Italiener verbreiten pure Zuversicht
04.07.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Wie von Lasten befreit präsentieren sich die mit schwerem Gepäck nach Deutschland angereisten Italiener seit dem 3:0 im Viertelfinale über die Ukraine. Ungeachtet der durch den Fußball-Skandal verursachten Turbulenzen funktioniert das von Lippi zusammengestellte Kollektiv mit jedem Turnier-Spiel besser. Diese positive Entwicklung der «Squadra Azzurra» hat viele Fachleute verblüfft, Bundestrainer Jürgen Klinsmann jedoch nur wenig verwundert: «Ich habe diese Reaktion erwartet. Wenn alle an dir zweifeln und dich kritisieren, dann willst du der Welt zeigen, was du wirklich wert bist.»
Die Sperre für den Deutschen Torsten Frings hält Lippi für keinen großen Vorteil. «Natürlich ist Frings ein wichtiger Spieler. Aber der Siegeswille der Deutschen wird das mehr als kompensieren, sie sind sehr stark.» Gerüchte, wonach die Italiener die Ermittlungen gegen Frings gefordert hätten, widersprach der Coach vehement: «Von unserem Verband hat niemand auch nur einen Finger gerührt.» Groß ist sein Respekt vor der Atmosphäre im Dortmunder WM-Stadion: «Sie haben ein ganzes Land mitgerissen. 60.000 Fans werden hinter ihnen stehen. Aber ich habe mit Juve hier schon zwei Mal gewonnen und hoffe auf einen dritten Sieg.»
Der Respekt des Bundestrainers vor den Italienern ist begründet. Selbst den Ausfall von Weltklasse-Verteidiger Alessandro Nesta überstand die wohl beste Defensive des Turniers um den nur 1,76 Meter großen Abwehr-Giganten Fabio Cannavaro bisher schadlos. Der gegen die Ukraine noch gesperrte Marco Materazzi dürfte dem Deckungsverband zusätzliche Stabilität verleihen.
Zudem hat auch Angreifer Luca Toni seine Formkrise überwunden und sich mit einem Tore-Doppelpack im Viertelfinale für weitere Einsätze empfohlen. Schon werden Vergleiche mit dem WM-Torschützenkönig Paolo Rossi laut, der 1982 auch erst im fünften Turnier-Spiel seinen ersten von dann insgesamt sechs Treffern erzielt hatte. «Luca Toni kann mein Nachfolger werden, das traue ich ihm zu», sagte Rossi.
Die medizinischen Fortschritte bei «Sorgenkind» Gianluca Pessotto, der erstmals nach seinem Fenstersturz für kurze Zeit aus dem Koma erwachte, setzen zusätzliche Kräfte frei. Ein sportliches Schicksal wie bei den vorherigen Endrunden, als die WM-Gastgeber Südkorea (Achtelfinale) und Frankreich (Viertelfinale) mit Glück die Oberhand behielten, soll den Italienern diesmal erspart bleiben. Mit Verweis auf die positive WM-Bilanz gegen Deutschland (2 Siege, 2 Remis) äußerte sich Totti ähnlich optimistisch wie Trainer-Legende Bearzot: «Wir haben eine formidable Mannschaft und wollen den Cup - für uns, unser Land und die vielen Landsleute hier in Deutschland.» (nz)

