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Was stand auf Lehmanns Spickzettel?

01. Jul 2006 12:51, ergänzt 14:59

Jens Lehmann umringt von seinen Team-Kollegen
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Foto: AP
Elfmeter-Held Jens Lehmann hat gegen Argentinien den Halbfinal-Einzug gesichert. Dank ausgezeichneter Reflexe - und durch einen kleinen weißen Zettel.
Das Elfmeter-Drama von Berlin brachte nicht nur den Torwart-Helden Jens Lehmann und seinen großen Konkurrenten Oliver Kahn so eng wie nie zuvor zusammen, es war auch ein Triumph deutscher Gründlichkeit. Ein kleiner Spickzettel mit den Vorlieben der gegnerischen Schützen half Lehmann beim Viertelfinalsieg gegen Argentinien entscheidend weiter. «Es ist alles aufgegangen», sagte Torwart-Trainer Andreas Köpke der Nachrichtenagentur dpa.

«Überlassen nichts dem Zufall»

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  • Köpke hatte Lehmann vor dessen bislang größten WM-Auftritt einen kleinen weißen Zettel zugesteckt, den dieser in seinem rechten Stutzen versteckte. «Das war eine praktische Hilfe», sagte Köpke. «Wir hatten uns über die argentinischen Schützen schlau gemacht. Auf dem Zettel stand natürlich auch ein Riquelme, der schon ausgewechselt worden war, aber eben auch Ayala und Cambiasso.»

    Ausgerechnet die Schüsse dieser beiden parierte Lehmann, vor den Paraden hatte er jeweils vor den Augen der argentinischen Pechvögel kurz auf Köpkes Zettel gelugt. «Man muss sich natürlich als Torwart auch auf sein Gefühl verlassen», bemerkte Köpke, aber es war ein Elfmeter-Glück mit Ansage: «Wir überlassen nichts dem Zufall.»

    Lehmann flieht

    Lehmann selbst verlor über seine zwei Großtaten kaum Worte. «Ich denke, das wird von mir erwartet. Als deutscher Torwart sollte man ein Elfmeterschießen gewinnen», meinte der 36-Jährige, der sich rasch der überschäumenden Freude seiner auf ihn einstürzenden Teamkollegen entzog und in die Katakomben flüchtete. «Die Menschen sollen feiern. Ich gehe jetzt nach Hause und bereite mich vor», sagte er auf dem Weg zum Mannschaftsbus immer und immer wieder zu den perplexen Reportern.

    Wie schön wäre es gewesen, aus Lehmanns Mund zu erfahren, wie er sich fühlte - im Tor und bei den bemerkenswerten zwischenmenschlichen Momenten mit Kahn. Der «Torhüter der Herzen» war vor dem Elfer-Krimi zu Lehmann hingegangen, tätschelte dessen Kopf, schlug in dessen Hand ein, redete ein paar Worte mit ihm. «Ich habe mitbekommen, was Olli gesagt hat, aber das verrate ich nicht», berichtete Ohrenzeuge Köpke, der wenigstens so viel verriet: Kahn gab keine Tipps, «es war mehr ein Anfeuern». Und die Geste habe ihn tief beeindruckt: «Das war absolut ehrlich, absolute Größe. Das war für mich mit die Szene des Turniers.» Bei Lehmanns Flucht in die Kabine kam es sogar nochmals zu einer kurzen Umarmung zwischen den langjährigen Rivalen.

    Gewinner Kahn

    «Gewinner ist nicht nur Jens Lehmann, Gewinner ist auch Oliver Kahn», sagte Bundestrainer Jürgen Klinsmann. Der einstige Top-Stürmer gab zu: «Ich hätte Jens als Schütze nicht gerne gegenüber gestanden.»

    Denn Lehmann galt schon vorher als Elfmeter-Töter. Im Champions- League-Halbfinale hatte der Arsenal-Keeper gegen Villarreal in letzter Minute den Schuss des Argentiniers Riquelme gehalten. Und im Uefa-Pokal-Endspiel 1997, als er noch das Tor von Schalke hütete, parierte er gegen Inter Mailand erst gegen Ivan Zamorano und gewann dann das Nervenduell mit Aaron Winter. «Pass auf, ich bleibe jetzt einfach stehen», sagte er damals zu Winter, als dieser den Ball auf den Punkt legte. Der irritierte Holländer schoss drüber - und Lehmann hielt als Held des Abends den Uefa-Pokal in Händen. «Er ist groß und nervenstark», sagte Kapitän Michael Ballack über ihn.

    «Kein Zufall, dass wir gewinnen»

    Am Freitagabend konnte Lehmann sich zudem auf treffliche Schützen verlassen. Neuville, Ballack, Podolski und Borowski - einer nach dem anderen verwandelte eiskalt. «Die Vier haben super geschossen», sagte Lehmann, der mit seinen Paraden besonders Torsten Frings die Nervenprobe ersparte. «Ich bin froh gewesen, dass Jens zwei Mal gehalten hatte und ich nicht mehr dran musste», sagte der Bremer, der von Klinsmann zum fünften Schützen bestimmt worden war.

    Elfmeterschießen ist eben eine deutsche Sportart, denn auch das vierte bei einer WM wurde gewonnen. Von bislang 18 Schüssen ging nur einer, der von Ulli Stielike 1982 im Halbfinale gegen Frankreich, nicht rein. «Es ist ja kein Zufall, dass wir immer gewinnen», sagte Team-Manager Oliver Bierhoff. Und wenn es gegen Italien im Halbfinale wieder zum Elfer-Drama kommen sollte, wäre auch Köpke wieder zur Stelle: «Dann würde Jens wieder einen Zettel kriegen.» (nz)



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