Ausland sieht Stadion-Diskussion gelassen
11. Jan 2006 12:48, ergänzt 14:29
Die Diskussion über die angeprangerten Sicherheitsmängel in deutschen WM-Stadien hat im Ausland nicht für Unruhe gesorgt. Lediglich aus England kamen etwas lautere Töne.
Die Schlagzeile «Todesfallen oder Sturm im Wasserglas?» war eher die Ausnahme: Die ausländische Presse reagierte am Mittwoch insgesamt zurückhaltend auf die Studie der Stiftung Warentest über Sicherheitsmängel in den zwölf deutschen WM- Stadien. Kommentare fehlten meist.
«Daily Mirror» sieht Gefahr
Lediglich in der britischen Presse war der Ton an manchen Stellen schärfer. Die angesehene Londoner «Times» schrieb: «Vergesst die Kleinigkeit mit dem Eröffnungsdatum des neuen Wembleystadions, Deutschland hat richtige Stadionprobleme.» Im «Daily Mirror» hieß es: «Die Massen bei der diesjährigen Fußball-WM in Deutschland könnten in Gefahr sein, da aus den vergangenen Katastrophen keine Lehren gezogen wurden.»In Italien berichteten die Blätter meist nur kurz nachrichtlich. Im Rundfunk wurde von schönen Stadien in Deutschland gesprochen, aber sie seien möglicherweise auch «schön gefährlich», hieß es in einer Sendung. In Frankreich und Polen spielte das Thema fast keine Rolle. In Spanien widmete nur die Zeitung «El Mundo» dem Thema einen längeren Artikel, aber ohne jede Kommentierung. Titel: «Gelbe Karte für die WM».
Dünnes Nervenkostum konstatiert
Die «Neue Zürcher Zeitung» aus der Schweiz konstatiert dagegen: «Dünn scheint es geworden zu sein, das Nervenkostüm im deutschen WM-OK. Ein Schlagwort jenseits einer Laudatio genügt schon, ein kritischer Einwurf allein reicht aus, um eine massive Welle von Anschuldigungen und Polemiken zu provozieren.» Der Schweizerische «Blick» sieht voraus: «Es wird bestimmt nicht die letzte heiße Diskussion gewesen sein, bis am 9. Juni das Warten auf den WM-Start ein Ende nimmt»Die skandinavischen Zeitungen berichteten zum Teil in großer Aufmachung, aber ohne Kommentierung über die Vorwürfe der Stiftung Warentest. Der Fußballverband des WM-Teilnehmers Schweden sieht in der massiven Kritik wegen mangelnder Sicherheit in mehreren deutschen Stadien keinen Grund zu Unruhe. «Wir vertrauen zu 100 Prozent auf Behörden wie Polizei und Feuerwehr, die hier die Verantwortung haben», sagte Verbands-Generalsekretär Sune Hellströmer am Mittwoch. (nz)