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Presseschau: Chaos im Fußballstadion

11. Jan 2006 09:57, ergänzt 14:28

Die Mängelliste bei den deutschen WM-Stadien fällt unterschiedlich aus
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Foto: dpa
Die von der Stiftung Warentest angeprangerten Sicherheitsmängel in den deutschen WM-Stadien haben eine kontroverse Diskussion ins Rollen gebracht. Hier eine Presseschau zum Thema.
Berliner Zeitung: «Chaos im Fußballstadion». Der deutsche Fußballfan bekommt überall eingehämmert, dass die besten, schönsten und sichersten Stadien jene in Deutschland sind. Umso verblüffter dürfte unser Fußballfreund sein, nun von der Stiftung Wahrentest zu erfahren, dass dies keineswegs der Fall ist. Arenen in anderen Ländern sind sicherer als einige, in denen die WM 2006 gespielt wird. Fakt ist: Deutschen Stadionbauern geht es offenbar wie dem deutschen Fußball, der neue taktische Entwicklungen ja auch erst zehn Jahre später mitbekam.

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  • Bild: Berlin freut sich auf sechs WM-Spiele, auf den Hit Deutschland gegen Ekuador, auf das Finale am 9.Juli. Doch nun tobt eine neue Sicherheits-Diskussion. Nach einer Studie der Stiftung Warentest weist das Berliner Olympiastadion «erhebliche Mängel» auf. Die Tester fordern sogar die Rote Karte für Berlin! Ist das Olympiastadion wirklich eine Todesfalle? Oder machen die Warentester nur Panik – das vermutet WM-Chef Franz Beckenbauer. Der Hauptvorwurf gegen das Olympiastadion: Der 2,70 Meter tiefe Graben zwischen den Tribünen und dem Innenraum lassen den Zuschauern keine Chance, im Falle einer Massenpanik zu fliehen. Olympia-Stadion-Chef Peter von Löbbecke: «Ich schäme mich, dass ein solches Schreckens-Szenario aufgebaut wird. Das ist doch die einzelne eines Panik-Professors. Unsere Stadion sind völlig sicher.»

    Tagesspiegel: Es ist ein Schreckensszenario der Fußball-WM: Schon ein Gerücht genügt, dass Zuschauer in einem Stadion aus Angst Richtung Spielfeld drängen, schubsen und stolpern, das Panik entsteht. Die Stiftung Wahrentest kommt zu dem Urteil: In vier Stadien der WM 2006 könnte das «verheerende Folgen» haben. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) warnt vor Hysterie. WM-Organisations-Chef Franz Beckenbauer attackierte die Tester in der «Bild»-Zeitung. Hubertus Primus von Stiftung Warentest nannte Beckenbauers Aussage «wenig professionell». Die letzte schwere Panik in einem deutschen Stadion ereignete sich 1977. Vor einem Bundesligaspiel im Hamburger Volksparkstadion stürzten Hunderte Fans die Treppen auf der Westtribüne hinunter. Ein Mann starb.

    Frankfurter Rundschau: OK-Vizepräsident Wolfgang Niersbach: «Ein Szenario wie im Heyselstadion kann sich in den WM-Stadien nicht wiederholen.» Das ist nicht nur zu wünschen, sondern auch zu vermuten. Denn in der Realität hat die moderne Stadionarchitektur, in der seit Heysel bei internationalen Spielen nur noch Sitzplätze erlaubt sind, nichts mehr mit jenen maroden Steinsstufen zu tun, auf denen die 1985 die englischen Anhänger standen. Die Stiftung Warentest hat mit der voreiligen Ankündigung ihrer Studie («verheerende Ergebnisse») überzeichnet, mancher der angeblich «erheblichen oder deutlichen Mängel» wirkte bei der Veröffentlichung arg übertrieben.

    Frankfurter Allgemeine Zeitung: Soviel ist sicher: Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 wird in Deutschland stattfinden. Auch in jenen vier Stadien, denen jetzt von der Stiftung Warentest der Stempel mit dem Warnhinweis «erhebliche Mängel» aufgedrückt wurde. Die erste Reaktion des ersten Verantwortlichen im Fußball-Land auf die ungebetenen Kritiker war jedenfalls von nur schwer unterdrücktem Unverständnis geprägt. Mit der bisherigen plumpen Strategie, unliebsame und unabhängige Kritiker - ob sie nun vom Verbraucherschutz oder von der Stiftung Warentest kommen - als vaterlandslose Gesellen hinzustellen, die es wagen, am deutschen Fußball-Heiligtum zu kratzen, kommen die WM-Organisatoren indes nicht weit. Unfehlbarkeit und sportpolitische Immunität gehören, das scheinen die Organisatoren allmählich zu begreifen, noch nicht zur Grundausstattung ihres Amtes.

    Münchner Merkur: Der wiederholte Hinweis auf Panik-Szenarien verstärkt nur den Eindruck, Stiftung Warentest wolle mit der zeitlich geschickt platzierten Studie auch etwas vom satten Glanz der Fußball-WM abhaben.

    Stuttgarter Nachrichten: Franz Beckenbauer begibt sich wieder einmal auf die Flucht vor der eigenen Verantwortung, wenn er die Sicherheitsbedenken der Warentester abtut als Hirngespinst einiger Wichtigtuer, die ein wenig vom Glanz der WM auf sich lenken wollen.

    Leipziger Volkszeitung: Die Reaktion der Mannschaft von Franz Beckenbauer mag überzogen sein, aber verständlich ist sie allemal. Die Pläne für die neuen Stadien lagen lange vor, der Bauprozess war von unzähligen Überprüfungen begleitet, in den Arenen wird inzwischen seit Monaten gespielt - da hätten die Warentester durchaus schon viel eher auf die Idee kommen können, die Sicherheit für die Fans nach eigenen Erkenntnissen zu überprüfen.

    Neue Osnabrücker Zeitung: Wenn die Stiftung Warentest vor ein paar Monaten die Belastbarkeit von Dächern auf Eishallen getestet hätte, wäre Bad Reichenhall ein Unglück erspart geblieben. Das sollte sich vor Augen führen, wer den Experten aus Berlin jetzt Panikmache und Profilierungssucht vorwirft. (nz)




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