Stiftung Warentest kontert Beckenbauer aus
06. Jan 2006 12:33, ergänzt 16:58
 |  Das Dach der Frankfurter Commerzbank-Arena erwies sich im letzten Jahr als nicht wasserdicht. | | Foto: dpa |
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Franz Beckenbauer fordert: «keine Querschüsse» mehr vor der Fußball-WM. Die Stiftung Warentest stellt derweil aber große Sicherheitsmängel bei den WM-Stadien fest.
Franz Beckenbauer hoffte bei seinem Neujahrsempfang noch auf einen reibungslosen Endspurt bei den WM- Vorbereitungen, doch den Organisatoren der Fußball-Weltmeisterschaft droht fünf Monate vor Turnierbeginn schon wieder großes Ungemach. Die Stiftung Warentest hat bei einer Untersuchung der zwölf WM-Stadien «teilweise beträchtliche» Sicherheitsmängel entdeckt und die Organisatoren damit in arge Bedrängnis gebracht.
«Verheerende Folgen»
Nach der Studie könnte eine Panik «verheerende Folgen» haben, berichtete das unabhängige Institut am Freitag in Berlin. Auch beim Brandschutz seien Defizite entdeckt worden. Details der Studie zur baulichen Sicherheit sowie die Namen der betroffenen Arenen will die Stiftung aber erst auf einer Pressekonferenz am 19. Januar in Berlin bekannt geben.Beim WM-Organisationskomitee konnte man somit auf die noch nicht konkretisierten Vorwürfe vorerst nicht ausführlich reagieren. «Ich war bislang so informiert, dass es keine beachtlichen Probleme gibt», sagte OK-Vizepräsident Horst R. Schmidt der dpa. «Ich weiß, dass es eine Untersuchung gegeben hat, aber sonst nichts. Wenn es so wäre, wäre es fair, uns auch die Gelegenheit zu geben, uns dazu zu äußern.»
Problemfall Rettungswege
Der Funktionär vermutete, dass es in erster Linie um Rettungswege gehe. Man sei vor einiger Zeit gebeten worden, diese Untersuchungen vornehmen zu lassen und habe selbstverständlich zugestimmt. Kritik an der Studie und Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit kamen allerdings von Seiten einiger Stadion-Verantwortlicher. Die Schalker Arena sei am 20. September von nur zwei Personen vier bis fünf Stunden inspiziert worden. «Da kriege ich einen Hals. Das ist zunächst mal eine reine Parole, nichts anderes», so ein Verantwortlicher des FC Schalke 04.OK-Chef Beckenbauer wollte sich in Unkenntnis der Ergebnisse nicht äußern. Kurz zuvor hatte er beim offiziellen Empfang des WM-OK am Freitag in Frankfurt noch launisch angemerkt: «2005 war recht erfolgreich. Wenn nun das Dach noch zugeht und die eine oder andere Scharte ausgemerzt wird, wird dieses Jahr ganz gut.»
Wasserfälle in Frankfurt
Gerade die Dachkonstruktionen der WM-Stadien in Franfurt und Kaiserslautern hatten in den vergangenen Monaten für Probleme und auch international für Negativschlagzeilen gesorgt. Besondere Schwierigkeiten bereitete das Verdeck der Frankfurter Commerzbank-Arena. Beim Confed-Cup-Finale im Juni 2005 Brasilien - Argentien und vor dem Bundesliga-Spiel Eintracht Frankfurt - Schalke 04 im Oktober setzten schwere Regenfälle die Spielfläche unter Wasser.In Kaiserslautern musste das Fritz-Walter-Stadion im Dezember für das Punktspiel gegen Eintracht Frankfurt wegen Baumängeln in der Dachkonstruktion gesperrt und mit Stützpfeilern abgesichert werden. Bis März sollen zwei Stahlträger ausgetauscht, Haarrisse überarbeitet werden. In Nürnberg rieselte Putz vom Oberrang des Frankenstadions. Die Statikprobleme wurden nach einem extra organisierten «Hüpftest» durch mehrere Hundert Fans nach Angaben der Stadionbetreiber behoben.
Blatters 2+
Neben dem Dauer-Sorgenthema WM-Eintrittskarten waren die Baumängel in den Stadien kurz vor der Auslosung der Endrunden-Gruppen am 9. Dezember in Leipzig ein Bestandteil der Kritik durch Fifa-Chef Joseph Blatter gewesen. Der Weltverbandschef hatte dem deutschen WM-OK zwar eine 2+ als Schulnote gegeben, aber eine Nachprüfung aller Stadien zu Jahresbeginn 2006 angekündigt. «Wir werden das OK jetzt ins Gebet nehmen. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser», sagte Blatter. Am Freitag wollte man sich zu den neuen Entwicklungen nicht äußern.In ersten Reaktionen äußerten sich einzelne Betreiber der WM- Stadien zuversichtlich, dass ihre Arenen den nötigen Standards entsprechen. «Bei uns muss man sich keine Gedanken machen», sagte der Geschäftsführer der Kölner Sportstätten GmbH, Hans Rütten. Auch in Hannover zeigte man sich gelassen. «Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht jenen Standard erreicht, den die Fifa fordert. Aber wir arbeiten jeden Punkt Stück für Stück ab und liegen voll im Plan», sagte Sicherheitschef Heinz Mars.
Keine Mängel bekannt
«Uns ist von Sicherheitsmängeln nichts bekannt. Wir sind im steten Kontakt mit der Bauprüfabteilung. Wenn es Probleme gäbe, würde die uns das mitteilen. Um hohe Sicherheit geht es ja nicht nur zur WM, sondern alle 14 Tage in der Bundesliga. Da kommen schließlich noch 10.000 Menschen mehr ins Stadion, als das zur WM der Fall sein wird», sagte Hamburgs Stadionmanager Kurt Krägel. In Dortmund habe man durch die Stiftung Warentest in der so genannten Anbietervorinformation keine Mängel mitgeteilt bekommen. (nz)