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Österreichs Ski-Herren geschockt: 

Lanzingers Unterschenkel amputiert

04. Mrz 2008 11:00, ergänzt 16:06
Matthias Lanzinger wird nach seinem Unfall abtransportiert.
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Ein schwerer Sturz beim Super-G im norwegischen Kvitfjell hat die Karriere des Skirennfahrers Matthias Lanzinger beendet. Trotz mehrstündiger Operationen konnte das Bein des Österreichers nicht gerettet werden.

Nach dem schwersten Unfall im alpinen Weltcup seit sieben Jahren ist Skirennfahrer Matthias Lanzinger nach mehreren Not-Operationen der linke Unterschenkel amputiert worden. «Wegen akuter Verschlechterung der allgemeinen Situation und drohender Lebensgefahr war eine sofortige Operation notwendig. Es wurde eine Unterschenkel-Amputation durchgeführt und der Allgemeinzustand von Matthias Lanzinger hat sich dadurch deutlich gebessert. Derzeit besteht keine akute Lebensgefahr», sagte Gefäßspezialist Thomas Hölzenbein am Dienstag in einer Osloer Klinik. Der Zustand sei aber «insgesamt nach wie vor kritisch.»

Amputation unvermeidbar

Der 27-jährige Österreicher hatte sich am Sonntag beim Super-G- Rennen im norwegischen Kvitfjell einen offenen Schien- und Wadenbeinbruch sowie eine schwerwiegende Gefäßverletzung zugezogen. Wegen des irreparablen Gewebeschadens war die Amputation unvermeidbar, da dauerhaft schwerwiegende Folgen drohten und das Leben des Spitzensportlers gefährdet war.

«Die Tragik der Geschehnisse ist unfassbar», sagte Österreichs Ski-Star Hermann Maier erschüttert. Der zweimalige Olympiasieger durchlebte die Folgen seines schweren Motorradunfalls von 2001, als auch ihm eine Amputation gedroht hatte. Kritik gab es aus Österreich wegen des unprofessionellen Abtransports. So soll kein spezieller Rettungshubschrauber zur Verfügung gestanden haben, bei dem ersatzweise eingesetzten Touristen-Hubschrauber musste demnach erst eine Sitzbank entfernt werden, um den schwer verletzten Sportler vom Zielraum ins Krankenhaus fliegen zu können.

Nach einer neunstündigen Not-Operation in der Nacht zum Montag kam Lanzinger, der wegen Komplikationen zwischenzeitlich ins künstliche Koma versetzt wurde, auch in der Nacht zum Dienstag wieder im Osloer Ullevål-Krankenhaus auf den OP-Tisch. Doch aller Einsatz der Ärzte half nichts, auch der eingeflogene Salzburger Gefäßspezialist Thomas Hölzenbein konnte den schwer geschädigte Unterschenkel nicht retten. «Wir haben die ganze Nacht operiert. Aber leider ist es uns nicht gelungen, die Blutzirkulation im linken Bein wieder in Gang zu bekommen», sagte Chefchirurg Lars Engebretsen. Lanzingers Fuß habe sich bei dem schweren Sturz mit offenen Knochenbrüchen wahrscheinlich mehrfach gedreht. Der Zustand des Athleten verschlechterte sich am Dienstagmittag weiter, so dass eine weitere Operation notwendig war.

Erinnerungen an Beltramettis Unfall

Im Ski-Lager wurden nach den schockierenden Folgen des Unfalls Erinnerungen an den verhängnisvollen Sturz des Schweizers Silvano Beltrametti wach, der sich 2001 im französischen Val d'Isère zwei Brustwirbel gebrochen hatte und seitdem querschnittsgelähmt ist. Auch in dieser Saison gab es eine ganze Reihe schwere Unfälle im Weltcup.

So musste der norwegische Doppel-Weltmeister Aksel Lund Svindal nach seinem Trainings-Unfall Ende November in Beaver Creek (USA) die Saison vorzeitig beenden. Scott Macartney rutschte nach seinem Horror-Crash auf der Streif in Kitzbühel regungslos ins Ziel, konnte aber drei Tage, nachdem er wegen eines Schädel-Hirn-Traumas ins künstliche Koma versetzt worden war, wieder das Krankenhaus verlassen. Der Ebinger Stephan Keppler riss sich, ebenfalls in Kvitfjell, das Kreuzband.

Obwohl der Internationale Skiverband FIS vor der Saison durch eine Regeländerung vermeintlich sicherere Ski (weniger Taillierung, niedrigere Standhöhe) hat bauen lassen, haben sich in diesem Winter schon mehr als 30 Sportler zum Teil schwer verletzt. «Man kann 100 mal 100 Prozent haben und ein Mal 98 Prozent - und dann hast Du ein Problem», erklärte der deutsche Alpin-Direktor Wolfgang Maier. «Die Sicherheit ist jedes Jahr besser geworden, aber es gibt immer wieder Vorfälle.» (Christian Kunz und Thomas Borchert, dpa)

 
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