Österreichs Ski-Herren geschockt:
Lanzingers Unterschenkel amputiert
04.03.2008
Herausgeber: netzeitung.de
«Die Tragik der Geschehnisse ist unfassbar», sagte Österreichs Ski-Star Hermann Maier erschüttert. Der zweimalige Olympiasieger durchlebte die Folgen seines schweren Motorradunfalls von 2001, als auch ihm eine Amputation gedroht hatte. Kritik gab es aus Österreich wegen des unprofessionellen Abtransports. So soll kein spezieller Rettungshubschrauber zur Verfügung gestanden haben, bei dem ersatzweise eingesetzten Touristen-Hubschrauber musste demnach erst eine Sitzbank entfernt werden, um den schwer verletzten Sportler vom Zielraum ins Krankenhaus fliegen zu können.
Nach einer neunstündigen Not-Operation in der Nacht zum Montag kam Lanzinger, der wegen Komplikationen zwischenzeitlich ins künstliche Koma versetzt wurde, auch in der Nacht zum Dienstag wieder im Osloer Ullevål-Krankenhaus auf den OP-Tisch. Doch aller Einsatz der Ärzte half nichts, auch der eingeflogene Salzburger Gefäßspezialist Thomas Hölzenbein konnte den schwer geschädigte Unterschenkel nicht retten. «Wir haben die ganze Nacht operiert. Aber leider ist es uns nicht gelungen, die Blutzirkulation im linken Bein wieder in Gang zu bekommen», sagte Chefchirurg Lars Engebretsen. Lanzingers Fuß habe sich bei dem schweren Sturz mit offenen Knochenbrüchen wahrscheinlich mehrfach gedreht. Der Zustand des Athleten verschlechterte sich am Dienstagmittag weiter, so dass eine weitere Operation notwendig war.
So musste der norwegische Doppel-Weltmeister Aksel Lund Svindal nach seinem Trainings-Unfall Ende November in Beaver Creek (USA) die Saison vorzeitig beenden. Scott Macartney rutschte nach seinem Horror-Crash auf der Streif in Kitzbühel regungslos ins Ziel, konnte aber drei Tage, nachdem er wegen eines Schädel-Hirn-Traumas ins künstliche Koma versetzt worden war, wieder das Krankenhaus verlassen. Der Ebinger Stephan Keppler riss sich, ebenfalls in Kvitfjell, das Kreuzband.
Obwohl der Internationale Skiverband FIS vor der Saison durch eine Regeländerung vermeintlich sicherere Ski (weniger Taillierung, niedrigere Standhöhe) hat bauen lassen, haben sich in diesem Winter schon mehr als 30 Sportler zum Teil schwer verletzt. «Man kann 100 mal 100 Prozent haben und ein Mal 98 Prozent - und dann hast Du ein Problem», erklärte der deutsche Alpin-Direktor Wolfgang Maier. «Die Sicherheit ist jedes Jahr besser geworden, aber es gibt immer wieder Vorfälle.» (Christian Kunz und Thomas Borchert, dpa)

