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Italiener wollen Pessotto-Schock ausblenden

30. Jun 2006 07:37

Francesco Totti
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Foto: dpa
Die Italiener geben sich vor dem Viertelfinale trotz des Fußball-Skandals siegesgewiss. Die Spieler aus der Ukraine könnten bei einem Sieg gegen den Favoriten nun ganz groß abkassieren.
Trotz Fußball-Skandal, Verletzungen, Rot-Sperren und dem Selbstmordversuch von Gianluca Pessotto will sich Italien im Viertelfinale gegen die Ukraine nicht von seinem Weg zum vierten Weltmeistertitel abbringen lassen. «Wenn wir gewinnen, ist alles möglich», hofft Trainer Marcello Lippi auf eine Trotzreaktion seiner gebeutelten «Azzurri».

Geheimfavorit Ukraine kommt indes mit breiter Brust nach Hamburg und versucht, den Favoriten mit kleinen Sticheleien weiter zu verunsichern. Vor allem Superstar Andrej Schewtschenko brennt im Duell mit seinen ehemaligen Team-Kollegen vom AC Mailand auf eine erneute Überraschung.

Chaotische Vorbereitung

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  • Die «Azzurri» stehen nach der Tragödie um Pessotto noch unter Schock. «In Hamburg spielen wir für ihn», sagte Juventus-Torwart Gianluigi Buffon, während der frühere Nationalspieler nach seinem Sprung vom Dach des Juve-Clubsitzes immer noch mit dem Tod ringt. «Wir sind in Gedanken bei Pessotto, da fällt es schwer, über Fußball zu sprechen», gab Buffon zu. Pessottos Schicksal lässt auch die übrigen Teams nicht kalt. «Wir beten für ihn», sagte Bundestrainer Jürgen Klinsmann.

    Von einer normalen Vorbereitung bei den «Azzurri» kann keine Rede sein. Und dabei ist der WM-Debütant ein harter Brocken für die bislang in der Defensive überragenden, im Angriff aber wenig überzeugenden Italiener. «Einen wie Schewtschenko darf man keine Sekunde aus den Augen lassen», warnte Elfmeterheld Francesco Totti.

    «Aber die Ukraine besteht nicht nur aus Schewtschenko», mahnte Lippi, der aus seiner Aufstellung wieder ein Geheimnis machte. Der Einsatz des Römers gilt aber als sicher. «Das ist das Problem von Trapattoni», meinte Ukraine-Coach Oleg Blochin bei der Pressekonferenz in Potsdam auf die Frage, ob er denn Totti aufstellen würde. Erst als er darauf hingewiesen wurde, dass Lippi das Team des Gegners betreut, wurde ihm sein Fehler klar: «Trappattoni und Lippi sind doch beides gute Trainer...»

    Lippi glaubt an Totti

    «Totti wird nach seinem Tor gegen Australien wie entfesselt sein», glaubt Ex-Nationalcoach Arrigo Sacchi. Vor dem Kapitän des AS Rom soll als einzige echte Spitze der bislang glücklose Luca Toni stürmen. «Dass unser Fußball altmodisch ist, halte ich für übertrieben», ließ sich Lippi von der internationalen Kritik am defensiven Auftreten der Italiener nicht beeinflussen. Wegen Rot-Sperren fehlen Daniele De Rossi und Marco Materazzi, schwerer wiegt aber der Ausfall von Star-Verteidiger Alessandro Nesta (Adduktorenzerrung), für den Andrea Barzagli an die Seite des überragenden Abwehrchefs Fabio Cannavaro rückt.

    Bei den Ukrainern ist Andrej Woronin nach seinem Muskelanriss im Oberschenkel nicht dabei. «Wir müssen die Italiener provozieren. Der Totti, der hat doch bei fast jedem Turnier eine Rote Karte gesehen. Wenn Du ihm das sagst, spuckt er gleich zurück», gab der Leverkusener das fragwürdige Konzept seines Teams preis, das durch einen erneuten Prämien-Regen erneut zu einer Überraschung angetrieben werden soll.

    Laut «Sport-Express» könnte die von Oligarchen ursprünglich ausgelobte Prämie von 4,5 Millionen für den Einzug in die Runde der letzten Vier auf acht Millionen Dollar (6,3 Millionen Euro) aufgestockt werden. Dabei haben die Ukrainer mit acht Millionen Dollar derzeit schon so viel verdient wie kein anderes Team. Die Stammspieler konnten damit bereits knapp 400.000 Euro einstreichen.

    Druck liegt bei Italien

    «Natürlich sind die Italiener der Favorit. Aber sie haben derzeit so viele andere Probleme und einen Riesen-Druck. Das ist unsere Chance», sagt Oleg Blochin. Sein Gegenüber Lippi hält die Ukraine zwar für «ein fantastisches Team», seine seit 22 Spielen ungeschlagene Mannschaft aber für stärker.

    Schewtschenko hat seine Gefährten auf einen Sieg eingeschworen. «Ich habe meine Kameraden gebeten, gegen Italien sehr gut zu spielen und mir damit ein spezielles Geschenk zu bereiten», meinte der neue Chelsea-Stürmer. «Für mich ist das ein ganz besonderes Match, weil ich so lange in Italien gespielt habe», meint er und betont immer wieder, dass die Ukrainer keine Angst vor dem Rivalen haben.

    Während Blochin das Viertelfinale schon als «Zugabe» bezeichnete, wäre für die Italiener das WM-Aus gegen den Außenseiter eine Blamage. «Auf dem Papier ist die Ukraine der leichteste Gegner», gibt Totti zu. (nz)



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