Warentester sehen sich auf der sicheren Seite
13. Jan 2006 15:03
 |  Berliner Olympiastadion | | Foto: dpa |
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Die Stiftung Warentest sieht keine Veranlassung, ihre Sicherheitsstudie zu den WM-Stadien zu bezweifeln. Klagen aus Leipzig und Gelsenkirchen gibt die Stiftung keine Chance.
Von Markus SchefflerDie Stiftung Warentest sieht möglichen Klagen der Stadionbetreiber wegen der bemängelten Sicherheitsrisiken «sehr gelassen» entgegen. «Wir haben bei unserer Studie die Sicherheitsrichtlinien der Fifa als Maßstab herangezogen», sagte Holger Brackemann von der Stiftung Warentest am Freitag der Netzeitung. Diese würden vorsehen, dass Fluchtwege ins Stadioninnere vorhanden sein müssen. Gräben zwischen Zuschauertribünen und Spielfläche seien zu überbrücken.
«Grundlage dafür sind die Ergebnisse der aktuellen Panikforschung», erläuterte Brackemann, der auch einer der Autoren der Studie ist, die für Aufregung beim WM-Organisationskomitee und bei den Stadionbetreibern sorgt. «Demnach läuft der Mensch im Falle einer Panik nach vorne ins Stadioninnere, wo das Licht ist.» Der Studie zufolge weisen die WM-Stadien von Berlin, Kaiserslautern, Leipzig und Gelsenkirchen gravierende Sicherheitsmängel auf.
Gehirn schaltet bei Panik um
«Es mag ja sein, dass es sinnvoller wäre, aus dem Stadion auf direktem Wege herauszulaufen. Im Falle einer Panik übernehmen aber andere Gehirnbereiche die Steuerung, dann funktioniert die Ratio nicht mehr.» Überdies sei beispielsweise dem Betreiber des Berliner Olympiastadions bewusst gewesen, dass die Arena Sicherheitsmängel aufweist: «Im vergangenen Jahr wurden Evakuierungsübungen in kleineren Stadionblöcken in Berlin durchgeführt», erinnerte Brackemann. Dabei sei bereits aufgefallen, dass die denkmalgeschützten Pressegräben zwischen Tribünen und Rasenfläche ein Sicherheitsrisiko darstellten.
Behelfslösung funktioniert nicht
«Die dann eigens konstruierten Behelfsbrücken über die Gräben hatten sich aber ebenfalls als nicht ausreichend herausgestellt, weil es bis zu 25 Minuten gedauert hat, bis die vergleichsweise geringe Zahl der Besucher eines kleinen Blocks das Stadion verlassen konnte», betonte der Experte. «Das ist nicht nur im Falle einer Massenpanik nicht akzeptabel – auch wenn beispielsweise wegen einer Bombendrohung das Stadion evakuiert werden muss, würde bei einer so langen Wartezeit Panik ausbrechen», warnte Brackemann. Unterdessen erwägt nicht nur der Betreiber und Besitzer des Gelsenkirchener Stadions, der Fußball-Bundesligaverein Schalke 04, eine Klage gegen die Stiftung. Auch die Betreibergesellschaft des Leipziger Zentralstadions, ZSL, schließt juristische Schritte gegen die Sicherheitsstudie nicht mehr aus. «Auch darüber werden wir sprechen und genau abwägen, ob so ein Schritt Sinn macht», sagte ZSL- Geschäftsführer Winfried Lonzen am Freitag. Das Stadion in Leipzig war wie die Schalker Veltins-Arena von der Stiftung Warentest mit «erheblichen Sicherheitsmängeln» bewertet worden.
«Es gibt moderne Sicherheitskonzepte, die auf Fluchtwege nach hinten setzen, und an diese haben wir uns bei der Sanierung des Zentralstadions gehalten», sagte ZSL-Sprecher Thomas Pfaff der Netzeitung. «Was die Stiftung bemängelt, ist das, was wir haben wollten.»
Studie vom Presserecht gedeckt
Dass für die Studie veraltete Sicherheitskonzepte als Maßstab herangezogen wurden und neuere Konzepte existieren, die maßgeblich seien, weist die Stiftung zurück. «Die soll man uns mal zeigen», entgegnete Studienautor Brackemann. «Ich habe ja auch gar nichts gegen Tore, die nach hinten, aus dem Stadion herausführen – ich bezweifle nur, dass die Zuschauer diesen Fluchtweg wählen werden.»Ohnehin sehe er einer Klage ohne Sorge entgegen. «Wir bewegen uns zunächst auf der Ebene des Presserechts. Es ist nicht verboten, Fakten zu bewerten. Nur wenn dies in grob fahrlässiger und indiskutabler Weise geschähe, wäre es ein Fall für die Gerichte.»