netzeitung.de«Selbstverständlich» Gratis-Karten für Politiker

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Der normale Weg: Ticket-Bestellung im Internet (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Der normale Weg: Ticket-Bestellung im Internet
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Rund 10.000 kostenlose Ehrenkarten stehen Politikern und deren Gästen für die Spiele der Fußball-WM zur Verfügung. Ein Regierungssprecher sagte, es sei eine Selbstverständlichkeit, dass Deutschland seine Gäste entsprechend empfange.

Repräsentanten des deutschen Staates erhalten aus protokollarischen Gründen freien Eintritt zu allen Spielen der Fußball-Weltmeisterschaft. Das Bundesinnenministerium bestätigte am Montag in Berlin einen Bericht der «Bild»-Zeitung. Vize- Regierungssprecher Thomas Steg sagte, es sei eine «blanke Selbstverständlichkeit», dass Deutschland als Gastgeber seine Gäste entsprechend empfange.

Steg verwies darauf, auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwarte, dass bei jedem Spiel der Weltmeisterschaft der deutsche Staat angemessen vertreten sei. Während der Fußball-WM kämen hohe Repräsentanten von 31 Nationen nach Deutschland. Es sei selbstverständlich, dass Deutschland diese Gäste angemessen begrüße, angemessen betreue und bei den Spielen auch angemessen vertreten sei. Auch Unions-Fraktionschef Volker Kauder nannte es sinnvoll, wenn Vertreter des Staates bei den Spielen vertreten seien.

79 Repräsentanten
Der Sprecher des Innenministeriums sagte, sein Haus habe eine Liste mit 79 Repräsentanten von Bund, Ländern und Kommunen erstellt und diese Empfehlung an das Weltmeisterschaft-Organisationskomitee gegeben. Wegen der föderalen Struktur Deutschlands hätten dabei auch die Vertreter der Länder berücksichtigt werden müssen.

Wenn jeder der 79 Vertreter der Politik und der höchsten Verfassungsorgane zwei Karten pro Spiel erhält, gibt es bei insgesamt 64 Spielen gut 10.000 dieser Freikarten.

Recht auf Karten
Anspruchsberechtigt sind neben Bundespräsident Horst Köhler, Bundestagspräsident Norbert Lammert, Kanzlerin Angela Merkel und Bundesratspräsident Peter-Harry Carstensen auch der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, sowie alle Bundesminister.

Daneben können die Chefs des Bundespräsidialamts und des Bundespresseamts sowie alle 16 Ministerpräsidenten dem Konzept zufolge VIP-Karten bestellen. Dazu kommen alle Fraktions- und Parteivorsitzenden der Bundestagsparteien, die Vizepräsidenten des Bundestags und des Bundesverfassungsgerichts sowie die Präsidenten aller 16 Landtage und die Stadtoberhäupter der zwölf Austragungsorte.

Schäuble: Privileg maßvoll nutzen
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) appellierte, das Privileg der kostenlosen Ehrenkarten maßvoll zu nutzen. «Wir erwarten viele - auch hochrangige - ausländische Gäste, und da ist es selbstverständlich, dass sie von unseren politischen Repräsentanten aus Bund, Ländern und Kommunen begleitet werden. Ich vertraue darauf, dass dieses nicht im Übermaß geschieht», sagte Schäuble der «Bild»- Zeitung (Dienstag).

WM-OK: Platzreservierung ist normal
Der Sprecher des WM-OK in Frankfurt, Jens Grittner, sagte, eine Platzreservierung für Staats- und Ehrengäste bei Länderspielen sei normal. Die Liste mit den Empfehlungen des Innenministeriums werde derzeit mit der Protokollarabteilung des OK abgestimmt. Er sehe «hier keinen Grund zur Aufregung». Im übrigen seien bei jedem Spiel 600 der besten Plätze für Medienvertreter reserviert, sagte Grittner. Die jedoch arbeiten dort.

Wulff nur bei Spielen in Hannover
Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sagte: «Ich habe das Angebot bekommen, als Ministerpräsident an Spielen teilnehmen zu können, werde das aber ausschließlich bei den Spielen in Hannover tun, wohin wir gerade Vertreter der Länder einladen, die bei uns spielen werden.» Dies seien fünf Spiele in Hannover, und es sei natürlich sinnvoll, «dass man dann die Kollegen aus Polen, aus Angola, aus Costa Rica und anderen Staaten einlädt auf die fünf Freikarten, die die Landesregierung hat».
Karten spenden
Die Fraktionsvorsitzenden von SPD und Grünen, Peter Struck und Fritz Kuhn, schlugen vor, nicht genutzte Politiker-Karten an Kinder zu spenden. Im Nachrichtensender N24 erklärten sich beide bereit, ihre Freikarten für die «Was erlauben Strunz»-WM-Aktion «Kinder live dabei» zur Verfügung zu stellen, sofern sie diese nicht benötigen. (nz)