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Sportausschuss attackiert Stiftung Warentest

18. Jan 2006 18:30, ergänzt 19:04

Das Olympiastadion in Berlin
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Foto: dpa
Auch der Sportausschuss im Bundestag lässt an der Stiftung Warentest wegen der Stadien-Studie kein gutes Haar. Diese hält aber an ihrer Haltung fest.
Von Robert Semmler

Wegen ihrer umstrittenen Sicherheitsstudie zu den WM-Stadien ist die Stiftung Warentest auch im Bundestags- Sportausschuss massiv in die Defensive geraten. Eine schnelle Annäherung zwischen der Stiftung sowie WM-Organisationskomitee und Stadion-Betreibern war während der zeitweise hitzigen Anhörung am Mittwoch zunächst nicht in Sicht. OK-Vizepräsident Horst R. Schmidt erklärte anschließend vor laufenden Fernsehkameras aber doch die Bereitschaft zu schnellen Gesprächen mit der Stiftung, deren Vertreter Holger Brackemann anbot, mögliche Fehler einzugestehen.

Heftiger Schlagabtausch

Thema: Die Sicherheitsstudie
Zuvor hatte Schmidt wie auch DFB-Präsident Theo Zwanziger in Bonn die Ergebnisse erneut zurückgewiesen. Vertreter der Stadien aus Gelsenkirchen und Berlin warfen der Stiftung vor, mit nicht zutreffenden Fakten zu arbeiten. Tester Brackemann hatte unter Hinweis auf fehlende Fluchtmöglichkeiten und zu kurze Treppen erneut erläutert, warum die Studie vier der zwölf WM-Stadien erhebliche Mängel bescheinigt. Vier weiteren werden deutliche Mängel attestiert.

Berechtigte Mängel würden beseitigt, kündigte Schmidt an, «aber wir werden nichts tun, von dem wir nicht überzeugt sind». Um die Gutachter vor äußeren Einflüssen zu schützen, lehnte Warenforscher Brackemann Schmidts Forderung ab, die Gutachter konkret zu nennen. Er betonte erneut die Seriosität der Resultate: «Wir wären ja mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn wir auf Grund einer schnellen Schlagzeile eine leichtfertige Untersuchung hingelegt hätten.»

Über einen internationalen Imageschaden klagte deswegen Theo Zwanziger, der Geschäftsführende Präsident des Deutschen Fußball- Bundes (DFB). «Im Ausland sieht die Sache schlimm aus. Vor allem in England, den Niederlanden und in der Schweiz wurden die angeblichen Sicherheitsmängel in den WM-Stadien kritisch und nachteilig für Deutschland kommentiert. Aber das hat sicherlich auch mit der sportlichen Rivalität mit diesen Ländern zu tun», sagte Zwanziger. «Wir haben keine Probleme, mit Kritik umzugehen. Aber nur dann, wenn sie gerechtfertigt ist.»
Trotz der Aufforderung zur Mäßigung durch den Sportausschuss- Vorsitzenden Peter Danckert griff auch sein Stellvertreter Peter Rauen die Prüfer massiv an und schimpfte über «subjektive Darstellerei und Zeitverschwendung». Was die Stiftung gemacht habe, sei unverantwortlich, sagte Danckerts Vorgänger, der selbst Bauunternehmer ist und auch schon Präsident des früheren Zweitligisten Eintracht Trier war. Die jetzigen Stadien hätten mit den Katastrophen-Arenen von Brüssel und Sheffield nichts mehr zu tun. Auch darauf hatte sich die Stiftung bezogen. Als «Gipfel der Unverfrorenheit» bezeichnete es CDU-Politiker Rauen, mit Fotos aus nicht fertigen Stadien zu arbeiten. «Das sind Bezüge, die mit aktuellen Dingen nichts zu tun haben.»

OK-Vize Schmidt warf der Stiftung vor, sie habe einen Überraschungseffekt erzielen wollen. «Die Stiftung hat sich 20 Jahre Zeit gelassen mit ihrer Stadion-Untersuchung. Das erstaunt uns schon», sagte Schmidt. Es sei nicht über die Ergebnisse berichtet worden. Ihm zugegangene, handschriftlich ausgefüllte Fragebögen habe er kaum entziffern können. Die Stiftung habe sich nicht beraten lassen und Experten vor Ort nicht einbezogen. Zudem habe sie sich falsch ausgedrückt: «Wo Sie uns verletzt haben, ist vier Stadien die Rote Karte zu zeigen: Das heißt Ausschluss.»

Stiftung: Ergebnisse sind seriös

Peter Peters, der Geschäftsführer der Gelsenkirchener Veltins-Arena, sprach von einer nachweislich fehlerhaften Studie mit subjektiv negativen Einschätzungen. Jürgen Kießling, der WM- Beauftragte des Berliner Sportsenators, verwies auf Denkmalschutzaspekte beim Olympiastadion. Eine größere Treppenbreite hätte die Geometrie des Oberrings verändert: «Sie hätten in eine denkmalgeschützte Gesamtkonstruktion massiv eingreifen müssen.»

Der sportpolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, Winfried Herrmann, mahnte indes dazu, die Vorwürfe ernst zu nehmen. Herrmann erneuerte seinen Vorschlag, die kontroversen Punkte für jedes Stadion gemeinsam abzuarbeiten. Berechtigte Mängel würden beseitigt, kündigte OK-Vize Schmidt an, «aber wir werden nichts tun, von dem wir nicht überzeugt sind». Um die Gutachter vor äußeren Einflüssen zu schützen, lehnte Warenforscher Brackemann Schmidts Forderung ab, die Gutachter konkret zu nennen. Brackemann zeigte sich verwundert, dass die Kritik erst nach dem Vorliegen der Ergebnisse aufgekommen sei, da zuvor mit dem WM-OK zusammengearbeitet worden sei. Er betonte erneut die Seriosität der Resultate: «Wir wären ja mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn wir auf Grund einer schnellen Schlagzeile eine leichtfertige Untersuchung hingelegt hätten.» (dpa)



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