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Lanzinger aus dem Koma geholt: 

Kritik an Organisatoren wird lauter

05. Mrz 2008 16:49
Der schwer verletzte Matthias Lanzinger wird abtransportiert - zu spät?
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Der schwer gestürzte Skirennfahrer Matthias Lanzinger ist nach der Operation aus dem künstlichen Koma geholt worden. Die Familie des Österreichers hat derweil schon einen Anwalt eingeschaltet.

Matthias Lanzinger ist nach der Amputation seines linken Unterschenkels wie geplant aus dem künstlichen Koma geholt worden, die Kritik an Erstversorgung und Abtransport des schwer verunglückten österreichischen Skirennfahrers nimmt derweil an Schärfe zu. Seine Eltern lassen mögliche Schadenersatzforderungen gegen die Veranstalter des Weltcup-Super-G-Rennens in Kvitfjell/Norwegen prüfen. Dort hatte der 27-jährige Lanzinger einen offenen Schien- und Wadenbeinbruch sowie schwere Gefäßverletzungen erlitten.

Sicherheitsvorkehrungen werden geprüft

«Man wird sich anschauen müssen, ob es bei der Organisation des Rennens nicht zu schweren Versäumnissen gekommen ist. Vor allem ist zu klären, ob ausreichende Sicherheitsvorkehrungen gegeben waren», sagte der Wiener Anwalt Manfred Ainedter, der ein Mandat von Matthias Lanzingers Mutter übernommen hat, am Mittwoch der österreichischen Presse-Agentur Apa.

Lanzinger soll in den nächsten Tagen in die Salzburger Universitätsklinik überführt werden. Laut dem Salzburger Gefäß-Chirurgen Thomas Hölzenbein, der dem Ärzte-Team bei der einstündigen Not-Operation angehört hatte, wurde das Bein unterhalb des Knies amputiert. Wenn keine Komplikationen aufträten, könne Lanzinger in einem Monat bis sechs Wochen mit der Rehabilitation beginnen. Die betreuenden Ärzte des Osloer Ullevål-Krankenhauses teilten am Mittwoch mit: «Postoperativ befand sich Lanzinger in einem stabilen Zustand, so dass er gestern Abend noch aus dem künstlichen Tiefschlaf geholt werden konnte.»

Amputierter Unterschenkel beschlagnahmt

Da Lanzinger vor seiner Einlieferung in die Osloer Uni-Klinik zunächst nach Lillehammer geflogen worden sei, sei möglicherweise Zeit verstrichen, «die Matthias Lanzinger letzten Endes das Bein gekostet» habe, meinte Anwalt Ainedter. Zu Zwecken der Beweissicherung ließ Ainedter den amputierten Unterschenkel beschlagnahmen. Der Salzburger Unfallchirurg Herbert Resch erklärte jedoch, dass eine Amputation auch bei schnellerem Transport hätte nötig werden können. Gleichwohl habe der Zeitfaktor eine große Rolle gespielt. Bis zu Lanzingers Einlieferung in Oslo seien fünf Stunden vergangen: «Fünf, sechs Stunden sind eine Grenzzeit, wo Gefahr höchst im Verzug ist.»

Die norwegischen Veranstalter des Kvitjell-Weltcups am Wochenende wiesen Kritik an einem angeblich fehlenden Rettungshubschrauber und zu langen Transportzeiten für Lanzinger zurück. Organisationschef Svein Mundal sagte der Nachrichtenagentur NTB: «Wir hatten hier bei Weltcups schon immer einen Rettungshelikopter einsatzbereit, und so war es auch am letzten Wochenende.» Aus Österreich war kritisiert worden, dass kein spezieller Rettungshubschrauber zur Verfügung gestanden habe, sondern ein Touristenhelikopter, bei dem zuerst noch eine Sitzbank ausgebaut werden musste.

Touristenhelikopter statt Rettungshubschrauber

Auch der Internationale Skiverband (Fis) wies Kritik zurück. «Die dramatischen Folgen für Lanzinger gehen uns unheimlich an die Nieren, aber man muss aufpassen, dass jetzt nicht alles miteinander vermischt wird», sagte Herren-Renndirektor Günter Hujara der «Stuttgarter Zeitung» (Mittwoch-Ausgabe). Er erinnerte daran, dass ein Fahrfehler die Ursache für den Sturz gewesen war. Auch Fis-Präsident Gian-Franco Kasper betonte: «Die Mannschaftsärzte vor Ort hatten die Sicherheitsmaßnahmen beim ersten Training für gut befunden.»

In seiner Heimat wurde Lanzinger große Anteilnahme zuteil. Auf seiner Homepage gingen rund 3 500 Gästebuch-Einträge mit Genesungswünschen und Aufheiterungen ein, zahlreiche Behindertensportler boten sich an, Lanzinger bei der Rückkehr in den Alltag zu helfen. Die österreichische Telekom ließ mitteilen, dass Lanzinger «alle Türen für eine zukünftige berufliche Karriere offenstehen».

(dpa)

 
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