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Schiphorst: Bezweifle die Vorgehensweise

10. Jan 2006 12:28, ergänzt 16:14

Hertha-Präsident Bernd Schiphorst
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Foto: dpa
Karlheinz Kubanek aus Nürnberg freut sich, dass sein Frankenstadion zu den «Klassenbesten» gehört. Hertha-Präsident Schiphorst kommt zu einem anderen Schluss. Hier einige Reaktionen auf das Gutachten der Stiftung Warentest.
Frank Baranowski, Oberbürgermeister von Gelsenkirchen:

«Die Baugenehmigung für die Arena ist seinerzeit nach allen heute noch gültigen Vorschriften des Baurechts und der Versammlungsstättenverordnung erteilt worden. Für uns als Bauordnungsbehörde gibt es keinen Zweifel an dieser Baugenehmigung. Aus unserer Sicht ist die Arena sicher.»

Peter Peters, Geschäftsführer des FC Schalke 04 und der WM-OK-Außenstelle Gelsenkirchen:

«Die Stiftung Warentest ist der Auffassung, dass die bestehenden Gesetze und Vorschriften falsch bzw. nicht ausreichend sind. Diese in Deutschland gültigen Vorschriften sind im Vergleich zu anderen europäischen Ländern die härtesten und schärfsten. Wenn das alles in der Studie so stimmen würde, könnte auf der ganzen Welt kein Stadion mit zwei oder drei Rängen gebaut werden.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble,CDU

«Wir nehmen die Bedenken der Stiftung Warentest ernst und es ist im Sinne der WM-Zuschauer aus Deutschland und der ganzen Welt, dass die Stadien 150 Tage vor WM- Beginn noch einmal von unabhängiger Stelle überprüft worden sind. Die vorgelegten Ergebnisse verbieten nach der ersten Bewertung durch unsere Experten allerdings jegliche Panikmache. Die zwölf WM-Stadien sind unter modernsten baulichen Normen, unter Einbeziehung der Fifa-Auflagen und unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse erbaut oder umgebaut worden. Beim erfolgreichen Testlauf Confederations Cup und in der Fußball-Bundesliga wurden und werden die Arenen regelmäßigen Praxistests unterzogen. Diese haben die WM- Stadien, mit wenigen Ausnahmen, gut bestanden. Für Empfehlungen, die die Sicherheit in den Stadien verbessern, sind wir dankbar und werden auf eine Umsetzung drängen»

Winfried Lonzen, Geschäftsführer der ZSL Betreibergesellschaft mbH

«Schon Ende 2004 wurde das Zentralstadion von allen Instanzen (TÜV, Versicherungen, Bauordnungsamt, Brandschutz, etc.) mängelfrei abgenommen. Auch die Fifa hat das Zentralstadion in dieser Form mit dem Länderspiel Deutschland gegen Kamerun und dem folgenden Fifa Confederations Cup Germany 2005 abgenommen. Der Hauptvorwurf der Stiftung Warentest, die Fluchtmöglichkeiten auf das Spielfeld seien nicht ohne Probleme, trifft aus unserer Sicht nicht zu...»

«...trotzdem nehmen wir die Anmerkungen zu den Sicherheitsfragen der Stiftung Warentest, über die wir erst heute informiert worden sind, sehr ernst. Wir werden schnellstmöglich einen Termin mit allen Experten einberufen, um die Anmerkungen der Stiftung Warentest Punkt für Punkt auf Stichhaltigkeit zu überprüfen.»

Bernd Schiphorst, Präsident von Fußball-Bundesligist Hertha BSC:

«Das Berliner Olympiastadion war hunderte Male voll besetzt. Ich bezweifle die Vorgehensweise und bin überhaupt nicht einverstanden. Sicherheit im Stadion kann man nicht wie Staubsauger behandeln. Dazu ist das Thema zu sensibel und erregt zu viel Aufsehen. Wenn der beanstandete tiefe Stadiongraben ein Sicherheitsproblem bei einer möglichen Massenpanik darstellt, dann erfüllt er bis auf diesen Fall doch auch sinnvolle Funktionen. Im Notfall ist man vorbereitet, rollen Brücken ran, die zur Flucht genutzt werden können. Zudem glaube ich, das Olympiastadion ist sehr großzügig gebaut und hat sehr breite Durchgänge. Ausländische Besucher äußern sich oft anerkennend und erstaunt darüber.»

Peter von Luebbecke, Chef der Betreibergesellschaft im Berliner Olympiastadion

«Dieses Stadion ist seit 70 Jahren bespielt. Das WM-Motto heißt ja nicht: Zu Gast bei Stiftung Warentest. Ich ärgere mich darüber, das macht die Arbeit des Organisationskomitees zunichte. Die Dinge, die von einem Experten aufgezeigt wurden, werden von anderen nicht geteilt. Man sollte diese Punkte vorher abarbeiten und nicht mit der Warentest-Keule um sich schlagen. Dies verschreckt ausländische Besucher. Der Aufbau mobiler Notbrücken hat bei einer Übung im Vorjahr 26 Minuten gedauert. Das war nur der erste Versuch und geht bis zum Turnierbeginn in fünf Monaten noch schneller.»

Karlheinz Kubanek, Werksleiter Nürnberger Frankenstadion:

«Das sind Mängel, die bei uns aufgezeigt wurden, die durch den Umbau begründet sind. Das ist bis zur WM auf jeden Fall behoben. Wir hatten ein gutes Gefühl, aber man macht sich vorher schon Gedanken. Es ist schon befriedigend, wenn man zu den Klassenbesten gehört.»

Dirk Leibfried, Pressesprecher Fritz-Walter-GmbH Kaiserslautern:

«Die Sicherheit der Zuschauer bei Bundesliga- und WM-Spielen im Fritz-Walter Stadion ist in keiner Weise gefährdet. Die Untersuchung im Oktober 2005 fand auf einer Großbaustelle statt. Die von der Stiftung Warentest kritisierten Mängel im Bereich des Brandschutzes bestehen so nicht. Zwischenzeitlich wurden in umfangreiche Brandschutzmaßnahmen und eine Brandmeldeanlage mehrere hunderttausend Euro investiert.»

Hans Rütten, Sportstätten-Chef der Stadt Köln:

«Einige Dinge sind neben der Kappe. Eine Evakuierung wird nicht durch Drehkreuze vorgenommen, sondern durch sechs Meter breite Fluchttore. Wir haben alle Auflagen erfüllt, was uns im Sicherheitskonzept ja auch testiert worden ist. Dieses Testat sagt alles.»

Karl-Heinz Vehling, Stadion-Chef Hannover:

«Wir sind froh, dass die AWD-Arena in Hannover zu den besten Stadien gehört. Gleichwohl bin ich nicht glücklich über die Vorgehensweise der Stiftung Warentest. Ihre Beanstandungen richten sich weniger an die Stadionbetreiber als an den Gesetzgeber, nach dessen Vorschriften und Regeln die WM-Arenen gebaut worden sind. Dennoch nehmen wir die Dinge ernst. Wo wir nicht regelkonform sind, werden wir nachbessern.»

Patrick Meyer, Geschäftsführer Frankfurter Stadionbetreiber:

«Manchmal lassen sich Baurecht und Sicherheitsdenken nicht auf eine Linie bringen. Die Stiftung Warentest stellt die Panikforschung zu sehr in den Mittelpunkt. Die normale Nutzung eines Stadions wird dabei vernachlässigt. Wir halten die Studie aber für konstruktiv.»

Susanne Eisenmann, Stuttgarter Sportbürgermeisterin:

«Wir reagieren mit großer Gelassenheit. Das Stadion ist sicher und weist auch keine deutlichen Mängel im Bereich der Sicherheit auf. Wir haben die genannten Punkte mit unseren Fachleuten besprochen. Sie teilen die Einschätzung der Stiftung Warentest nicht. Die Frage ist, ob bei diesem Gutachten nicht die Publicity im Vordergrund gestanden hat.»

(nz)



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