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Schweizer Elf in Istanbul mit Eiern beworfen

16. Nov 2005 09:35

Die Schweizer Alexander Frei (links) und Tranquillo Barnetta .
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Foto: dpa
Schon bei der Ankunft in Istanbul haben die Schweizer Nationalspieler einen Vorgeschmack auf die Brisanz des WM-Qualifikationsspiels gegen die Türkei erhalten. Zeitungen riefen zur Mäßigung auf.
Von Thomas Prüfer

«Willkommen in der Hölle!» Der Hass-Empfang am Bosporus lieferte den Schweizer Fußballern einen Vorgeschmack, was ihnen im letzten Kampf um das zum Greifen nahe Ticket zur Fußball- Weltmeisterschaft 2006 in der Türkei bevorsteht. Nach dreistündigem Warten am Istanbuler Flughafen auf Koffer und Passkontrolle flogen auf der Fahrt zum Hotel Eier und Plastikflaschen gegen den Bus der Eidgenossen, die am Mittwoch im Relegations-Rückspiel einen 2:0- Vorsprung verteidigen müssen.

Während Spanien nach dem 5:1 gegen die Slowakei und Tschechien nach dem 1:0 in Norwegen eigentlich nur noch den eigenen Übermut fürchten muss, traten die als «Hurensöhne» begrüßten Schweizer mit Betreten türkischen Bodens zum Spießrutenlauf an.

Kindheitstraum soll wahr werden

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  • «Sowas habe ich noch nie erlebt, wie die Türken uns behandeln», fluchte Nationalspieler Philipp Degen von Borussia Dortmund und fasste seine Eindrucke von der aufgeheizten Atmosphäre so zusammen: «Reine Schikane. Und draußen warten die Leute und pfeifen, schimpfen, wirken extrem aggressiv.» Türkische Zeitungen warnten zwar vor «blinder Rache: Denn Wut und Gewalt führen nur dazu, dass wir uns anschließend schämen müssen», schrieb «Milliyet» dazu. «Hürriyet» kritisiert den Empfang als unpassend zur türkischen Gastfreundschaft: Es sei «falsch und gefährlich», es den Gegnern auf diese Weise heimzahlen zu wollen.

    Die Eidgenossen wollen sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, sie fühlen sich nun erst recht motiviert. «Eine WM ist ein Kindheitstraum für mich», bekannte HSV-Profi Raphael Wicky. Da er wohl nicht noch mal die Chance habe, eine WM zu spielen, werde er «alles daransetzen, dass wir uns gegen die Türken durchsetzen». Christoph Spycher von Eintracht Frankfurt ersetzt Stuttgarts Ludovic Magnin (gesperrt). Coach Köbi Kuhn forderte von seiner Elf, «dass wir ruhig bleiben, uns immer ganz cool verhalten und durch nichts provozieren lassen».

    Die vor diesen Duellen favorisierten Türken wollen die Hinspiel-Scharte auswetzen. Dass seine Landsleute im Vorfeld der Partie «alle Register ziehen», um die Gäste aus der Ruhe zu bringen, hält Stürmer Halil Altintop für «normal. Doch wir müssen auf dem Platz die Antwort geben», forderte der Bundesliga-Torjäger des 1. FC Kaiserslautern.

    Tschechen fürchten Überheblichkeit

    Spanien und Tschechen sind zwar so gut wie durch, doch getreu dem Motto «Übermut tut selten gut» warnen vor allem die Trainer ihre Akteure. «Es ist erst Halbzeit», mahnt Tschechiens Karel Brückner. «Es kann alles passieren, aber eigentlich dürfen wir es uns nicht mehr nehmen lassen», sagt HSV-Profi David Jarolim. Pavel Nedved glaubt, dass die Hürde schon genommen ist. «Ich freue mich auf die WM», sagte der reaktivierte Mittelfeldstar, der seine Elf zusammen mit Tomas Rosicky zur WM führen soll. «Die Europameisterschaften in Portugal und zuvor in Belgien und Holland waren schön, aber die WM in Deutschland wird alles in den Schatten stellen», so der Dortmunder.

    Die Spanier fürchten weniger den Gegner als die Atmosphäre im Stadion. Sie erwarten, dass die Slowaken Rache nehmen wollen, nachdem sie sich im Hinspiel vom Referee verschaukelt fühlten. Daher dürfte Markus Merk (Kaiserslautern) vor einer schweren Aufgabe stehen. Die spanische Presse erinnert daran, dass das Stadion in Bratislava wegen rassistischer Ausschreitungen berüchtigt ist. Doch davon wollen sich die Iberer nicht beeindrucken lassen.

    Dreifacher Torschütze nur auf der Bank

    Luis García, beim 5:1 als dreifacher Torschütze der Held, wird diesmal auf der Bank sitzen. «Er hat getan, was er sollte. Nun will ich andere Dinge sehen», begründete Coach Luis Aragonés, der vier Umstellungen plant. Spanien hat in der Geschichte nur vier Mal mit vier oder mehr Toren Unterschied verloren, zuletzt vor 55 Jahren bei der WM 1950 (1:5 gegen Brasilien). Die anderen Pleiten liegen noch weiter zurück: 1942 in Italien 0:4, 1931 in England 1:7, 1928 gegen Italien 1:7. Deshalb versprüht Kapitän Raúl Zuversicht: «Wenn wir uns qualifizieren, werden wir in Deutschland auch Großes leisten.»

    Während das Duell zwischen den Außenseitern Bahrain und Trinidad & Tobago (Hinspiel 1:1) offen ist, strebt Australien die zweite WM- Teilnahme nach 1974 in Deutschland an. Dafür müssen die «Socceroos» gegen Uruguay ein 0:1 wettmachen. Der eigens für die Relegation engagierte niederländische Coach Guus Hiddink, der zuletzt Südkorea bei der Heim-WM auf Rang vier führte, könnte mit einem Coup erneut zum Helden werden. «Hiddink hat uns großes Vertrauen eingeimpft. Wir glauben, dass wir es schaffen können», verriet Kapitän Mark Viduka. (dpa)



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