Der letzte Trip des Fußball-Botschafters
22. Mrz 2006 11:02
 |  Franz Beckenbauer in Iran | | Foto: dpa |
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Für WM-OK-Chef Franz Beckenbauer endet dieser Tage eine Ochsentour rund um den Globus. Die stärksten Eindrücke hat der Weltreisende in Sachen WM auf einem kriegsgepeinigten Kontinent gesammelt.
Von Günter DeisterAls Wolfgang Niersbach an einem Samstagnachmittag des vergangenen Jahres die Idee der persönlichen Einladung der 31 WM- Länder kam, hat er sich die Folgen nicht träumen lassen. Nun sagt der Vizepräsident des WM-Organisationskomitees: «Alles hat wunderbar hingehauen.» Das findet auch das Außenministerium in Berlin. Bevor sich Niersbach mit Franz Beckenbauer am Samstag zum letzten WM-Trip auf den beschwerlichen Flug über 16.500 Kilometer nach Australien macht, rühmt das Außenministerium den OK-Vorsitzenden als «Fußball- Botschafter par excellence». Er überbringe bei seinen Besuchen in den Teilnahme-Ländern das WM-Motto «Zu Gast bei Freunden» mit «großer Glaubwürdigkeit und Charisma».
Sportpolitische Erfolgsstory
Tatsächlich ist die von den Deutschen Botschaften unterstützte Tour zu den 31 WM-Ländern eine große sportpolitische Erfolgsstory geworden. Und das für maximal 2,5 Millionen Euro. So viel oder so wenig wird der globale Trip mit einer Kombination aus Privat- und Linienflügen das OK am Ende kosten. Begonnen hatte das Unternehmen am 2. Oktober in Teheran. Enden wird es am 27. März in Sydney. Dazwischen lag unter anderem eine Acht-Tages-Strapaze durch elf Länder Süd-, Mittel- und Nordamerikas. «Dazu vier Zeitzonen und Temperaturunterschiede zwischen 40 Grad plus und zehn Grad minus, das war schon ein ganz schöner Schlauch», sagt Niersbach.Doch es hat sich gelohnt. Wo immer das vom «Fußball-Außenminister» Beckenbauer angeführte Fünfer-Team aufkreuzte, war ihm größte Aufmerksamkeit gewiss. Zwölf Staatspräsidenten und fünf Regierungschefs gaben sich die Ehre, darunter Großbritanniens Tony Blair und Tschechiens Premier Jiri Paroubek. Letzterer tauchte als Überraschungsgast bei der in Prag wie auch in anderen Ländern vom Fernsehen live übertragenen Einladungszeremonie auf. Dazu gab es als einen weiteren Höhepunkt die Begegnung mit dem deutschen Papst in Rom.
Schöne Pflicht, gelungene Kür
 |  Franz Beckenbauer übergibt dem Papst einen WM-Wimpel. | | Foto: dpa |
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Die wohl stärksten Eindrücke hat Beckenbauer aber aus Afrika mitgebracht, «wo es fast überall kracht» und Familien, Stämme und Gruppen verfeindet seien. «Und dann kommt der Fußball, und alle sitzen auf einmal an einem Tisch.» Am prägendsten sei dies in Angola gewesen. Dort hätte der deutsche Fußball-Besuch die rivalisierenden Häuptlinge erstmals nach 30 Jahren Bürgerkrieg vereint. «Da habe ich zum ersten Mal gemerkt, was der Fußball für eine Kraft hat» sagt Beckenbauer, und fügt hinzu: «Man müsste sie noch besser nutzen.» Der ehrenamtliche OK-Präsident sieht in den Reisen um den Fußball-Globus eine «tolle Werbung, eine tolle PR. Besser kann es nicht sein». Eine Strapaze sei das «überhaupt nicht», sondern eine «schöne Pflicht», sagt Beckenbauer. Er erfüllt sie mit der Leichtigkeit einer wohl gelungenen Kür. Und das bei völliger Enthaltsamkeit seines 60-jährigen Körpers von jeglicher sportlicher Betätigung. Ob dieser Körper nicht manchmal nach Bewegung geradezu schreie? Beckenbauer behauptet: «Das hat er sich längst abgewöhnt - weil er die Antwort kennt.» (dpa)