Gläsener Fan durch Datenchips in WM-Tickets
Die persönlichen Daten erhalten die WM-Organisatoren anhand eines Fragebogens, den der Fan bei der Bestellung seiner Eintrittskarte ausfüllen muss. Neben Name, Adresse und Kontaktdaten, muss der Interessierte laut Renate Hillenbrand-Beck, Leiterin des Dezernats Datenschutz beim Regierungspräsidium in Darmstadt, auch seine Personalausweis-Nummer, Bank- oder Kreditkarten-Daten und seinen Lieblings-Verein angeben.
Auch Axel Tönjes, Rfid-Spezialist beim Berliner Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit, findet die Chips in den WM-Tickets «auf jeden Fall bedenklich». Insbesondere, weil die Funktechnik ein «heimliches Auslesen der Daten ermöglicht», sagte Tönjes der Netzeitung.
Bei der Fußballweltmeisterschaft werden alle Tickets und alle Stadien für die Rfid-Technologie ausgerüstet sein. Die Fifa bewirbt das Projekt mit einem «deutlich verbesserten Kundenservice». Durch die Personalisierung sei jedes Ticket «eindeutig und einmalig». Dadurch erhöhe sich die «allgemeine Sicherheit im Stadion» als auch der Service «beim Zutritt in den Eingangsbereichen», so offizielle Angaben des Verbands.
Durch den Identifikationschip lassen sich die Karten bei Verlust leicht sperren, Dauerkarten lassen sich für bestimmte Spiele frei schalten. Außerdem seien die Karten fälschungssicher und ermöglichten die «vollständige Kontrolle von Verkauf bis ins Stadion», so Kämpfe. Dadurch könne der Stadionbetreiber genau sehen, wann wer durch welches Drehkreuz gehe. «Somit lassen sich Besucherströme nachvollziehen und das Sicherheitspersonal kann sich leichter darauf einstellen.»
Den größten Vorteil sieht der Wolfsburger aber in der Möglichkeit des bargeldlosen Bezahlens im Stadion. Die Fans könnten dank der neuen Technik an der Theke ihr Bier bestellen und mit der Eintrittskarte bezahlen, erläutert Kämpfe. Danach wird das Geld einfach vom Konto abgebucht.
Die Handlesegeräte werden laut Schiller jedoch vornehmlich für Service Aufgaben eingesetzt. Das Personal werde die Geräte für Platzeinweisung und andere Dienstleistungen benötigen, aber nur bedingt zur Überwachung einsetzen. «Das Hooligan-Thema gibt es schon lange nicht mehr», sagte er der Netzeitung, außerdem gebe es ohnehin eine lückenlose Videoüberwachung. Über Standbilder seien Rowdies schon jetzt eindeutig erkennbar.
Wie eine mögliche Datenschutz-Politik in Zukunft aussehen könnte, zeigt der FC Schalke 04. Schon jetzt wird in Gelsenkirchen eine elektronische Zuganskontrolle benutzt. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (Agb) für den Erwerb von Eintrittskarten gibt der Verein an: Der Ticketvertreiber Ticket und Secure GmbH (T&S) ist «berechtigt, solange kein Widerspruch des Kunden vorliegt, die erhaltenen Daten des Kunden zur Werbung, zur Marktforschung für Zwecke von T&S und zur bedarfsgerechten Gestaltung der Angebote von T&S zu erheben, zu verarbeiten und zu nutzen.»

