Blatter trifft Vorkehrungen gegen Wettbetrug
30.03.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Eine außergewöhnliche Geste beendete einen besonderen Besuch. «Sie sind wirklich ein feiner Kerl», gab Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust seinem Gast Joseph Blatter mit auf den Weg und ließ - unter Aufgabe jeder hanseatischer Zurückhaltung - eine herzliche Umarmung für den Fifa-Präsidenten folgen. Der zeigte sich am Ende der «Hamburg Soiree» am Mittwochabend ebenso überrascht wie gerührt. «Das habe ich noch nicht erlebt», sagte der Schweizer, der einer Einladung von Beusts in die Hansestadt gefolgt war.
Natürlich waren bei der eher protokollarischen Visite keine allzu deutlichen Worte des Fifa-Chefs zu erwarten. In der Gesprächsrunde mit von Beust bezog Blatter allerdings noch einmal klar Stellung in Bezug auf die Vermarktungsregeln für die WM. «Der DFB und die Fifa haben einen Vertrag unterschrieben, und da ist genau festgeschrieben, was im Bereich Marketing gemacht werden kann und was nicht.» Auf den Einwand von Beusts, es gebe doch einige «bürokratische Auswüchse» im engen Vorschriftenkorsett der Fifa, antwortete Blatter eher vage: «Wenn es Probleme gibt, kann man miteinander reden.»
Blatter bekräftigte außerdem, dass der Weltverband entschlossen gegen Rassismus in den Stadien vorgehen will. «Wenn ein Verband nicht spurt, greift die Fifa ein», sagte er. «Und wer dann immer noch nicht spurt, kann suspendiert werden», drohte Blatter, ohne allerdings konkret die möglichen Folgen bei der WM zu erläutern.
Von Beust, der im Laufe des Tages noch sein persönliches Nervenspiel um die Wahl des neuen Justizsenator Carsten Lüdemann durchstehen musste, nutzte die Gelegenheit, um sich Rückenwind für eine neue Olympia-Bewerbung Hamburgs zu holen. Nachdem er einen Besuch beim Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, für den 1. Juni angekündigt hatte, ließ er sich von seinem Gast gleich die Olympia-Tauglichkeit attestieren. Das IOC-Mitglied Blatter tat ihm den Gefallen gerne. «Ich kann mir Hamburg gut als Olympia-Stadt vorstellen», sagte er - ganz zur Freude seines Gastgebers. (dpa)

