Schmidt: Schwarzhändler nutzen Ebay-Forum
28. Apr 2005 15:01, ergänzt 15:55
 |  Horst R. Schmidt (o.). | | Foto: dpa |
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Horst R. Schmidt stellt sich der Kritik beim WM-Kartenverkauf. Was der DFB-Generalsekretär aber nicht verstehen kann, ist die Reaktion einiger Ticketinhaber, sagte er der Netzeitung.
Horst R. Schmidt weiß, dass er vor schweren Wochen steht. Der Generalsekretär, der für die Ausgabe von WM-Tickets verantwortlich ist, musste gleich nach Beendigung der ersten Verkaufsphase Kritik einstecken. «Bei einer Million verkauften Karten werden 750.000 leer ausgehen. Ich wusste, dass es Kritik geben wird. Das wird auch bis zur WM so weitergehen», sagte der DFB-Funktionär vor dem Beginn des außerordentlichen DFB-Bundestages in Mainz der Netzeitung.
Verwundert zeigte sich Schmidt aber über die Art der Kritik an den personalisierten Karten. «Was ich nicht verstehe ist, dass drei Tage nach der Benachrichtigung die normale Reaktion sein kann: Wie kann ich die Karte übertragen?» Dabei kritisiert er den Internet-Auktionator Ebay.Trotz der Probleme will der Generalsekretär positive Stimmung erzwingen: «Es ist doch erst der Beginn des Verfahrens. Da würde ich nicht gleich die Flinte ins Korn werfen.»
Netzeitung: Herr Schmidt, gleich nach Beendigung ist die Kritik derer laut geworden, die keine Tickets erhalten haben. Hatten Sie damit gerechnet?
Horst R. Schmidt: Meine Erwartungen waren in dieser Hinsicht der Situation angemessen. Ich wusste, dass es schon Kritik geben würde. Und das wird bis zur WM so weitergehen. Aber es ist erst der Beginn des Verfahrens. Es war vorher klar, dass bei einer Million Karten 750.000 Fans leer ausgehen würden. Es werden aber immer wieder Karten, die aus Kontingenten frei werden, zu erhalten sein. Da würde ich nicht gleich die Flinte ins Korn werfen.
Reaktion nicht erwartet
Netzeitung: Welche Kritik hat Sie denn am meisten verwundert?Schmidt: Was ich nicht verstehe ist, dass jetzt, drei Tage nach der Benachrichtigung die normale Reaktion sein kann: «Wie kann ich die Karte übertragen?».
Netzeitung: Ist denn die personalisierte Karte, die nur in bestimmten Fällen getauscht werden kann, das Nonplusultra?
Schmidt: Wir wollen das Ticketing in kontrollierter Form abwickeln. Da kann der Verbraucherschutzbund sagen, was er mag.
Schwarzhändler gehören bestraft
Netzeitung: Nun will CTS aber eine Tauschbörse einrichten ...Schmidt: ... Tauschbörse ist ein Begriff, der der Sache nicht gerecht wird. Tauschen wäre, wenn ich zum Beispiel die Spiele A 2 oder A 4 gegen C 2 und C 3 tauschen könnte. Das ist aber hier nicht das Hauptanliegen.
Netzeitung: Aber auch im Internet blüht schon der Verkauf.
Schmidt: Da sind die bei Ebay gefragt. Dort sind die Schwarzhändler, die bestraft werden müssen. Wir haben Ebay einen Brief geschrieben, um eine Lösung zu erzielen. Eine Antwort gab es bis jetzt noch nicht. In Großbritannien ist es überhaupt nicht erlaubt, dass Karten über das Internet gehändelt werden dürfen. Wir haben rechtliche Grenzen.
Ticketverkauf hat erst begonnen
Netzeitung: Ist für Sie der Kartenvorverkauf denn der negativste Aspekt der Vorbereitung auf die WM?Schmidt: Ich habe mich mit dem Ticketing Zeit meines Lebens beschäftigt. Da belastet mich die Kritik nicht. Für mich ist es wichtig, dass das Publikum sieht, dass wir an den Fan denken. Es gibt drei wichtige Ziele: Erstens, dass die Stadien gefüllt sind, zweitens, dass ein enormer wirtschaftlicher Faktor vorhanden ist und dass drittens möglichst viele Fans einen Zugang erhalten
Netzeitung: Auch wenn es erst der Anfang des Kartenvorverkaufs ist: Gibt es etwas, dass Sie anders machen würden?
Schmidt: Ich würde nie behaupten, dass wir alles perfekt gemacht haben. Da stellen wir uns der Kritik. Wir gehen die Dinge an, um sie zu lösen.
Allerdings gelingt das nicht immer. Aber im jetzigen Stadium kann ich das noch nicht feststellen.
Netzeitung: Wie wollen Sie der eher negativen Stimmung entgegenwirken?
Schmidt: Es ist doch erst losgegangen mit dem Ticketverkauf. Da kann man immer noch mit Optimismus herangehen.
Das Interview mit Horst R. Schmidt führte Thomas Flehmer.