Klinsmann-Elf enttäuscht in Bratislava
03.09.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Mit der schwächsten Leistung in der Ära Klinsmann hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der WM-Euphorie im Land einen gehörigen Dämpfer versetzt. Statt der angekündigten Trotzreaktion für das 2:2 in den Niederlanden lieferte das Team am Samstag beim 0:2 (0:2) gegen die Slowakei in Bratislava eine über weite Strecken desolate Vorstellung. Die Entscheidung vor nur 9 200 Zuschauern im Stadion Tehelne Pole fiel bereits in der ersten Halbzeit durch zwei Tore des Wolfsburgers Miroslav Karhan (20.- Foulelfmeter/38.). Nach der dritten Länderspiel-Niederlage unter Klinsmann nach dem 1:3 gegen Südkorea und dem 2:3 gegen Brasilien steht die DFB-Elf am Mittwoch in Bremen gegen Südafrika bereits gehörig unter Erfolgsdruck.
«Natürlich sind wir enttäuscht und auch verärgert, vor allem über die erste Halbzeit. Nach dem Elfmetertor haben wir uns Fehler erlaubt, die darf man sich nicht erlauben. Aber wir müssen auch mal so eine Niederlage schlucken und weitermachen», sagte Klinsmann. Bernd Schneider bekannte: «Wir wollten heute einiges gutmachen. Das ist uns nicht gelungen. Es ist frustrierend. Wir hätten noch drei Stunden weiterspielen können, wir hätten kein Tor geschossen.»
Mit dem radikalsten Personalwechsel in seiner Amtszeit versuchte der Bundestrainer nach der Halbzeit, das Blatt noch zu wenden. Mit den beiden 19-jährigen Marcell Jansen und Lukas Sinkiewicz als Debütanten Nummer zehn und elf sowie den Publikumslieblingen Podolski und Schweinsteiger agierte das Team zwar nicht mehr so konfus wie zuvor, war von spielerischer Linie aber immer noch weit entfernt. Gegen die nachlassenden Slowaken verhinderte am Ende auch ein wenig Pech den durchaus verdienten Anschlusstreffer.
Aber auch vor der Abwehr lief es nicht nach Wunsch. Fabian Ernst konnte als Vertreter des verletzten Torsten Frings nie für Ordnung sorgen. Während Sebastian Deisler ein paar gute Szenen hatte, bekam Kapitän Michael Ballack trotz seiner kämpferischen Qualitäten im Mittelfeld die Fäden nicht in die Hand.
Doch praktisch im Gegenzug wurde die Abwehr durch einen Pass des Nürnbergers Mintal ausgehebelt. Der freistehende Karhan konnte sich beim Torschuss beinahe die Ecke aussuchen. Schon vorher hatte Vittek, beim «Club» nicht gerade als Torjäger bekannt, Mertesacker versetzt und nur knapp die slowakische Führung verfehlt (18.). Zwei Minuten später riss der Abwehrmann seinen Gegenspieler im Strafraum um und verschuldete damit den Strafstoß.
Zwar verlagerte sich das Spielgeschehen nach der Pause immer mehr in die slowakische Hälfte, doch zwingende Spielzüge der DFB-Elf blieben Mangelware. In der 62. Minute erkannte Schiedsrichter Braamhaar aus den Niederlanden das vermeintliche Anschlusstor von Ballack wegen Abseitsstellung von Schweinsteiger nicht an. Eine Viertelstunde vor Schluss vergab der glücklose Klose das 1:2. (dpa)

