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Lupe Maßgeschneidertes für Klinsmanns Models

Mode ist in der deutschen Fußball- Nationalmannschaft ein großes Thema. Das Label Strenesse kleidet die Spieler zur WM ein und schickte sie auch gleich zum Foto-Shooting.

Von Dorothea Jantschke, Frankfurt am Main

Den Beweis ihrer fußballerischen Klasse ist die deutsche Nationalmannschaft noch schuldig - die modische bekommt sie einfach verpasst. Vor der Weltmeisterschaft hat sich Gabriele Strehle vom Modelabel «Strenesse» der Spieler um Bundestrainer Jürgen Klinsmann angenommen. Mit eleganten Anzügen aus edlen Materialien verschafft die Designerin den Spielern, die zum großen Teil in der Bundesliga ihr Geld verdienen, einen Hauch von Weltgewandtheit.

Mannequin Mertesacker
Manager Oliver Bierhoff schickte zwei Tage vor dem Länderspiel gegen Italien in Per Mertesacker ausgerechnet einen der unglamourösesten Spieler in den neuen Ausgeh-Klamotten auf den Laufsteg. Der Hannoveraner musste deshalb herhalten, weil sich an ihm laut Bierhoff der größte «Vorher-Nachher-Effekt» ausmachen lässt.

«Es war schon eine Überwindung, sich so stylen zu lassen, wie man sich sonst gar nicht kennt», gab Mertesacker nach dem Fotoshooting zu. Der zurückhaltende Innenverteidiger musste sich zu allem Überfluss auch noch von seiner Familie sagen lassen, dass sie ihn auf den Fotos kaum wiedererkannt hätte. Solch edlen Zwirn ist man im niedersächsischen Pattensen nicht gewöhnt.


Bierhoff als Vorbild
Bierhoff sieht das anders: «Fußball und Mode kamen schon immer gut miteinander aus», sagt er, «nur ist das in den achtziger und neunziger Jahren etwas in Vergessenheit geraten.» Die Kleidung bringe den «Stellenwert und die Wertigkeit der Mannschaft» zum Ausdruck.

In Sachen Stil hat Bierhoff seine Lektion in Italien gelernt. Als der frühere Nationalspieler einst bei Udinese Calcio spielte, habe man ihn «auf dem Kieker» gehabt. Bierhoff trug kurze Socken, geradezu eine Provokation für die Südeuropäer, die stets in Kniestrümpfe schlüpfen. Eines Tages hätten seine Socken von der Kabinendecke heruntergebaumelt, so Bierhoff. Die Stil-Polizei der Mannschaft hatte zugeschlagen.

Undenkbar in Deutschland, wo Schnauzbart und Vokuhila noch vor Kurzem die wichtigsten deutschen Beiträge des Fußballs in Sachen Modebewusstsein waren. Heute sei alles anders. Gerade für die jungen Spieler ist das Äußerliche ein wichtiges Ausdrucksmittel, findet Bierhoff - Mertesacker schaut unbeteiligt auf die Spitzen seiner Lederschuhe.

Dass die Nationalmannschaft und das Münchner Mode-Unternehmen Strenesse (Bierhoff: «So patriotisch eine deutsche Firma zu nehmen, sind wir») bestens zusammen passen, hat sich bereits gezeigt. Beim Foto-Shooting mit dem Topfotografen Jesse Frohman für ein DFB-Heft zur Weltmeisterschaft hätten die Spieler nicht nur viel Spaß gehabt, sondern auch begeistert in den Klamotten gewühlt. Die meisten baten danach darum, ihre Kleidungsstücke behalten zu dürfen, erzählt Strehles Ehemann Gerd.

Auf den Leib geschneidert
Auf der Brust der maßgeschneiderten Anzüge prangen drei Sterne für die Weltmeistertitel 1954, 1974 und 1990 in schwarz-rot-gold. «Es ist noch Platz für einen Vierten», sagt Gerd Strehle. Sollte der mangels spielerischer Klasse nicht hinzukommen, haben die Spieler wenigstens ein nettes Einzelstück im Schrank - mit eigenem Namen auf dem Etikett.