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Lupe Gala-Absage: Spekulationen gehen weiter

DFB-Chef Zwanziger vermutet, André Hellers Gala-Konzept sei nicht der große Wurf gewesen. Fußball-Fans und WM-Touristen sollen statt großer Kunst nun ein ordentliches Volksfest bekommen.

Die Meldung von der Absage der WM-Gala durch die Fifa war erst wenige Stunden alt, da quoll das Internetforum der Wiener Tageszeitung «Standard» bereits über. Die Österreicher stürzten sich am vergangenen Freitag in ihrer Häme aber nicht - wie eigentlich zu erwarten - auf die Deutschen, sondern auf ihren Landsmann André Heller.

Das Verhältnis zu Heller, berühmt geworden mit der Erfindung des Zirkus Roncalli, ist ambivalent. Für die einen ist er der einzige österreichische Künstler von Weltformat, die breite Mehrheit kann mit ihm aber wenig anfangen.

Einwände von Zwanziger
Eine Weltklasse-Gala hatte Heller dem Fußball-Verband Fifa für den 7. Juni versprochen. Es sollte kein bloßes Festival mit berühmten Bands und Interpreten werden, sondern eine Veranstaltung auf höchstem künstlerischen Niveau. «Bodyguards und schicke Autos für die Rolling Stones können wir uns nicht leisten», sagte der Österreicher im Dezember bei der Vorstellung seines Konzeptes.

DFB-Präsident Theo Zwanziger sprach nun in einem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung» aus, was derzeit viele denken. Die Fifa habe Hellers Pläne gekannt, «und seine Show hätte sicher noch etwas Exorbitantes gebraucht, um bei der breiten Masse anzukommen. Das Konzept war wohl nicht so, dass sich jeder gleich drauf stürzt». Soll heißen: Hellers Gala hätte mehr als die veranschlagten 25 Millionen Euro gekostet und dennoch nur wenige zahlende Fans in Begeisterung versetzt.

Rasen als erster Grund
Gestützt wird diese These davon, dass seit Anfang Dezember erst gut 7000 Tickets der insgesamt 75.000 für die Gala am 7. Juni im Berliner Olympiastadion verkauft worden waren. Die Eintrittskarten hätten die Fans zwischen 100 und 700 Euro kosten sollen. Die Fifa selbst hatte am Freitag eine erneute Rasen-Analyse als Grund für die Absage angeführt. Ein nach der Show neu verlegter Rollrasen hätte bis zum ersten Spiel am 13. Juni zwischen Weltmeister Brasilien und Kroatien nicht mehr anwachsen können.

Heller hatte mit der Show neue Wege beschreiten wollen. «Das gesamte Spielfeld wäre zu einem LED-Bildschirmwunder umgebaut worden», erzählte er von seinem hochmodernen Vorhaben. «Von zeitgenössischen Künstlern entworfene Muster und hunderte Filmsplitter hätten sich zu einer immer wieder neuen Bühne für 5000 Darsteller entwickelt, die ihrerseits computergesteuerte Kostüme getragen hätten. Eine poetische Bilderflut zwischen Traum und Wirklichkeit», so der 58-Jährige.

Inhaltlich nicht zurück gepfiffen
Heller selbst ist noch immer fest davon überzeugt, dass die Fußball-Mächtigen in der Schweiz seine Ambitionen verstanden und gutgeheißen haben. «Uns hat die Fifa niemals gesagt, dass sie unsere Show überdreht findet. Uns hat niemand inhaltlich zurückgepfiffen. Es gab immer Begeisterung für das künstlerische Konzept, das seit mehr als einem Jahr sehr detailliert in Computeranimationen vorlag», sagte er.

Kunst hin oder her. Auf eine Eröffnungsfeier werden die WM-Touristen aus aller Welt und auch die Berliner nicht verzichten müssen. Oberbürgermeister Klaus Wowereit (SPD) leitete sofort eine Party auf der Fan-Meile vor dem Brandenburger Tor in die Wege. Ganz nach dem Geschmack vieler Fußball-Fans soll sie kostenlos sein und eher einem Volksfest ähneln als einer Opernaufführung. Die Fifa will dieses Vorhaben unterstützen, sich aber nicht aktiv beteiligen und auch keine finanziellen Zuwendungen leisten.

Der Weltverband muss von den Berlinern dennoch keine Schadensersatzforderungen fürchten. Der Senat sowie der Betreiber des Olympiastadions «verklagen niemanden».

Erfolg mit «Afrika! Afrika!»
Für Heller geht die Welt auch ohne Fifa-Gala weiter. «André Hellers begrabene WM-Gala ist schon jetzt unsterblich in der Geschichte verhinderter Kunstprojekte», schrieb die «Frankfurter Rundschau» süffisant. Doch der Maestro kündigte bereits an, Teile seines Berliner Programms bei der Münchner Eröffnungsfeier zeigen zu wollen. Außerdem läuft ein anderes Projekt des 58-Jährigen hervorragend. Die Zirkusshow «Afrika! Afrika!» erfreut sich auf ihrer Deutschland-Tournee großer Beliebtheit - und ist ständig ausverkauft. (nz)

Für das Web ediert von Dorothea Jantschke