netzeitung.deUmstrittener Kapitän bringt Kanada Viertelfinale

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Lupe Umstrittener Kapitän bringt Kanada Viertelfinale

Nach Schweden haben auch Kanada und Russland das Viertelfinale der Eishockey-WM erreicht. Österreich verlor dagegen in der Abstiegsrunde.

Bei der Eishockey-WM haben nach Titelverteidiger Schweden auch Gastgeber Russland und Rekord-Weltmeister Kanada den Sprung ins Viertelfinale geschafft. Die Hausherren mühten sich am Freitag in Moskau beim 3:0 (0:0, 1:0, 2:0) gegen Außenseiter Italien in der Zwischenrunde zum insgesamt dritten Sieg. Ilja Kowaltschuk knackte erst in der 35. Minute Italiens Abwehr-Bollwerk. 14.000 Fans in der Chodynka-Arena bangten, als danach zwei Russen 90 Sekunden gemeinsam auf der Strafbank saßen. Alexander Frolow (54.) und Alexej Morosow (60.) mit seinem sechsten Turniertor sicherten den hart erarbeiteten Erfolg.

Ausgerechnet der daheim umstrittene Kapitän Shane Doan ebnete Kanada den Weg in das Viertelfinale. Einen Tag nach einer hitzigen Anhörung im Parlament in Ottawa schoss Doan in Moskau beim 6:3 (0:1, 5:0, 1:2) über Weißrussland gleich drei Tore. Die nach Hause geflogenen Spitzenfunktionäre des kanadischen Verbandes hatten Doan erneut gegen Vorwürfe verteidigt, er habe die Franko-Kanadier beleidigt.

Die Weißrussen, die am Montag letzter deutscher Zwischenrunden-Gegner sind, waren durch Alexej Ugarow (9.) in Führung gegangen. Doch im zweiten gelangen Doan nach dem 1:1 in Unterzahl (23.) gleich noch zwei Tore (26./30.). Zudem trafen Talent Jonathan Toews (29.), Mike Cammalleri (37.) und Matthew Lombardi (57.) sowie Alexander Riadinski (50.) und Dimitri Meleschko (59.) für die weiter punktlosen Weißrussen. Vor Kanada war schon Titelverteidiger und Olympiasieger Schweden weitergekommen. Österreich verlor zum Auftakt der Abstiegsrunde gegen Norwegen erst nach Verlängerung 2:3 (0:0, 1:0, 1:2).

«Sch...-Franzosen» nie gesagt
Kanadas Premierminister Stephen Harper hatte am Donnerstag (Ortszeit) dazu aufgerufen, den Streit um Doan zu beenden. Der Stürmer der Phoenix Coyotes, der sogar seinen Rücktritt als Kapitän angeboten hatte, war wegen Äußerungen während eines NHL-Spiels in Montréal im Dezember 2005 in die Kritik geraten. Doan hatte seinen Torwart nach einer umstrittenen Entscheidung lautstark darauf verwiesen, dass vier Franko-Kanadier als Unparteiische amtierten. Er bestreitet jedoch, einen der vier als «Sch...-Franzosen» beschimpft zu haben. Die nordamerikanische Profiliga NHL sprach Doan frei.

Die Partei der Französisch sprechenden Minderheit hielt jedoch an ihren Vorwürfen fest. «Wenn jemand eine Bank ausraubt, gilt er so lange als unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen ist. Aber ich kenne nicht viele Leute, die ihn zum Bank-Manager machen würden, so lange das Verfahren läuft», sagte der Parteichef des Bloc Québecois, Gilles Duceppe. «Er wird zum Kapitän der Mannschaft vor dem Urteil gemacht. Das ist eine Beleidigung aller Menschen in Québec», erklärte Duceppe vor dem Parlaments-Ausschuss für Sprachen. Doan hat den Politiker wegen dessen Vorwürfen schon vorher auf Schadenersatz verklagt, Duceppe antwortete mit einer Gegenklage.

Kanadas Premierminister Harper erklärte, es sei alles gesagt: «Der gesunde Menschenverstand setzt sich nun durch. Was die Kanadier jetzt wollen, ist weiterhin ihre Mannschaft zu unterstützen. Ich betrachte mich wie Millionen von Kanadiern als Eishockey-Experte, aber die Auswahl des Kapitäns sollten die wahren Experten treffen.» Der Chef des Eishockey-Weltverbandes IIHF, der Schweizer René Fasel, hatte am Donnerstag Partei zu Gunsten von Doan ergriffen und der Politik in Kanada Einmischung vorgeworfen. (dpa)