liegt, die der OK-Chef Franz Beckenbauer mit seiner Aussage vorgegeben hat: «Wir werden die Letzten sein, die bei einer WM noch etwas zu sagen hatten.» (dpa)
