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Mängel an allen WM-Stadien aufgespürt

10. Jan 2006 10:14, ergänzt 14:26

Vier WM-Stadien.
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Foto: dpa
Mängel an den Fußball-WM-Stadien können laut Stiftung Warentest zu «tödlichen Fallen» werden. Die Gutachter nahmen alle zwölf Stadien in die Pflicht, kritisierten vier von ihnen aber besonders.
Thema:
Fünf Monate vor Beginn der Fußball-WM hat die Stiftung Warentest Sicherheitsmängel in allen zwölf Stadien angeprangert. Vier WM-Arenen weisen laut einer Studie sogar «erhebliche Sicherheitsmängel» auf. Das Olympiastadion in Berlin, die Veltins-Arena in Gelsenkirchen und das Zentralstadion in Leipzig haben nach der am Dienstag in Berlin vorgestellten Untersuchung erhebliche Bau-Mängel, die bei einer Massenpanik zur tödlichen Falle werden könnten. Das Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern habe «erhebliche Mängel» beim Brandschutz.

Erkenntnisse ignoriert

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  • «Viele der Erkenntnisse von vor 20 Jahren scheinen schlichtweg ignoriert worden zu sein», sagte Holger Brackemann von der Stiftung Warentest am Dienstag in Berlin. «Immerhin habe es bei 60 schweren Stadienunfällen weltweit etwa 1500 Tote gegeben», fügte Brackemann hinzu.

    Paniken und ihre Folgen

    Die Stiftung Warentest warnte bei der Vorstellung ihrer Studie vor allem vor möglichen Paniken, zu denen es auch aus «geringen Anlässen» kommen könnte, sei es durch das Verbreiten eines Gerüchts im Publikum oder auch den Wurf von Gegenständen. Der durch eine Panik ausgelöste sogenannte Staudruck dränge die Menschen zum Beispiel die Ränge hinunter in Richtung Spielfeld. Gäbe es dort keine Fluchttore, «würden die Menschen erdrückt», warnte Brackemann. Fluchttore fehlen in Berlin, Leipzig und in Gelsenkirchen.

    Hertha BSC überrascht

    Der Fußball-Bundesliga-Klub Hertha BSC wurde im Trainingslager auf Marbella von den schlechten Nachrichten überrascht und Präsident Bernd Schiphorst ärgerte sich: «Das Berliner Olympiastadion war hunderte Male voll besetzt. Ich bezweifle die Vorgehensweise und bin überhaupt nicht einverstanden. Sicherheit im Stadion kann man nicht wie Staubsauger behandeln.»

    Leipziger TÜV nahm Stadion ab

    In Leipzig zeigten sich die Stadion-Verantwortlichen betroffen. «Die Sicherheit der Besucher des Zentralstadions hatten von den ersten Planungen bis zu den letzten Handgriffen des Baus immer allererste Priorität», teilte Geschäftsführer Winfried Lorenzen mit. Er verwies darauf, dass die Arena schon Ende 2004 von allen Instanzen - TÜV, Versicherungen, Bauordnungsamt, Brandschutz - mängelfrei abgenommen worden sei. Auch die Fifa habe das Stadion mit dem Länderspiel Deutschland gegen Kamerum im November 2004 offiziell für geeignet befunden.

    Derweil bemängelten die Warentester auch andere Baumaßnahmen. «Ein kleines Stolpern kann schlimme Folgen haben». Der Experte spielte auf Tritttiefen bestimmter Tribünentreppen an. So gebe es beispielsweise in Frankfurt Treppen, auf die gerade mal ein Mensch mit Schuhgröße 31 sicher seinen Fuß setzen könnte.

    «Deutliche» Mängel in Hamburg

    Vier weitere Stadien haben laut Stiftung Warentest «deutliche» Sicherheitsmängel. Dabei handelt es sich um die AOL-Arena in Hamburg, die Commerzbank-Arena in Frankfurt, das Gottlieb-Daimler-Stadion in Stuttgart und den Dortmunder Signal-Iduna-Park. Nach der Studie, die im Februar-Heft erscheint, entsprechen somit nach Auffassung der Stiftung Warentest zwei Drittel der WM-Stadien nicht den Sicherheits-Richtlinien des Fußballweltverbandes Fifa.

    Der Chef des WM-Organisationskomitees Franz Beckenbauer wies die Vorwürfe schon vor der Veröffentlichung mit scharfen Worten zurück. «Also ganz ehrlich, mir reicht's jetzt mit diesem Heer der Besserwisser und Wichtigtuer, die sich über die WM profilieren wollen. Die Stiftung Warentest kennt sich vielleicht mit Gesichtscreme, Olivenöl und Staubsaugern aus. Dabei sollten sie bleiben», sagte er der «Bild»-Zeitung. «Eine solche Kritik, ohne die Ergebnisse zu kennen, halte ich für wenig professionell», konterte Hubertus Primus, ebenfalls von der Stiftung Warentest. Die Erkenntnisse der Studie sollten hilfreich sein, um Verbesserungen zu erreichen. Das sei im Hinblick auf die Weltmeisterschaft auch zeitlich noch durchaus möglich.«

    Fehlende Fluchtwege

    Bei den Stadien in Hamburg, Frankfurt/Main, Dortmund und Stuttgart stellten die Tester «deutliche Mängel» fest. Hier wurden fehlende Fluchtwege, Stolpergefahren, und unzureichender Brandschutz kritisiert. Die Stadien in Hannover, Nürnberg und Köln bieten laut Studie ausreichende Fluchtmöglichkeiten. Diese Arenen sowie auch die Allianz-Arena in München hätten nur «geringe Mängel». «Es ist schon befriedigend, wenn man zu den Klassenbesten gehört», freute sich Karlheinz Kubanek, Werksleiter Nürnberger Frankenstadion.

    «Einige Dinge sind neben der Kappe«, gab Hans Rütten, Sportstätten-Chef der Stadt Köln, zu, »eine Evakuierung wird nicht durch Drehkreuze vorgenommen, sondern durch sechs Meter breite Fluchttore. Wir haben alle Auflagen erfüllt, was uns im Sicherheitskonzept ja auch testiert worden ist. Dieses Testat sagt alles.» (nz)



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