Schweizer Elf in Istanbul mit Eiern beworfen
16.11.2005
Herausgeber: netzeitung.de
«Willkommen in der Hölle!» Der Hass-Empfang am Bosporus lieferte den Schweizer Fußballern einen Vorgeschmack, was ihnen im letzten Kampf um das zum Greifen nahe Ticket zur Fußball- Weltmeisterschaft 2006 in der Türkei bevorsteht. Nach dreistündigem Warten am Istanbuler Flughafen auf Koffer und Passkontrolle flogen auf der Fahrt zum Hotel Eier und Plastikflaschen gegen den Bus der Eidgenossen, die am Mittwoch im Relegations-Rückspiel einen 2:0- Vorsprung verteidigen müssen.
Während Spanien nach dem 5:1 gegen die Slowakei und Tschechien nach dem 1:0 in Norwegen eigentlich nur noch den eigenen Übermut fürchten muss, traten die als «Hurensöhne» begrüßten Schweizer mit Betreten türkischen Bodens zum Spießrutenlauf an.
Die Eidgenossen wollen sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, sie fühlen sich nun erst recht motiviert. «Eine WM ist ein Kindheitstraum für mich», bekannte HSV-Profi Raphael Wicky. Da er wohl nicht noch mal die Chance habe, eine WM zu spielen, werde er «alles daransetzen, dass wir uns gegen die Türken durchsetzen». Christoph Spycher von Eintracht Frankfurt ersetzt Stuttgarts Ludovic Magnin (gesperrt). Coach Köbi Kuhn forderte von seiner Elf, «dass wir ruhig bleiben, uns immer ganz cool verhalten und durch nichts provozieren lassen».
Die vor diesen Duellen favorisierten Türken wollen die Hinspiel-Scharte auswetzen. Dass seine Landsleute im Vorfeld der Partie «alle Register ziehen», um die Gäste aus der Ruhe zu bringen, hält Stürmer Halil Altintop für «normal. Doch wir müssen auf dem Platz die Antwort geben», forderte der Bundesliga-Torjäger des 1. FC Kaiserslautern.
Die Spanier fürchten weniger den Gegner als die Atmosphäre im Stadion. Sie erwarten, dass die Slowaken Rache nehmen wollen, nachdem sie sich im Hinspiel vom Referee verschaukelt fühlten. Daher dürfte Markus Merk (Kaiserslautern) vor einer schweren Aufgabe stehen. Die spanische Presse erinnert daran, dass das Stadion in Bratislava wegen rassistischer Ausschreitungen berüchtigt ist. Doch davon wollen sich die Iberer nicht beeindrucken lassen.
Während das Duell zwischen den Außenseitern Bahrain und Trinidad & Tobago (Hinspiel 1:1) offen ist, strebt Australien die zweite WM- Teilnahme nach 1974 in Deutschland an. Dafür müssen die «Socceroos» gegen Uruguay ein 0:1 wettmachen. Der eigens für die Relegation engagierte niederländische Coach Guus Hiddink, der zuletzt Südkorea bei der Heim-WM auf Rang vier führte, könnte mit einem Coup erneut zum Helden werden. «Hiddink hat uns großes Vertrauen eingeimpft. Wir glauben, dass wir es schaffen können», verriet Kapitän Mark Viduka. (dpa)

