Schmidt: Schwarzhändler nutzen Ebay-Forum
Trotz der Probleme will der Generalsekretär positive Stimmung erzwingen: «Es ist doch erst der Beginn des Verfahrens. Da würde ich nicht gleich die Flinte ins Korn werfen.»
Netzeitung: Herr Schmidt, gleich nach Beendigung ist die Kritik derer laut geworden, die keine Tickets erhalten haben. Hatten Sie damit gerechnet?
Horst R. Schmidt: Meine Erwartungen waren in dieser Hinsicht der Situation angemessen. Ich wusste, dass es schon Kritik geben würde. Und das wird bis zur WM so weitergehen. Aber es ist erst der Beginn des Verfahrens. Es war vorher klar, dass bei einer Million Karten 750.000 Fans leer ausgehen würden. Es werden aber immer wieder Karten, die aus Kontingenten frei werden, zu erhalten sein. Da würde ich nicht gleich die Flinte ins Korn werfen.
Schmidt: Was ich nicht verstehe ist, dass jetzt, drei Tage nach der Benachrichtigung die normale Reaktion sein kann: «Wie kann ich die Karte übertragen?».
Netzeitung: Ist denn die personalisierte Karte, die nur in bestimmten Fällen getauscht werden kann, das Nonplusultra?
Schmidt: Wir wollen das Ticketing in kontrollierter Form abwickeln. Da kann der Verbraucherschutzbund sagen, was er mag.
Schmidt: ... Tauschbörse ist ein Begriff, der der Sache nicht gerecht wird. Tauschen wäre, wenn ich zum Beispiel die Spiele A 2 oder A 4 gegen C 2 und C 3 tauschen könnte. Das ist aber hier nicht das Hauptanliegen.
Netzeitung: Aber auch im Internet blüht schon der Verkauf.
Schmidt: Da sind die bei Ebay gefragt. Dort sind die Schwarzhändler, die bestraft werden müssen. Wir haben Ebay einen Brief geschrieben, um eine Lösung zu erzielen. Eine Antwort gab es bis jetzt noch nicht. In Großbritannien ist es überhaupt nicht erlaubt, dass Karten über das Internet gehändelt werden dürfen. Wir haben rechtliche Grenzen.
Schmidt: Ich habe mich mit dem Ticketing Zeit meines Lebens beschäftigt. Da belastet mich die Kritik nicht. Für mich ist es wichtig, dass das Publikum sieht, dass wir an den Fan denken. Es gibt drei wichtige Ziele: Erstens, dass die Stadien gefüllt sind, zweitens, dass ein enormer wirtschaftlicher Faktor vorhanden ist und dass drittens möglichst viele Fans einen Zugang erhalten
Netzeitung: Auch wenn es erst der Anfang des Kartenvorverkaufs ist: Gibt es etwas, dass Sie anders machen würden?
Schmidt: Ich würde nie behaupten, dass wir alles perfekt gemacht haben. Da stellen wir uns der Kritik. Wir gehen die Dinge an, um sie zu lösen.
Allerdings gelingt das nicht immer. Aber im jetzigen Stadium kann ich das noch nicht feststellen.
Netzeitung: Wie wollen Sie der eher negativen Stimmung entgegenwirken?
Schmidt: Es ist doch erst losgegangen mit dem Ticketverkauf. Da kann man immer noch mit Optimismus herangehen.
Das Interview mit Horst R. Schmidt führte Thomas Flehmer.

