netzeitung.deJagdszenen in Istanbul trüben WM-Freude

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Benjamin Huggel flüchtet vom Platz. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Benjamin Huggel flüchtet vom Platz.
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Fifa-Chef Sepp Blatter hat die die Prügelszenen in Istanbul scharf verurteilt, während Türkische Medien den Schweizern die Schuld geben. Unterdessen hat Bahrain beim Weltverband Protest eingelegt.

Von Jörg Obergethmann

Hässliche Jagdszenen im Sükrü Saracoglu-Stadion von Istanbul haben den Schweizer Jubel über die erste WM-Teilnahme seit 1994 getrübt. Fifa-Präsident Joseph Blatter reagierte am Donnerstag empört auf die Auswüchse im Anschluss an das WM-Qualifikationsspiel und kündigte nach einer umfassenden Untersuchung der Vorfälle Konsequenzen für die Türkei bis zu einem möglichen Ausschluss aus allen internationalen Wettbewerben an.

«Beim Schlusspfiff war die Freude sehr groß, aber nur tief drin. Es ist schlimm, wenn man von der Bank aufsteht und Angst haben muss», beschrieb Nationaltrainer «Köbi» Kuhn den Zwiespalt der Gefühle. Zwei Stunden lang harrten die Eidgenossen in der verschlossenen Kabine aus, ehe sie von den Ordnungshütern ins Hotel gebracht wurden.

Blatter kündigt Sanktionen an
«Was passiert ist, ist des Fußballs unwürdig. Das habe ich noch nie erlebt. Wir werden die Verantwortlichen bestrafen und hart durchgreifen», sagte der Chef des Weltverbandes in einem Interview mit dem Schweizer Rundfunk DRS. Bis zur WM-Gruppenauslosung am 9. Dezember in Leipzig will Blatter den Fall vom Tisch haben.

Klarheit über die Ereignisse wird sich die Disziplinarkommission mit Hilfe der vor Ort anwesenden FIFA-Funktionäre, Befragungen sowie TV-Bildern verschaffen.

Alles in den Schatten gestellt
Der Skandal am Bosporus stellte das übrigen Geschehen in der Relegation in den Schatten, in der sich am Mittwochabend neben den Schweizern auch Tschechien, Spanien, Australien sowie Trinidad und Tobago die letzten von 32 Startplätzen für die Endrunde der Weltmeisterschaft vom 9. Juni bis 9. Juli 2006 in Deutschland erkämpften.
Bahrain protestiert
Einen Tag nach der verpassten Qualifikation hat Bahrain bei der Fifa Protest gegen die 0:1-Heimniederlage gegen Trinidad und Tobago eingelegt. Die Beschwerde betrifft ein nicht anerkanntes Tor der Gastgeber durch Ali Hussain in der Nachspielzeit, mit dem Bahrain das 1:1 aus dem Hinspiel wett gemacht und zumindest die Verlängerung erzwungen hätte. Deshalb werde man offiziell Protest gegen die Spielwertung bei der Fifa einlegen, erklärte Bahrains Verbands- Vizepräsident Sheik Ali Al Khalifa am Donnerstag.

Unmittelbar nach ihrem letztlich wertlosen 4:2-Sieg über die Eidgenossen fielen die frustrierten Türken über die gegnerischen Spieler her und traktierten sie mit Füßen und Fäusten. «Jeder musste um sein eigenes Leben rennen. Ordner und türkische Spieler sind auf uns los gegangen», schilderte der Stuttgarter Bundesliga-Profi Marco Streller, der seiner wankenden Mannschaft mit dem 2:3 sechs Minuten vor Schluss sportlich die größten Sorgen genommen hatte, die schlimmen Jagdszenen.

Trat Huggel zuerst zu?
Am ärgsten erwischte es Ersatzspieler Stephane Grichting, der nach einem Tritt in den Unterleib ins Krankenhaus musste. Özalan Alpay vom 1. FC Köln trat Augenzeugenberichten zu Folge den Frankfurter Benjamin Huggel nieder. Türkische Medien berichten dagegen, dass Huggel zuerst zugetreten haben soll. Filmszenen zeigen ihn aktiv im Gerangel.

«Bereits vor dem Spiel war ersichtlich, auf welche Art die Türken noch zur WM gelangen wollten. Die Fans vor dem Stadion begegneten allen, die aus der Schweiz kamen, mit Verachtung», beschrieb die Berner Zeitung «Der Bund» die aufgeheizte Stimmung, die sich nach Spielende in Brutalität entlud. Trainer Jakob «Köbi» Kuhn konnte sich angesichts der Prügelszenen gar nicht richtig über den Erfolg freuen.

Schuld an Schiedsrichter weiter gegeben
Der türkische Trainer Fatih Terim gab den Schiedsrichtern wutschnaubend die Schuld für das Scheitern des WM-Dritten von 2002 gab: «Sowohl Michel in Bern als auch De Bleeckere hier in Istanbul waren Schweizer.» (dpa)