Klinsmann könnte nicht die ganze
Woche in der DFB-Zentrale sitzen
26. Okt 2004 09:14, ergänzt 10:29
 | Jürgen Klinsmann | | Foto: ddp |
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Dass Jürgen Klinsmann zur Erfüllung seiner Aufgabe ständig zwischen den USA und Deutschland hin- und herreisen muss, erachtet er als unproblematisch. Der Bundestrainer widerspricht so seinen Kritikern.
Jürgen Klinsmann hat das Pendeln zwischen den USA und Deutschland verteidigt. «Das ist wichtig für mich und meine Familie», sagte der Bundestrainer. Seit seiner Amtseinführung wurde der 40-Jährige immer wieder kritisiert, zu viel Zeit in Kalifornien zu verbringen, anstatt vor Ort greifbar zu sein.
Tag beginnt um 5.30 Uhr
Dabei ist Klinsmann laut eigener Aussage ständig präsent, wenn auch nicht körperlich. Über E-Mail stehe er mit seinem Assistenten Joachim Löw oder Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff ständig in Kontakt. Auch die Zeitverschiebung bereitet dem Bundstrainer dabei keine Schwierigkeiten. «In Amerika stehe ich immer um 5.30 Uhr auf. Da habe ich keine Probleme. Das kommt wohl noch von meiner Zeit als Bäcker.» So habe «alles seinen normalen Ablauf.» Auch die Flugreisen nutzt Klinsmann. «Die zehn, elf Stunden sind für mich ein Arbeitstag. Während des Fluges kann ich arbeiten. Sieben Stunden sitze ich am Laptop, der Rest wird im Flugzeug geschlafen.»
«Kann mich normal bewegen»
 | Ständig in Kontakt mit Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff | | Foto: AP |
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So versteht Klinsmann die Aufregung um seine Reisen von den USA nach Deutschland überhaupt nicht. Klinsmann war 1998 nach Los Angeles umgezogen («Wir mussten eine optimale Lösung für die Kinder finden»), also in die Stadt, aus der seine Frau Debbie Chin kommt. Klinsmann macht vielmehr Vorteile aus. «Ich schöpfe Kraft und behalte meine Blickweise von außen. Ich könnte nicht nur die ganze Woche in der DFB-Zentrale in Frankfurt sitzen.» Zudem ist in Amerika das Interesse am Fußball im Allgemeinen und der deutschen Nationalmannschaft im Besonderen nicht sehr hoch. Kaum einer weiß, dass Klinsmann einen dreifachen Weltmeister trainiert: «Wir leben ganz anonym in Kalifornien. Ich kann mich ganz normal bewegen.»
«Bin ein Mischmasch»
Trotz der sechs Jahre in den USA fühlt sich Klinsmann nicht als Amerikaner: «Es ist mir wichtig, dass man seine Wurzeln spürt. Ich spüre sie jeden Tag.» So informiert sich Klinsmann auch täglich über die Lage in seinem Heimatland und kritisiert viele negative Sichtweisen: «In Deutschland überwiegen Bedenken. Man wünscht sich, dass die Dinge positiver angepackt werden.»Doch nicht nur durch die Auswanderung habe Klinsmann andere Sichtweisen erhalten. Bereits während seiner aktiven Karriere spielte der frühere Kapitän der Nationalmannschaft in vier verschiedenen Ländern. «Ich habe in Italien, Frankreich oder England viel gelernt.» Deshalb sind die deutschen Wurzeln bei ihm zwar weiter spürbar, doch nur auf eine Nationalität will sich Klinsmann nicht reduzieren: «Letztendlich bin ich ein Mischmasch.»