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Englands Elf in der Kritik

27. Jun 2006 11:17

Sven-Göran Eriksson
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Foto: dpa
Großen Fußball hat das englische Nationalteam bei der WM bisher nicht gezeigt und muss dafür herbe Kritik aus der Heimat einstecken. Im Viertelfinale wartet nun ein Gegner mit dem noch eine Rechnung offen ist.
England wurschtelt sich durch die WM, aber jetzt schlägt für die Rumpelfußballer die Stunde der Wahrheit. «Mit Schönfärberei kommen sie nicht mehr weiter. Jetzt müssen wir endlich unser wahres Gesicht zeigen», forderte Terry Butcher. Der ehemalige Kapitän der «Three Lions» ist bei der WM für den britischen Fernsehsender BBC am Ball und einer der wenigen, die kein Blatt vor den Mund nehmen. «Keine Ordnung, kein System, kein Biss. Was England bisher gezeigt hat, ist eine Katastrophe», sagt Butcher. England trifft im Viertelfinale am Samstag in Gelsenkirchen auf Portugal.

Trainer in der Kritik

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  • Hart aber fair, wie damals als kompromissloser Abwehrspieler, bemüht sich Butcher um eine kritische Analyse des aktuellen englischen Fußballs und kommt nach vier Spielen immer wieder zu der selben Erkenntnis. «Das ist nicht mehr unser Fußball», sagte er und weiß auch, warum. Trainer Sven-Göran Eriksson habe es nicht geschafft, aus «wunderbaren Individualisten» eine Mannschaft zu formen. Und er habe nicht den Mut, mit unpopulären Maßnahmen Ordnung in das taktische Chaos zu bringen.

    «Wenn es nach Leistung geht, dürfte David Beckham nicht mehr spielen. Um Wayne Rooney mit einem zweiten Stürmer zu unterstützen, muss ein Mittelfeldspieler geopfert werden - und das ist Beckham», sagt der 77-fache Nationalspieler trotz Beckhams Freistoßtor beim 1:0 gegen Ecuador. In Englands Presse wächst die Kritik an dem Schweden, auch WM-Pechvogel Michael Owen macht sich Sorgen. «Wenn wir so weiter spielen, werden wir nicht Weltmeister», sagte der Stürmerstar von Newcastle United im TV-Sender ITV. Owen hatte sich im Gruppenfinale gegen Schweden einen Kreuzbandriss zugezogen und wird in Kürze beim Kniespezialisten Richard Steadman in den USA operiert.

    Eriksson bittet um Geduld

    Trainer Eriksson reagierte auf die Kritik und bat die Nation am Dienstag via Zeitungen um Geduld. «Vertraut mir, ihr habt keine andere Wahl», sagte der Schwede, «bei einem solchen Turnier muss man leiden. Ich kann mich nicht an eine Mannschaft erinnern, die einen perfekten WM-Start hatte und sieben Spiele mit Stil gewonnen hat.» Erikssons Optimismus findet aber immer weniger Zustimmung. «Wenn es einen Preis für Selbstbewusstsein gäbe, wäre Eriksson eine Medaille sicher», spottete die Londoner «Times». Auch im eigenen Lager wird Skepsis laut. Beckham sprach nach dem Achtelfinale von einer «hässlichen Vorstellung», und Joe Cole ließ wissen, «dass keiner von dem bisher Gezeigten begeistert ist».

    Jetzt kreuzen am Samstag «auf Schalke» mit Portugal und Trainer Luiz Felipe Scolari die Erzrivalen auf, an die England und Eriksson schmerzhafte Erinnerungen haben. Bei der WM 2002 in Japan und Südkorea scheiterten die «Löwen» im Viertelfinale am späteren Weltmeister Brasilien mit Scolari. Bei der EM 2004 in Portugal war ebenfalls in der Runde der besten Acht Schluss, als Beckham im Elfmeterschießen versagte und der Gastgeber mit «General Felipe» auf der Trainerbank im Elfmeterschießen ins Halbfinale einzog. Dass Scolari beinahe Erikssons Nachfolger geworden wäre, verleiht dem Duell eine besonders pikante Note. (nz)



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