Kuranyi fliegt aus dem WM-Kader
15.05.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Wie genau Odonkor am anderen Ende der Leitung reagierte, ist nicht überliefert. Auf der Homepage der Borussia ließ der Sohn eines Ghanaers und einer Deutschen jedenfalls ganz schlicht mitteilen: «Das ist für mich eine große Ehre und ein riesiger Ansporn».
Dass Odonkor die U21-Europameisterschaft in Portugal gegen die WM im eigenen Land eintauschen darf, hat er vor allem seiner Schnelligkeit zu verdanken. Die 100 Meter soll er in 10,9 Sekunden laufen. Nach Sebastian Deislers Ausfall (Knorpelabsprengung im Knie) habe man Odonkor verstärkt beobachtet, erzählte Klinsmann am Montag. Da man dem «jungen Kerl» nicht zu viel habe zumuten wollen, erfolgte seine Nominierung überraschend in letzter Minute.
Eilts habe er in den zwei Jahren seiner Amtszeit «fast das halbe Team weggenommen», gab Klinsmann schmunzelnd zu. Lukas Podolski vom 1. FC Köln, Gladbachs Marcell Jansen und Robert Huth (Chelsea FC) gehören ebenfalls zu denen, die es aus der Junioren-Klasse in den A-Kader schafften.
Vorbei ist der Traum von der Weltmeisterschaft hingegen für Stürmer Kevin Kuranyi und Mittelfeldspieler Fabian Ernst (beide von Schalke 04). Auch der Bremer Patrick Owomoyela wird sich die WM am Fernseher anschauen müssen. «Ich hatte Bammel vor diesen Telefonaten», sagte Klinsmann. Die Spieler seien sehr enttäuscht gewesen, hätten die Entscheidung aber toleriert.
Anstelle von Kevin Kuranyi, der im ersten Jahr von Klinsmanns Amtszeit zehn Tore erzielte, nach seinem Wechsel vom VfB Stuttgart zu Schalke 04 aber kaum noch überzeugen konnte, rückt Mike Hanke ins Aufgebot. Der Stürmer des VfL Wolfsburg ist aufgrund einer Rot-Sperre aus dem Confed-Cup zwar für die ersten beiden WM-Spiele gesperrt, wurde aber für seinen Durchhaltewillen belohnt. «Er hat gezeigt, dass er beißt, und da hingeht, wo es weh tut», so Klinsmann. Routinier Oliver Neuville (Mönchengladbach), der Schalker Gerald Asamoah, Bundesliga-Torschützenkönig Miroslav Klose von Werder Bremen und Podolski komplettieren das Aufgebot an Torjägern.
Bis auf Jens Lehmann, der am Mittwoch mit Arsenal noch das Champions-League-Finale spielt, packen 22 Glückliche nun die Koffer. Am morgigen Dienstag steht ein Charity-Spiel gegen den FSV Luckenwalde auf dem Programm, danach geht es für eine Woche zum Regenerieren nach Sardinien, dann ins Trainingslager an den Genfer See. Darüber, dass Odonkor in neuer Umgebung Probleme haben könnte, macht sich Klinsmann keine Sorgen. «Im Kreis der vielen jungen Spieler wird er sich sicherlich schnell wohlfühlen.»

